Unternehmensmobilität: Drei operative Entwicklungen für Unternehmen

ÖPNV-Kooperationen, Dienstwagen-Downsizing und Kostenvorteile: Wie Mobiko und Belmoto das Mobilitätsbudget operativ weiterentwickeln. Anbieter berichten.

Ums Reisen geht es ständig. Zum einen, um den Ort zu wechseln, zum Beispiel zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Zum anderen, um die Ziel-Funktion eines Produkts zu erreichen, zum Beispiel zwischen dem Start einer Mobilitäts-App und dem Auslösen einer Abrechnung für den Arbeitgeber. In beiden Fällen erleben wir eine Journey. Aber bei letzterer, im Business-Deutsch genannte „User Journey", ist es noch ein bisschen wichtiger, wenn sie „seamless" abläuft: nahtlos.

Auch Nicola Büsse nutzt diesen Begriff, wenn sie von jüngsten Kooperationen ihres Unternehmens mit Anbietern öffentlicher Verkehrsmittel erzählt. Mobiko bietet Arbeitgebern eine digitale Plattform für das Managen von Mitarbeiter-Mobilitätsbudgets (Details zu Mobiko: siehe Kasten). Vergleichbare Anbieter im deutschsprachigen Markt sind Navit, Bonvoyo oder Belmoto.

Wer also zum Beispiel über die App des Rhein-Main-Verkehrsverbunds RMV ein Ticket kauft, kann diesen Erwerb nun über einen eigenen Button direkt – nahtlos reisend – mit der Mobiko-App und damit mit dem Mobilitätsbudget des eigenen Arbeitgebers verknüpfen. „Suchen, buchen, abrechnen", überschreibt die 37-jährige CEO diese Nahtlosigkeit.

Einordnung: Was kennzeichnet ein Mobilitätsbudget?

Diese Verknüpfung ist ein Beispiel für die Evolution eines größeren Konzepts, das sich seit einigen Jahren in Deutschland zunehmend durchsetzt: Das Mobilitätsbudget ist ein Instrument mit vielen Ausprägungen. Es ist ein Mobilitätsbuffet, das manche Anbieter als Dienstwagen-Alternative, als dessen Ergänzung oder als freiwilligen Benefit definieren. Andere sprechen von einem generellen Benefit für Mitarbeitende – und dritte spezifizieren je nach Unternehmen die Angebote für motorisierten Verkehr, für Räder oder Scooter, für den öffentlichen Verkehr, für Zusatzkosten wie Sprit oder Reparaturen, manchmal sogar für andere Benefits wie Zuschüsse für Fitnessstudios.

2023 hatte SAP dieses flexible Budget als erstes großes Unternehmen in Deutschland nach einer dreijährigen Pilotphase eingeführt (Wie geht es dem Mobilitätsbudget bei SAP heute? Siehe Kasten unten). Studien zeigen, dass die Zahl der deutschen Unternehmen mit einem solchen Angebot steigt – langsam.

Das BFP Mobility Barometer verzeichnet 2022, dass der Anteil in Deutschland bei 20 Prozent der Unternehmen liegt – aber dass knapp 50 Prozent angaben, sich „den Einsatz dieses Instruments mittelfristig vorstellen zu können."

Das Arval Mobility Observatory 2025 meldet für Deutschland einen leichten Anstieg: 36 Prozent der befragten Unternehmen setzen ein Budget ein oder planen den Einsatz (2023: 34 Prozent).


Was Mobilitätsmanager über Mobiko wissen sollten

Das Unternehmen bietet seit 2018 eine digitale Plattform für Mobilitätsbudgets: Mitarbeitende erhalten ein monatliches Guthaben, das sie flexibel für ÖPNV, E-Bike, Carsharing oder Laden daheim nutzen können. Eine App automatisiert Belegmanagement, steuerkonforme Abrechnung und Integration in die Lohnbuchhaltung. Kunden stellen ihr Angebot aus Modulen wie Mobilitätsbudget, Deutschlandticket oder Heimlademanager zusammen. Zielgruppe sind Unternehmen, die nicht nur Dienstwagenmodelle ablösen und Verwaltungskosten senken, sondern auch nachhaltige, inklusive und flexible Mobilität für alle Mitarbeitenden fördern wollen. Die zuständigen Abteilungen beim Kunden sind in der Regel HR oder Finance.

Zu Nicola Büsse: Die 37-Jährige ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Mobiko. Vor der Gründung arbeitete sie bei Audi. Als bevorzugte Mobilität gibt sie „Camper und Füße" an.

Das Geschäftsmodell: Mobiko arbeitet mit einem Software-as-a-Service-Modell. Unternehmen zahlen eine monatliche Plattform-Grundgebühr von meist 89 Euro, über die sie Zugriff auf alle Schnittstellen zur Lohnabrechnung und auf das zentrale Dashboard erhalten. Hinzu kommen nutzerabhängige Lizenzkosten von gut sieben Euro pro Mitarbeitendem.

