Marode Air India an Tata Sons verschleudert

Air India ist seit Jahren ein mit Alitalia vergleichbarer Fall. Schulden ohne Ende und lange war kein ernsthafter Kaufinteressent bzw. Investor in Sicht. Jetzt hat die indische Regierung ihr Okay zum Verkauf der Fluggesellschaft an Tata Sons gegeben. Der Riesenkonzern schnappte sich das Luftfahrtunternehmen zum "Schrottpreis".

Air India wurde für umgerechnet knapp 2 Mrd. Euro an den indischen Mischkonzern Tata Sons verschleudert. Foto AB

Air India wurde für umgerechnet knapp 2 Mrd. Euro an den indischen Mischkonzern Tata Sons verschleudert. Foto AB

Der riesige Mischkonzern vom Subkontinent legt für die marode Airline einschließlich Air India Express und 50 % der Air India SATS Airport Services Private Ltd. rund 180 Mrd. Rupien (ca. 2 Mrd. Euro) auf den Tisch des Hauses, so das Finanzministerium in Neu Delhi. Air India hatte zuletzt ca. 9 Mrd. Euro Schulden.

Die Tata-Gruppe unter der Holding der Tata Sons Ltd. (Hauptsitz in Mumbai) beschäftigt weit über 700.000 Menschen in 85 Ländern. Zur Tata-Gruppe gehören 98 Unternehmen, darunter seit März 2008 der britische Automobilbauer Jaguar Land Rover.

Über viele Jahre hatte die indische Regierung versucht, die stets defizitäre Airline zu verkaufen, die auch nur durch die Hintertür Mitglied der Star Alliance geworden war. Der Verkaufserfolg blieb aus, zumal staatlicherseits nur eine Teilprivatisierung angestrebt worden war. Das lockte keinen einzigen Investor an. Zuletzt war es Premierminister Narendra Modi zu bunt geworden und drang darauf, den Carrier nun doch im Ganzen los zu werden. Kaum wr der Deal unter Dach und Fach, verlautbare Tata Son Boss Natarajan Chandrasekaran, der Konzern wolle Air India zu einer Welt-Klasse-Airline aufbauen, die jeden Inder stolz machen soll.

Air India wurde 1932 von Jehangir Ratanji Dadabhoy Tata unter der Firmierung Tata Aviation Service (offiziell Tata Son’s Limited) in Bombay als Postfluggesellschaft gegründet.
1953 wurde das Luftfahrtunternehmen von der damaligen Regierung unter Jawaharlal Nehru verstaatlicht. Ende der 1970er Jahre geriet Air India in eine erste finanzielle Krise. Nach hohen Verlusten wurde der ehemalige Bankier Raghu Raj zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Er stellte als erstes den Verkauf von Billigflügen ein. Und die bis dahin übliche Verschwendung von Lebensmitteln in den Bordküchen wurde beendet. Von da an ging’s finanziell wieder aufwärts. Von 1978 bis 1985 gab es drei Flugunfälle. Die Fluggesellschaft erhielt große Aufmerksamkeit beim Anschlag vom 23. Juni 1985, als eine Bombe an Bord einer B 747 auf dem Weg von Montreal nach London etwa 180 km westlich von Irland explodierte und in den Atlantik stürzte.

In den 2000er Jahren häufte der Carrier einen immensen Schuldenberg von umgerechnet mehr als 6 Mrd. Euro auf- U.a. sank die Auslastung auf den Langstrecken- und erst recht auf den Kurzstrecken teils dramatisch ab. Z,B. setzte die Betriebsplanungen auf Inlandsflügen die äußerst unwirtschaftlichen Boeing Jumbos ein. Wegen unbezahlter Rechnungen drohte Landeverbote in Delhi und Hyderabad; dann konnte Air India die 27 bestellten Boeing Dreamliner B 787-8 nicht bezahlen. Der Staat versenkte neben Kreditverlängerungen 4 Mrd. Euro in das Fass ohne Boden. In 2011 ergaben Überprüfungen des Streckennetzes, dass von 175 Routen nur ganze zwei Gewinne abwarfen.  Vor der Corona-Krise glänzte Air India mit einem wirtschaftlichen desaströsen Ergebnis von über 8 Mrd. Euro „Miesen“. Bevor die chaotische Airline zum Schnäppchenpreis an Tata Sons verschleudert wurde, war eine letzte Investoren-Bieterrunde runde geplatzt, weil der Staat noch 24 % behalten wollte. Quelle: The Times of India / DMM