Mehr Impfungen > mehr Reisen?

Die Corona-Pandemie mit Lockdown-Maßnahmen und anhaltenden Diskussionen über einen angemessenen Umgang mit dem Infektionsgeschehen ist 2021 weiterhin omnipräsent. Doch Impfkampagnen wie auch die bevorstehenden Frühlings- und Sommermonate geben Hoffnung auf eine vielleicht eintretende Rückkehr zu mehr Normalität. Dabei rückt auch das Thema Reisen für viele Menschen wieder stärker in den Fokus.

Spannend ist: Während die meisten Plätze im Beliebtheits-Ranking konstant blieben, sind die von Natur- und Outdoor-Erlebnissen geprägten Aufenthalte an Seen und Bergen sowie der klassische Campingurlaub in ihrem Rang jeweils aufgestiegen (Seen und Berge von Platz 6 auf 5, Camping von Platz 9 auf 7). Die meist städtisch geprägten Reiseaktivitäten Sightseeing wie auch der Shopping-Ausflug sind in ihren Rängen gesunken (Sightseeing von Platz 5 auf 6, Shopping Ausflug von Platz 7 auf 8). Der Strandurlaub lag auch 2020 unangefochten an der Spitzenposition.

Der Trend zu Urlaubsaktivitäten in Deutschlands Natur, der durch die Corona-Pandemie an Relevanz gewonnen hat, wird auch an den (relativen) Suchhäufigkeiten bestimmter Schlagwörter bei der Google-Suche deutlich. Im Sommer 2020 wurde um ein Vielfaches häufiger nach den Begriffen „Wandern“ und „Fahrradtour“ recherchiert als im Vergleichszeitraum 2019.

Nachhaltigkeitsthemen rücken in den Fokus. Daten der Rascasse GmbH, eine auf künstlicher Intelligenz basierende „Consumer-Insights-Plattform“, weisen aktuell über 2 Mio. Deutsche aus, die am Thema Wandern interessiert sind, darunter knapp 58 % Frauen und 42 % Männer mit einem Durchschnittsalter von etwa 32 Jahren. Diese Zielgruppe setzt sich verstärkt mit den Themen Umweltbewusstsein und Klimawandel auseinander. Das Wanderinteresse scheint dabei gerade in Süddeutschland stark ausgeprägt zu sein. Auffällig ist, dass in ebenjenen Gebieten auch das deutschlandweit größte Interesse an nachhaltigem Reisen besteht. Generell scheint Nachhaltigkeit in der Tourismusbranche mehr und mehr an Bedeutung zu gewinnen: Hier weist Rascasse aktuell circa 3,1 Mio. Deutsche als Zielgruppe aus, etwa doppelt so viele wie noch 2018.

Und auch die Befragungsdaten des GCS von Statista belegen den Nachhaltigkeits-Trend im Tourismus: Der Anteil an Befragten, die der Aussage „Wenn es ums Reisen geht, ist Nachhaltigkeit für mich wichtig“ zustimmen, hat sich seit 2018 von 10,8 % auf 17,8 % erhöht. Des Weiteren gaben im Jahr 2020 39,1 % der Befragten an, ihr Smartphone im Urlaub als Reiseführer zu nutzen.

Anstieg an Neugründungen im Bereich Nachhaltigkeit. Diese und weitere Trends werden in der Tourismusbranche auch von Start-up-Unternehmen immer wieder aufgegriffen und durch neue Angebote auf dem Markt mitbestimmt. In den 2010er Jahren hat es insbesondere in bestimmten Bereichen einen enormen Zuwachs an Neugründungen gegeben. Rund um die Thematik „Nachhaltigkeit“ wurden zwischen 2000 und 2009 insgesamt 38 Start-up-Gründungen in der Reisebranche verzeichnet. In der Zeit zwischen 2010 und 2019 waren es hingegen schon 175 Neugründungen. Ganz ähnlich sieht der Start-up Zuwachs in den Bereichen personalisiertes Reisen und Virtual Reality aus, in welchen die Anzahl an Unternehmensneugründungen von 48 bzw. 11 in den 2000er Jahren auf satte 336 bzw. 139 in den 2010er Jahren anstieg. Ein weiterer Anstieg in der aktuellen Dekade gilt laut Experten als wahrscheinlich. Quelle: Messe Berlin / DMM