Lufthansas Business-Class-Fiasko

Die Lufthansa hat bestätigt, dass sie ihre brandneue Boeing 787-9 Dreamliner mit leeren Business-Class-Sitzen fliegen wird, da diese noch nicht von der US-Luftfahrtbehörde FAA für den Einsatz zugelassen sind.

Weil die US-Luftfahrtbehörde die neue Allegris-Business Class für die Lufthansa Dreamliner bis heute nicht zertifiziert (zugelassen) hat, müssen die neuen B787 der Lufthansa die BC unbesetzt lassen. Zunächst sollen die Jets von Frankfurt nach Montreal fliegen. Foto: LH

Lufthansa hat 34 Boeing 787-9 Dreamliner bestellt, um ihre alternde Flotte spritfressender Airbus A340-600 zu ersetzen. Die ersten Dreamliner-Auslieferungen waren für Ende 2024 geplant. Doch erhebliche Probleme mit der neuen Business Class haben diesen Zeitplan wiederholt verschoben.

Mindestens 15 dieser millionenschweren Flugzeuge wurden bereits gebaut und warten am Boeing-Standort Everett (bei Seattle) auf die Übergabe an Europas größten Netzwerk-Carrier. Aufgrund des peinlichen Zertifizierungs-Fiaskos stehen die modernen Langstreckenjets derzeit ungenutzt in den Boeing-Werken.

Die neue Dreamliner-Flotte der Lufthansa wird mit einer innovativen Allegris-Business-Class-Kabine ausgestattet sein, die seit 2017 in Planung war, nach jahrelangen Verzögerungen und Rückschlägen jedoch erst im Mai 2024 eingeführt wurde. Unter dem Namen „Lufthansa Allegris“ bietet Lufthansa ihren Fluggästen ein ganz neues Reiseerlebnis auf der Langstrecke: Alle Lufthansa Reiseklassen von Economy, über Premium Economy, Business und First Class haben ein neues Spitzenprodukt erhalten, das durch die Sitzvielfalt im Markt seinesgleichen sucht, wie die Lufthansa das neue Produkt bewirbt.

Anstatt einen Business-Class-Sitz von der Stange zu kaufen, entschied sich Lufthansa für die Entwicklung eines maßgeschneiderten Produkts namens Allegris (DMM berichtete). Eher ungewöhnlich: Allegris besteht nicht nur aus einem, sondern aus fünf verschiedenen Business-Class-Sitztypen mit unterschiedlichen Funktionen, um den unterschiedlichen Wünschen Bedürfnissen der Passagiere gerecht zu werden. Das Endprodukt ist ein ziemlich verwirrendes Sammelsurium verschiedener Sitze, dessen Bau und Zertifizierung sich als schwierig erwiesen hat. Deutlich mehr Platz und Komfort für ein ganz persönliches Reiseerlebnis soll zudem die bei Geschäftsreisenden bevorzugte In der Lufthansa Allegris Premium Economy Class bieten. 

Die Allegris-Sitze für die Airbus A350 der Lufthansa werden von Thompson Aero gebaut und sind nach der Zulassung durch die europäischen Luftfahrtbehörden bereits im Einsatz. Im Gegensatz dazu werden die Allegris-Sitze von Boeing für die Boeing 787 von Collins Aerospace gebaut und müssen von der US-amerikanischen FAA zertifiziert werden, da die Flugzeuge in den USA montiert werden.

Obwohl von Lufthansa nicht bestätigt, gibt es Berichte, wonach die FAA Bedenken hinsichtlich der Leistung der Allegris-Sitze bei Crashtests hatte. Der Sitzhersteller und Lufthansa müssen nachbessern, so die US-Luftfahrtbehörde, bevor sie die Sitze zertifizieren, sprich für den Passagierverkehr zulassen wird. 

Daher entschied sich Lufthansa, die Flugzeuge erst in Empfang zu nehmen, wenn die erforderliche Zertifizierung erfolgt ist. Lufthansa Konzernchef Carsten Spohr erklärte nun jedoch, dass die Fluggesellschaft im September mit der Übernahme von zehn Dreamlinern beginnen werde, auch wenn die FAA die neue Business Class bis dahin noch nicht zertifiziert haben sollte. Die Fluggesellschaft beabsichtigt, die Jets dann auf Flügen zwischen Frankfurt und Montreal einzusetzen, allerdings ohne dass alle oder fast alle Allegis Business Class-Sitze reservierbar sein werden.  Bis Ende 2025 hofft Lufthansa, zehn Boeing 787 in Empfang genommen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt plant sie, die letzten sechs Airbus A340-600 ihrer Flotte auszumustern. Spohr hofft, dass die Allegris-Sitze bis dahin auch für die Passagiernutzung zertifiziert sein werden.

Das Allegris-Problem. 2017 kündigte Lufthansa ein umfangreiches Kabinen-Modernisierungsprogramm für ihre Langstreckenflotte an, das sie Allegris nannte. Allegris erwies sich für Lufthansa als unglückliches, kostspieliges und lange verzögertes Projekt. Das erste Flugzeug, das mit den neuen Sitzen ausgestattet wurde, hob erst im Mai 2024 ab. Selbst dann war die First Class noch nicht fertig, und das Flugzeug wurde zunächst mit einer Reihe von Economy-Sitzen anstelle der vorgesehenen First Class eingesetzt.
Für die Business Class hat Lufthansa ein komplett maßgeschneidertes Projekt entwickelt, das von jedem Sitz aus direkten Zugang zum Gang bietet, aber gleichzeitig für verschiedene Sitze in derselben Kabine unterschiedliche Privatsphäre- und Komfortstufen bietet. Die Idee dahinter ist, dass Lufthansa diese Sitze besser vermarkten kann, indem sie Passagiere dazu bringt, mehr für die bequemsten Sitze zu bezahlen. Quelle: FAA / LH / DMM