Drei Tipps von Nicola Büsse zum Mobilitätsbudget:

  1. „Achten Sie darauf, dass beim Start-Onboarding immer auch ein Steuerprofi dabei ist – und Sie ein OK von den Fachleuten zum Mobilitätsbudget haben."
  2. „Definieren Sie in der Policy auch, wie oft jemand zwischen einem Auto und einem Mobilitätsbudget hin- und herwechseln darf."
  3. „Auch Angehörige dürfen manchmal den Dienstwagen nutzen. Das können Sie mit dem Mobilitätsbudget auch abbilden. Wir haben eine Kategorie ‚Kosten für Dritte', hier können Partner oder Partnerin zum Beispiel ein Zugticket verrechnen."

Entwicklung 1: Über das Mobilitätsbudget möglichst viele ÖPNV-Fahrten generieren

Am ehesten greifen Mitarbeitende bei diesem Buffet zu einer Lösung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In den Studien zum Mobilitätsmix seiner Kunden verzeichnet zum Beispiel Mobiko 2024 (2022):

  1. ÖPNV: 39 Prozent (33 Prozent)
  2. Tank-Zuschüsse: 16 Prozent (17 Prozent)
  3. Deutschlandticket: 12 Prozent (2022 keine Zahlen dazu)

Die meisten Antwortmöglichkeiten dieser Erhebungen variieren je nach Wohn- und Arbeitsort der Mitarbeitenden. Ein Wert aber bleibt eine Ausnahme: „Über alle unsere Mobilitätsbudget-Nutzer hinweg sehen wir heute den Anteil der gesamten ÖPNV-Nutzung bei rund 50 Prozent", erzählt Büsse.

Also setzt Mobiko bei seinem Angebot flexibler Mobilität auch auf Kooperationen mit öffentlichen Verkehrsträgern. Neben München ist das zum Beispiel der Rhein-Main-Verkehrsverbund, mit dem Mobiko seit Ende 2024 das „RMV-Mobilitätsbudget powered by Mobiko" anbietet. Die Vision dahinter: „Wir wollen auf der einen Seite Systemoffenheit bewahren", erklärt Nicola Büsse. Mitarbeitende sollen immer noch völlige Freiheit in der Wahl ihrer Mobilitätsdienstleister haben. Aber um das Mobilitätsbudget mit ÖPNV-Fokus weiterzuentwickeln, arbeitet Mobiko mit Multiplikatoren zusammen. Die Idee dahinter ist ein Mobilitätsbudget, das mehrere Anbieter gemeinsam schultern – mit demselben Ziel: mehr Menschen in Busse, Züge und Trambahnen zu bringen.

Und das mit möglichst wenig Aufwand. Als Beispiel nennt Büsse den Fall einer Genossenschaftsbank, die ihren 360 Mitarbeitenden an 18 Standorten Zuschüsse für das Deutschlandticket anbot, aber mit Verwaltung und Nutzung unzufrieden war. Die Erkenntnis nach einer Analyse des Zielgruppenverhaltens: Nicht jeder Mitarbeitende braucht ein Abo, viele bevorzugen Einzelfahrscheine. Die Lösung: ein flexibles, digital abgerechnetes ÖPNV-Budget pro Mitarbeitendem. Und für die Arbeitgeber nahtlosere Abrechnungen – sowie 40 Prozent mehr Fahrten mit dem ÖPNV.

Entwicklung 2: Das Prinzip, vom Dienstwagen aus rückwärts zu rechnen

Einen anderen Ansatz der Mobilitätsbudget-Entwicklung sieht Max Kolle. Der Vertriebsdirektor von Belmoto definiert das Konzept so: „In dem Moment, in dem ein Mitarbeiter ein Fahrzeug zugeteilt bekommt, spreche ich ihm im Prinzip ein Mobilitätsbudget aus – nur eben rein fahrzeugbezogen und ohne Wahlfreiheit", sagt der Vertriebsdirektor von Belmoto (siehe Kasten). Unabhängig von der Individualität der Kunden empfiehlt Kolle, vom Auto aus zu denken: „Ich gebe dem Mitarbeiter erstmal den Anspruch auf den Dienstwagen – mit zum Beispiel der Option auf ein kleineres Auto – und der Idee, das Ersparte steueroptimiert umzuwandeln und für andere Mobilitätsoptionen zu nutzen."

Wie diese Logik funktionieren kann, zeigt das Beispiel NTT Data. 2022 führte der IT-Dienstleister mit Belmoto ein flexibles, elektrifiziertes Mobilitätskonzept ein. Mitarbeitende konnten wählen: Dienstwagen behalten, verkleinern oder auf andere Optionen umsteigen. Das Ergebnis:

  1. 37 Prozent behielten ihren bisherigen Wagen.
  2. 40 Prozent downsizten und wandelten den Rest in Fahrradleasing oder ÖPNV-Tickets um.
  3. 17 Prozent verzichteten ganz und ließen sich das Budget auszahlen.

