Malaysia versucht erneut, eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte zu lösen

Fast zwölf Jahre nach den tragischen Ereignissen vom 08. März 2014 versuchen die malaysischen Behörden erneut, eines der größten Rätsel der modernen Luftfahrtgeschichte zu lösen: Was geschah mit Flug MH370 der Malaysia Airlines und den Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord?

Ab 30. Dezember startet ein letzter Versuch das Wrack der im Ozean verschwundenen B 777-200 der Malaysia Airlines (Flug MH 370) zu finden. Foto MA

Am Mittwoch, 03. Dezember 2025  gab das malaysische Verkehrsministerium bekannt, dass es das Unternehmen Ocean Infinity mit der Wiederaufnahme der Tiefseesuche nach den Überresten von MH370 beauftragt hat. Die Suche soll am 30. Dezember 2025 beginnen und maximal 55 Tage dauern. Sie erfolgt auf Erfolgsbasis („No Find, No Fee“). Das bedeutet, dass Ocean Infinity eine Gebühr von 70 Mio. US-Dollar erhält, falls die Überreste des Flugzeugs gefunden werden.

Das Verkehrsministerium Malaysias teilte mit, die Suche werde sich auf ein Gebiet beschränken, in dem die Wahrscheinlichkeit, das Flugzeug zu finden, als am höchsten eingeschätzt werde: eine rund 5.000 km2 große Zone im südlichen Indischen Ozean.

Weiter hieß es in der Erklärung: „Diese jüngste Entwicklung unterstreicht das Engagement der malaysischen Regierung, den von dieser Tragödie betroffenen Familien Gewissheit zu verschaffen.“

Der verhängnisvolle Flug MH370. Malaysian Airlines Flug MH370 von Kuala Lumpur nach Peking verschwand am 8. März 2014 mit 227 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern an Bord. Die Boeing 777-200 verschwand nur 38 Minuten nach dem Start über dem Südchinesischen Meer von den Bildschirmen der Flugsicherung. Die Tripleseven wurde noch eine Stunde lang vom Militärradar verfolgt, wurde dann aber verloren und konnte nicht mehr geortet werden. 

Das Verschwinden von MH370 löste die größte Suchaktion der Menschheitsgeschichte aus. Bis 2017 durchkämmten die Behörden über 120.000 km2 Ozean, um die Trümmer des vermissten Langstreckenjets zu finden. Ein zweiter Suchversuch wurde im Januar 2018 gestartet, aber nur sechs Monate später erfolglos abgebrochen.

Wer ist Ocean Infinity? Das in Austin (Texas) ansässige Unternehmen Ocean Infinity beschreibt sich selbst als Anbieter von Meeresrobotik und baut die weltweit größte Flotte seegestützter Roboterlösungen auf. Zu seinen täglichen Aufgaben gehören die Kartierung des Meeresbodens, seismische Untersuchungen, Inspektionen von Offshore-Anlagen und Umweltuntersuchungen sowie die Tiefseesuche und Bergung. Ocean Infinity war an der gescheiterten Suchaktion von 2018 beteiligt, unterzeichnete jedoch im März dieses Jahres einen neuen Dienstleistungsvertrag mit Malaysia, um die Suche nach MH370 wieder aufzunehmen.

War MH370 ein „Erweiterter Selbstmord“? Ohne Wrackteile von MH370 und in Ermangelung anderer Beweise tappen die Ermittler weiterhin im Dunkeln, was das spurlose Verschwinden des Flugzeugs verursacht hat. Der ehemalige australische Premierminister Tony Abbott behauptet jedoch, dass malaysische Regierungsbeamte bereits früh in den Ermittlungen den Verdacht hegten, einer der Piloten könnte für den Verlust von MH370 im Rahmen eines sogenannten erweiterten Selbstmords verantwortlich sein. Letzteres gab es seinerzeit auch beim Absturz des Germanwings-Linienflugs 9525 von Barcelona nach Düsseldorf. Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus A320-211 an den Westalpen, auf dem Gebiet der Gemeinde Prads-Haute-Bléone im südfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence. Damals war die Ursache der erweiterte Selbstmord eines psychisch kranken Co-Piloten. Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben.

Der Abschlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde für Flugunfälle BEA stellte fest, dass sich der Co-Pilot Andreas Lubitz mit Absicht im Cockpit eingeschlossen hatte, um die Maschine vorsätzlich, bewusst und alleine gegen einen Berg zu steuern, um auf diese Weise erweiterten Suizid zu begehen (DMM berichtete). 

„Meines Wissens, und zwar aus höchster Sicht der malaysischen Regierung, ging man von Anfang an von einem erweiterten Selbstmord des Kapitäns aus “, sagte Abbott gegenüber Sky News Australia. Die Ermittler prüften damals die Möglichkeit, dass Kapitän Zaharie Ahmad Shah die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Diese Annahme stützt sich auf angeblich gefundene gelöschte Daten seines Heim-Flugsimulators.

Es gibt jedoch auch andere Theorien zum Verschwinden von MH370, darunter:

• Mögliche Fluguntauglichkeit der Cockpit-Besatzung durch Sauerstoffmangel – ähnlich dem Absturz von Helios-Airways-Flug 522 im Jahr 2005. 
• Ein Strömungsabriss in der Luft, von dem die Piloten nicht mehr abfangen konnten – so stürzte Air-France-Flug AF447 von Rio de Janeiro nach Paris im Jahr 2009 in den Atlantik. 
• Ein Brand im Frachtraum – wie beim Absturz einer Boeing 747-400 der UPS im Jahr 2010 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. 
• Ein Terroranschlag.

Quelle: The Star/Malaysia / DMM