Mehr Zuverlässigkeit im Bahnverkehr im Großraum München

Das Bayerische Verkehrsministerium und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) drängen weiter auf langfristige Lösungen für mehr Zuverlässigkeit bei der Münchner S-Bahn. Die Maßnahmen, die die Zuverlässigkeit der S-Bahn hinsichtlich Fahrzeugverfügbarkeit, Fahrgastinformation, Baustellenabwicklung sowie Leit- und Sicherungstechnik steigern sollen, hat die BEG nun dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und den Landräten der Verbundlandkreise vorgestellt.

Der S-Bahnverkehr in und um München soll zuverlässiger laufen. Foto: S-Bahn München

Der S-Bahnverkehr in und um München soll zuverlässiger laufen. Foto: S-Bahn München

Die Verbesserungen, von denen täglich auch viele Tausend Geschäftsreisende profitieren, werden in großen Teilen bereits von der S-Bahn München, DB Netz und DB Station&Service umgesetzt. Weitere Maßnahmen folgen noch dieses Jahr. Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer macht deutlich: „Gerade weil wir alle wissen, dass das Münchner S-Bahn-System bis zur Fertigstellung der 2. Stammstrecke immer öfter an seine Kapazitätsgrenzen kommt brauchen wir jetzt nachhaltige Lösungen. Dort, wo Probleme lösbar sind, muss auch angepackt werden. Ich bin optimistisch, dass der koordinierte Ansatz von Betrieb, Infrastruktur und Information sowie die weiteren Angebotsverbesserungen einen positiven Effekt auf die Zuverlässigkeit der S-Bahn haben werden.“

Auch der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß, Sprecher der MVV-Verbundlandkreise, begrüßt das dringend nötige und auch von den Landkreisen eingeforderte Maßnahmenpaket: „Der Großraum München braucht eine zuverlässige und stabile S-Bahn als Rückgrat der Mobilität. Je mehr Zusammenarbeit es gibt, desto besser ist das für die Fahrgäste. Wir müssen die akuten Probleme zeitnah lösen.“

S-Bahn München. Mehr Personal und bessere Fahrzeugverfügbarkeit. Bei der S-Bahn München war 2019 neben Fahrzeugproblemen und baustellenbedingten Einschränkungen im Werk Steinhausen ein Personalengpass in der Instandhaltung ein wesentlicher Grund für Zugausfälle und Verspätungen. In Absprache mit der BEG hat die S-Bahn München die Rekrutierung und Qualifizierung beim Werkstattpersonal intensiviert und setzt darüber hinaus verstärkt Leiharbeitnehmer und Mitarbeiter anderer DB-Werkstätten ein. Zusätzlich beauftragt das Unternehmen externe Anbieter mit Instandhaltungsleistungen und hat zugesagt, weitere Ultraschallgeräte zu beschaffen, um die Radsätze der Züge häufiger und schneller prüfen zu können. Parallel hat die S-Bahn München auf Probleme mit der Fahrzeugflotte reagiert: Besonders die 36 überarbeiteten Fahrzeuge vom Typ ET 420 („Olympia-S-Bahn“) aus den 1970er Jahren haben sich als reparaturintensiv erwiesen. Das führte bereits mehrfach zu Kapazitätsengpässen und in der Folge zu Zugausfällen. Deshalb hatte die S-Bahn München übergangsweise Triebwagen der Baureihe ET 425 aus anderen Regionen ausgeliehen, um die Flotte vorübergehend zu entlasten. Inzwischen hat sich die Fahrzeugverfügbarkeit wieder deutlich stabilisiert.

DB Netz. verlässlichere Leit- und Sicherungstechnik. Im Mittelpunkt der Maßnahmen von DB Netz, dem Betreiber der Infrastruktur der S-Bahn München, steht eine verlässlichere Leit- und Sicherungstechnik. DB Netz hat bereits elektronische Stellwerke der neueren Generation in Pasing und Steinhausen in Betrieb genommen. Weitere elektronische Stellwerke im Großraum München folgen, darunter das Stellwerk München-Ost, dessen Inbetriebnahme (1. Baustufe) für 2023 vorgesehen ist. Bis dahin hat DB Netz etliche Maßnahmen zugesichert, um einen Ausfall der Leit- und Sicherungstechnik so weit wie möglich zu vermeiden. Beispielsweise erhöht DB Netz den Ersatzteilbestand deutlich und tauscht kritische Teile vorausschauend aus, noch bevor erste Probleme auftreten. Zudem hat DB Netz im Rahmen des Aktionsprogramms „Zukunft S-Bahn München“ bereits für den Fahrgastbetrieb relevante Weichen an das digitale Weichendiagnosesystem „Diana“ angeschlossen. Mithilfe von Sensoren und einer digitalen Plattform werden Störungen und Verschleiß frühzeitiger erkannt und vorbeugende Maßnahmen können ergriffen werden. Die Anzahl an Weichenstörungen ist dank der neuen Technik um rund 10 % gesunken.