Bei den typischen Zielgruppen Dienstwagennutzer, Downsizer, Multimodaler und Minimalist dominieren Nummer 1 und 2. „Sich das Geld einfach auszahlen zu lassen – das macht kaum jemand." Und: „Wir sehen diese Zahlen in ähnlicher Größenordnung auch bei vielen anderen Unternehmen."

Belmotos Fazit: „Downsizing funktioniert, wenn man Wahlfreiheit schafft." Und: „Mit dieser Herangehensweise decken wir mehr als 90 Prozent der Mobilitätsbedürfnisse aller Mitarbeitenden ab. Und senken die Kosten für die Unternehmen um bis zu 20 Prozent und die Emissionen um bis zu 100 Prozent."

Entwicklung 3: Ein Mobilitätsbudget, um Kosten zu sparen

Zurück zu Büsse und Mobiko – und einem Entwicklungstreiber des Mobilitätsbudgets, der für die meisten Unternehmen der wichtigste ist: Kosten einsparen.

Zum einen über die Steuer. „Bestimmte Mobilitätsformen genießen im deutschen Steuerrecht Befreiungen oder Begünstigungen", erklärt Büsse. Arbeitgeber sparen zum Beispiel Sozialabgaben, wenn sie ÖPNV-Tickets bezuschussen oder ein Dienstrad zur Verfügung stellen. Sie zahlen weniger Steuern, wenn sie E-Autos anbieten (nur bis zu 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises werden versteuert statt 1 Prozent bei Verbrennern). Mitarbeitende können zudem Carsharing oder E-Scooter bis zu 50 Euro im Monat steuerfrei nutzen.

Zum anderen sparen Unternehmen durch jedes Auto, das vom Hof verschwindet und durch ein Mobilitätsbudget ersetzt wird. „Ein Mobilitätsbudget muss keine Reifen wechseln."

Und schließlich profitieren Unternehmen von Vereinfachung. Das wachsende Hauptproblem aus Mobiko-Sicht: „Wir haben vermehrt mit größeren Unternehmen zu tun, in denen verschiedene Personen verschiedene Mobilitätslösungen gesteuert haben." Die Folge bei gleichzeitig wachsenden Mobilitätsoptionen und neuen Zielgruppenbedürfnissen: der Wunsch nach Konsolidierung – und immer öfter die Frage: „Kann ich mit einer Budgetlösung individuelle Bedürfnisse zulassen, sie aber ganz auf einer Plattform managen?", berichtet Büsse.
 


Was Mobilitätsmanager über Belmoto wissen sollten

Das Unternehmen ist seit 2009 ein Mobilitätsdienstleister aus Hamburg, der Unternehmen beim Wandel zu flexiblen Mobilitätslösungen begleitet. Im Fokus steht die Beratung und Entlastung von Fuhrparkverantwortlichen. Belmoto agiert als ausgelagerter Mobilitätsmanager. „Wir übernehmen die operativen Aufgaben im Fuhrpark und schaffen Freiräume für strategische Themen – etwa CO₂-Ziele oder Flottenentwicklung."

Zu Max Kolle: Der heute 37-Jährige war über ein Jahrzehnt in leitenden Positionen bei Ayvens, Sixt Leasing und ALD Automotive. „Früher dachte ich, dass man Mobilität über Kosten steuert." Heute sieht er die Lösung in einem Dreieck aus Kosten, Mitarbeitermotivation und Nachhaltigkeit – dessen Schwerpunkt „jedes Unternehmen finden muss."

Das Geschäftsmodell: Belmoto arbeitet beratend und operativ. Unternehmen können ihren Fuhrpark vollständig auslagern oder sich in einzelnen Phasen coachen lassen – etwa bei der ersten Leasingausschreibung oder der Einführung eines Mobilitätsbudgets. Kern dabei ist das Mobility Dashboard, eine webbasierte Plattform, die unter anderem den Fahrzeugbestand, bestellte Autos, auslaufende Verträge oder anstehende Fahrzeugtermine darstellt.

Drei Tipps von Max Kolle zum Mobilitätsbudget:

  1. „Fangen Sie mit der Car Policy an. Sie bestimmt alle Folgekosten im Fuhrpark: Wie beschaffen Sie Reifen, Kraftstoff, Versicherung?"
  2. „Denken Sie auch an das Regeln von Blockiergebühren – oft eine Kostenfalle."
  3. „Fragen Sie sich, wie Sie Mobilität so gestalten, dass sie der Lebensphase eines Mitarbeiters gerecht wird. Jemand Anfang 20 in München-Zentrum will und braucht vielleicht kein Auto."

Wie sich das Mobilitätsbudget strategisch weiterentwickelt – von Nachhaltigkeitsdaten über Employer Branding bis zur Zukunftsfrage Auto oder Budget –, lesen Sie im zweiten Teil: Mobilitätsbudget: Nachhaltigkeitsdaten, Employer Branding und die Zukunft