Lufthansapiloten ermöglichen Streik

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die Tarifverhandlungen mit Lufthansa für gescheitert erklärt und eine Urabstimmung über Streikmaßnahmen beantragt. Streitpunkt ist die betriebliche Altersvorsorge der Piloten. Firmenkunden, Geschäftsreisende und alle, die privat fliegen wollen, müssen sich darauf einstellen, dass ihr Flug nicht stattfindet.

Nach sieben ergebnislosen Verhandlungsrunden mit Lufthansa und Lufthansa Cargo wurden die Gespräche über einem neuen Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung (TV Rente) für gescheitert erklärt.

„Die Arbeitgeberseite zeigte von Beginn an keine ernsthafte Bereitschaft, die betriebliche Altersversorgung (bAV) auf ein verlässliches Niveau anzuheben. Statt konstruktiver Lösungen wurden nur Modelle auf Kosten der Beschäftigten präsentiert. Substanzielle Verbesserungen wurden nicht angeboten“, sagt Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit. 

Zum Hintergrund: Bei einem Tarifabschluss im Jahr 2017 hatte sich die Piloten-Gewerkschaft darauf eingelassen, dass Lufthansa nicht mehr die absolute Höhe der Renten garantiert, sondern nur noch die Höhe der Arbeitgeberbeiträge. Das Zinsrisiko ging so auf die rund 4.800 Beschäftigten über. Zudem wurde das durchschnittliche Alter zur Übergangsversorgung um zwei Jahre auf 60 Lebensjahre hochgesetzt. Auf Drängen des Arbeitgebers wurde diese durch ein kapitalmarktfinanziertes Modell ersetzt, welches das frühere Versorgungsniveau deutlich verfehlt. Die betriebliche Altersvorsorge ist für Piloten ein zentraler Baustein der Absicherung – mindestens genauso wichtig wie die gesetzliche Rente.  

Trotz mehrfach gezeigter Kompromissbereitschaft der Group-Tarifkommission (GTK), blieb die Arbeitgeberseite bei ihrer starren Verweigerungshaltung „Während Lufthansa Milliardengewinne erzielt und Dividenden ankündigt, verweist sie bei der bAV auf angebliche Finanzierungsgrenzen. Dieses Vorgehen ist nicht nur widersprüchlich, sondern wird auch denjenigen, die mit ihrer Arbeit den Erfolg des Konzerns sichern, nicht gerecht“, so Pinheiro. So plädierte das Cockpitpersonal etwa für einen höheren Arbeitgeberanteil der Lufthansa. 
Die GTK hat den Vorstand der Vereinigung Cockpit gebeten, eine Urabstimmung einzuleiten. „Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen – aber er war notwendig. Wir akzeptieren das kapitalmarktorientierte System, aber wenn die Rendite nicht reicht, muss die Arbeitgeberseite höhere Beiträge leisten“, sagt GTK-Sprecher Arne Karstens abschließend.

Ob und wann es zu einem erneuten Pilotenstreik bei der defizitären Lufthansa-Kernmarke kommt, steht damit noch nicht fest. Zuletzt hatte die VC im Jahr 2022 einen eintägigen Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft organisiert.
Das Unternehmen hat nach Angaben eines Sprechers zunächst keine Information zum Scheitern der Gespräche erhalten. Man könne den Vorgang daher nicht kommentieren. Quelle: Vereinigung Cockpit / DMM