Verbesserte Fahrgastinformation. Der Großteil der S-Bahn-Kunden, auch auf den Außenästen, wird heute bereits am Bahnsteig über moderne Informationsanlagen der neuesten Generation optisch und akustisch zu den nächsten S-Bahn-Zügen informiert. Aktuell rüstet DB Station&Service die noch fehlenden Stationen mit Mitteln des Freistaats nach. DB Station&Service passt die Programmierung der elektronischen Abfahrtsanzeiger an den Stationen zudem noch besser an die Bedürfnisse der Fahrgäste an. Ausfallende Züge sollen dann ausgeblendet werden können. Damit werden die Reisenden am Bahnsteig auch bei größeren Störungen über die nächste Abfahrt informiert. Heute ist oftmals lediglich eine Liste von Zugausfällen zu sehen. Dazu BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs: „Bei einer Großstörung nehmen heute die ausfallenden Züge auf dem Anzeiger so viel Platz ein, dass die eigentlich wichtige Information für die Fahrgäste nicht angezeigt wird. Nämlich, wann die nächste S-Bahn fährt. Künftig können Reisende besser abwägen, ob es sich lohnt zu warten, oder ob sie lieber auf ein anderes Verkehrsmittel ausweichen.“

Es ist geplant, die Anzeige bis Ende des Jahres umzustellen, sowohl auf der Stammstrecke als auch auf den Außenästen. Außerdem will DB Station&Service Auskünfte an Stationen künftig auf Basis des zentralen Auskunftssystems der DB, dem Reisendeninformationssystem RIS, geben. Die heute teilweise manuell eingepflegten Informationen an Anzeigetafeln und Lautsprecheranlagen sollen damit auf ein Minimum reduziert werden. So erhalten Fahrgäste auf allen Kanälen dieselbe Information in Echtzeit. Denn der „München Navigator“ der S-Bahn, die Bayern-Fahrplan-App der BEG und auch die Triebfahrzeugführer greifen heute schon auf Daten von RIS zu. Die Umstellung bei DB Station&Service erfolgt bis Ende des Jahres.

Darüber hinaus hat die S-Bahn mit finanzieller Unterstützung des Freistaats die Fahrgastinformation bereits verbessert: Den Fahrplan in Echtzeit und die Anschlussmöglichkeiten sehen Fahrgäste seit Kurzem auf allen Infomonitoren in den modernisierten S-Bahnen vom Typ ET 423. Parallel arbeitet die S-Bahn München an einer besseren Information bei Störungen. Dazu wird den Fahrgästen während einer Störung grafisch dargestellt, welche Linien betroffen sind und welche Alternativrouten bestehen. In der Live-Map der S-Bahn München (App „München Navigator“) erhalten die Fahrgäste schon jetzt per Klick auf das Liniensymbol zusätzliche Informationen zum weiteren Verlauf der jeweiligen Fahrt oder auch Auskünfte über eventuell defekte Aufzüge an den Stationen.

Entlastung durch Regionalverkehr. Die BEG arbeitet daran, das Fahrplanangebot in der Metropolregion schrittweise weiter zu verbessern. Bereits seit Dezember 2019 fährt die S1 über den Ostbahnhof hinaus bis zum Leuchtenbergring. Zusätzliche Frühfahrten gibt es auf den Linien S7 und S8, und zahlreiche bisherige Leerfahrten wurden für die Fahrgäste geöffnet. Um die S-Bahn zu entlasten, weitet die BEG außerdem das Angebot der parallel verkehrenden Regionalzüge aus. So sind ab Dezember 2020 auf den Strecken im Oberland zahlreiche zusätzliche Züge unterwegs – neue Fahrzeuge mit höherer Kapazität. Am Wochenende führt die BEG sogar einen weitgehenden Halbstunden-Rhythmus ein. Die kurzen Wendezeiten der Oberlandzüge am Münchner Hauptbahnhof, die immer wieder für Verspätungen bei der S-Bahn sorgen, werden verlängert. Ebenfalls ab Dezember 2020 werden erstmals Züge der Regionalbahnlinie München – Landshut in Unterschleißheim halten und damit die S1 in der Hauptverkehrszeit entlasten. Ende 2021 führt die BEG eine neue Regionalbahnlinie von München nach Buchloe ein, die auch in Fürstenfeldbruck hält und so die S4 entlastet. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz spurtstarker elektrischer Triebwagen auf der dann elektrifizierten Strecke Geltendorf – Buchloe (-Lindau). So entsteht der nötige Zeitgewinn für den zusätzlichen Halt in Fürstenfeldbruck. Im Rahmen der Neuausschreibung des Werdenfelsnetzes mit Betriebsstart Ende 2025 hat die BEG zudem eine Fahrplanstudie in Auftrag gegeben, welche die Möglichkeiten für eine Verbesserung des Regionalverkehrs in Tutzing und Starnberg untersuchen soll. Quelle: BEG / DMM