Muss die Lufthansa ihre Töchter AirPlus und LH Technik verkaufen?

Dank Steuerzahlerhilfe erlebt die Lufthansa weder ein Grouding noch eine Insolvenz. Das Luftfahrtunternehmen, das weltweit einen glänzenden Ruf genießt und das für den Transport von mehr als 40 % Geschäftsreisenden in alle Welt steht, muss für seine Rettung aber einen hohen Preis bezahlen, nämlich Verkäufe wichtiger Assets. Im Gespräch soll u.a. auch Geschäftsreisedienstleister Lufthansa AirPlus sein sowie Lufthansa Technik.

Laut dem US-Unternehmen Bernstein Research (https://www.bernsteinresearch.com) lasten auf Europas Vorzeigecarrier etwa 26 Mrd. Euro an Schulden und Pensionsverbindlichkeiten. Das weiß das LH-Management und logischerweise auch auch Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Der ist davon überzeugt, dass die Lufthansa wohl Töchter bzw. Beteiligungen verkaufen muss, um von diesem Schuldenberg herunterzukommen. In diesem Zusammenhang fallen die Namen mehrerer LH-Töchter. Lufthansa Air Plus zum Beispiel, oder Lufthansa Technik. Beide gehören zum Tafelsilber des Konzerns.

AirPlus. Das Unternehmen mit Sitz in Neu-Isenburg entwickelt seit fast drei Jahrzehnten als Dienstleister für Firmenkunden Abrechnungslösungen für Geschäftsreisekosten. Schon heute sparen 50.000 Unternehmen weltweit mithilfe der Neu-Isenburger Hilfe Kosten und Zeit. Geschäftsreisen bezahlen und abrechnen, analysieren und kontrollieren: Im Tagesgeschäft ist das oft kompliziert und aufwändig. Mit AirPlus haben die Unternehmen, vom Mittelständler bis zum Konzern den gesamten Geschäftsreiseprozess im Griff – vor, während und nach der Reise. Mit dem AirPlus Company Account z.B., der Reisestellenkarte von AirPlus, bezahlen und rechnen Business Traveller Flugtickets, Fahrscheine, Hotelübernachtungen und über ein zentrales Konto ab. Alle wichtigen Informationen erhalten Mobilitätsmanager auf einer einzigen übersichtlichen Rechnung. Die AirPlus Corporate Card und die AirPlus Travel Expense Card gelten als komfortable und flexible Zahlungsmittel für reisenden MitarbeiterInnen. Eine andere Lösung sind die AirPlus Virtual Cards, eine virtuelle Version einer Mastercard-Kreditkarte u.a.m.. Zusammen mit dem umfangreichen Datenschatz, den das Unternehmen besitzt, dürfte Air Plus hoch attraktiv für Kaufinteressenten sein. Erst recht, da AirPlus auch eine eigene Banklizenz besitzt. Internen Schätzungen zufolge könnte ein Verkauf bis zu 800 Mio. Euro bringen.

LH-Technik. Branchenweit kursieren auch Gerüchte, wonach Großaktionär Heinz-Hermann Thiele angeblich an der Übernahme von Lufthansa Cashcow LH-Technik interessiert sein soll. Die Lufthansa Technik AG ist ein Anbieter für MRO-Dienstleistungen (Maintenance, Repair, Overhaul) von Flugzeugen mit 50 Standorten weltweit. Zudem ist LH-Technik in der Ausstattung von Businessjets bis hin zu den neuen Regierungsfliegern A350 für die Bundesregierung aktiv. LH-Technik verdient richtig viel Geld und ist deswegen im Visier von Thiele. Der Investor besitzt bereits den Knorr-Bremse-Konzern und Vossloh, ein weltweit führendes Bahntechnik-Unternehmen.

Caterer. Zum Verkauf gestanden hatte an sich auch die internationale Sparte des Caterers LSG Sky Chefs. Ende 2019 hatte die Lufthansa bereits das Europageschäft an die Schweizer Gategroup veräußert. Für die internationale Sparte hatte sich die Lufthansa einen mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbetrag erhofft. Dank Corona hat sich das Thema aber erledigt, vorerst jedenfalls.

Sale and lease back. Ob die Lufthansa ihre zumeist im Eigentum befindlichen Flugzeuge teilweise verleasen wird, die einen Wert von ca. 10. Mrd. Euro haben (vor der Pandemie!), ist die Frage, zumal der Marktwert der Jets in den letzten Monaten um bis zu 50 % gefallen ist. Bisher lehnte das LH-Management ein Sale-and-lease-back-Verfahren ab, das zwar kurzfristig viel Geld in die Kasse spülen würde, langfristig aber wiederkehrende und i.d.R hohe Leasingraten die Bilanzen auf Jahre belasten. Quelle: DMM / Handelsblatt