Madrid-Barcelona in 1.3/4 Stunden

Schneller als mit dem Flugzeug, sie spanische Bahngesellschaft RENFE macht's in Zukunft möglich. Sie will ihre Hochgeschwindigkeits-Flotte vergrößern, um für die steigende Nachfrage gerüstet zu sein. RENFE und Talgo haben sich auf die Lieferung von 30 neuen Hochgeschwindigkeitszügen geeinigt.

Nur 1.3/4 Stunden brauchen die künftigen Talgo-Avril-Züge für die Distanz Madrid-Barcelona (670 km). im Bild ein Vorserienzug. Foto: Talgo Petentes

Geliefert werden 30 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Talgo Avril, so Spanienes  Verkehrsminister Iñigo de la Serna. Der Auftrag hat ein Volumen von insgesamt rund 1,5 Mrd. Euro, wobei auch die Wartung der Züge für 30 Jahre durch den Bahnbauer übernommen wird. Die mitbietenden Eisenbahnhersteller CAF, Siemens und Alstom waren mit ihren Geboten gescheitert.

Die Talgo Avril gehören zur neuen Generation der Talgo-Züge und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 380 km/h. Neben reinen innerspanischen Verbindungen sollen die weißen Renner auch im internationalen Bahnverkehr nach Frankreich zum Einsatz kommen. Rund 80 % je Triebzugeinheit bieten die zweite Klasse (Turista) und die restlichen 20 % die erste Klasse (Business). Bahnfahrgäste finden in den Avrils je 521 Sitzplätze vor. Erreicht wird dies durch eine 3+2-Bestuhlung in der 2. Klasse. Auch in der 1. Klasse der Talgo Avril wird es deutlich mehr Sitzplätze geben. Statt auf eine hoch komfortable 2+1-Bestuhlung zu setzen, hat die spanische Eisenbahn eine 2+2-Bestuhlung mit jeweils vier Sitzplätzen pro Reihe bestellt. Für Geschäftsreisende wird die Bahn in Spanien damit jedenfalls nicht attraktiver. RENFE orientiert sich mit seiner Sitzplatzstrategie an den Airlines, die zunehmend auf Massentransport statt auf eine bequeme Flugreise setzen.

Im September 2008 hatte der spanische Zughersteller Talgo angekündigt, eine weitere Generation von Hochgeschwindigkeitszügen zu entwickeln. Diese basiert auf einer neuen Plattform mit dem Akronym „AVRIL“ (Alta Velocidad Rueda Independiente Ligero), was übersetzt „Hochgeschwindigkeit-Losrad-Leicht‘“ heißt. Das Besondere an den technologisch sehr innnovativen Fahrzeugen ist Variabilität in Bezug auf Zuglänge und -breite, Spurweite, Stromsysteme und Antriebsarten. Mit dem modularen Konzept sollen alle denkbaren und gewünschten Bedürfnisse von Bahnverwaltungen abgedeckt werden.

Die 200 m langen Triebzüge bestehen aus zwei motorisierten Triebköpfen und 12 antriebslosen Zwischenwagen mit Einzelradlaufwerken. Da die Mittelwagen mit 13,14 m sehr kurz sind (halb so lang wie beim ICE 3), darf die Wagenbreite 3,20 m betragen. Damit ist die oben beschriebene 2+2-Bestuhlung in der 1. Klasse und eine 2+3-Bestuhlung in der 2. Wagenklasse möglich. Eine Besonderheit ist darüber hinaus die niedrige Bodenhöhe von lediglich 76 cm zur Schienenoberkante. Sie erlaubt den Fahrgästen einen stufenlosen Eintritt in die Züge.

Die Talgo AVRIL-Hochgeschwindigkeitszüge sollen dank der Antriebsleistung von 8.800 kW im Plandienst 380 km/h erreichen. Für die Relation „Barcelona – Madrid“ würde eine Nonstop-Fahrt nur 1:45 Stunden dauern. Derzeit benötigen die schnellsten AVE- Verbindungen zwischen der Hauptstadt und der spanischen Touristenmetropole Nr. 1 gut zweieinhalb Stunden für die 670 km lange Distanz. Quelle: RENFE / DMM