Dass das Mobilitätsbudget operativ funktioniert – als ÖPNV-Treiber, als Dienstwagen-Alternative und als Kostensenker –, zeigen die Erfahrungen der Anbieter Mobiko und Belmoto im ersten Teil dieser Analyse: Mobilitätsbudget: Drei operative Entwicklungen für Unternehmen. Doch das Konzept entwickelt sich auch strategisch weiter. Zwei Treiber gewinnen an Bedeutung: Nachhaltigkeitsdaten und Arbeitgeberattraktivität. Und am Ende steht eine Zukunftsfrage.
Entwicklung 4: Das Mobilitätsbudget als Datenbasis für Nachhaltigkeitsberichte
Digitale Mobilitätslösungen reduzieren Personalkosten – und bündeln Mobilitätsdaten an einem Ort. Diese Daten werden zunehmend wichtiger, Stichwort: Nachhaltigkeitsnachweise. Das betrifft Unternehmen, die sich regulatorisch verantworten müssen. Aber auch Unternehmen, die Aufträge gewinnen wollen. „Wir hören immer mehr, dass Dienstleister diese Daten brauchen, um überhaupt von einem großen Unternehmen beauftragt zu werden", erzählt Büsse.
Auch Belmoto bereitet sich auf diesen Trend vor. So könnte sich die Kooperation des Mobilitätsanbieters mit Expense Brain zur ESG-Berichterstattung in Zukunft auszahlen, „sobald Scope 3 berichtspflichtig wird", sagt Max Kolle. Unter diese Emissionsquelle fällt unter anderem der Berufsverkehr von Beschäftigten.
Entwicklung 5: Ein Angebot für das Arbeitgeberimage und die Wünsche kommender Talente
Und wie erleben Büsse und Kolle den Wert eines Mobilitätsbudgets für die Marke eines Unternehmens? Hilft so ein Angebot in Zeiten von Fachkräftemangel? Eindeutige Antwort: jein.
Ja, sagt Büsse. Denn mit so einem Angebot kann man „eine ganz andere Story setzen, weil du dich als moderner Arbeitgeber positionierst" – der die unterschiedlichen Mobilitätswünsche seiner künftigen Mitarbeitenden ernst nimmt. Der nicht nur einfach eine Cash Allowance hinlegt, sondern der sich Gedanken macht zu einer wichtigen Zukunftsfrage: Wie bewegen wir uns durch die Welt?
Eigentlich auch ja, sagt Kolle. Allerdings mit vereinzelt gegenläufigen Beispielen. „Um diesen einen neuen Mitarbeiter zu kriegen, mussten wir dem jetzt einen X5 zusagen." Der war zwar in der Car-Policy nicht vorgesehen, aber man brauchte dieses Talent unbedingt.
Die Zukunft des Mobilitätsbudgets: Heimlademanager oder gar keine Mobilität?
Die Grenzen des Konzepts liegen in Ausnahmen – und in der Geografie. „Bei sehr ländlichen Unternehmen kann es am besten sein, den Mitarbeitern einfach eine Tankkarte in die Hand zu drücken", sagt Büsse. Aber auch dafür gibt es ein Schlupfloch: Über einen Heimlademanager erfassen Mitarbeitende, wie viel Strom sie privat geladen haben. Die Kosten dafür werden erfasst – und mit dem nächsten Gehalt ausgezahlt.
Bei aller Flexibilität eines Mobilitätsbudgets bleibt also das Auto? Max Kolle: „Wir werden es immer brauchen, vor allem in ländlichen Räumen. Die Frage ist nur: Wie groß muss es dafür sein?" Und fügt hinzu: Manchmal ist die beste Mobilität die vermiedene.
Den ersten Teil dieser Analyse mit den drei operativen Entwicklungen des Mobilitätsbudgets – ÖPNV-Kooperationen, Dienstwagen-Downsizing und Kostenvorteile – lesen Sie hier: Mobilitätsbudget: Drei operative Entwicklungen für Unternehmen
