Neuer Mirai - ein Geschäftswagen wie kein zweiter

Lautlos wie ein Elektro-Auto, dessen Energie nicht per Stromkabel geladen, sondern von einem Brennstoffzellenstack an Bord produziert wird. So geht Fahren in einem der modernsten Automobile der Welt, dem neuen Toyota Mirai. In der zweiten Generation wird wie schon bei der ersten gasförmiger Wasserstoff als Primärenergie aus (jetzt) drei Tanks im breiten Kardantunnel und unter der Rücksitzbank genutzt. Der Elektromotor befindet sich ebenfalls im Heck.

Der neue Toyota Mirai wäre ein idealer Geschäftswagen, gäbe es mehr Wasserstofftankstellen. Fotos: Julia Zielonka

Der neue Toyota Mirai wäre ein idealer Geschäftswagen, gäbe es mehr Wasserstofftankstellen. Fotos: Julia Zielonka

Auch für Furhparks denkbar, der neue Toyota Mirai, vorausgsetzt, man findet unterwegs eine H2-Tankmöglichkeit. Foto: G. Zielonka

Auch für Furhparks denkbar, der neue Toyota Mirai, vorausgsetzt, man findet unterwegs eine H2-Tankmöglichkeit. Foto: G. Zielonka

Cockpit des Toyota Mirai II mit digitalem Rückspiegel. Foto Toyota

Cockpit des Toyota Mirai II mit digitalem Rückspiegel. Foto Toyota

Das Betanken des Toyota Mirai ist kinderleicht.

Das Betanken des Toyota Mirai ist kinderleicht.

Aktuell könnte man den neuen Toyota Mirai an etwa 90 H2-Tankstellen in Deutschland mit Wasserstoff betanken.

Aktuell könnte man den neuen Toyota Mirai an etwa 90 H2-Tankstellen in Deutschland mit Wasserstoff betanken.

Macht auch heckseitig eine ganz gute Figue, der neue Toyota Mairai II.

Macht auch heckseitig eine ganz gute Figue, der neue Toyota Mairai II.

Schicke Form, der nee Toyota Mirai II.

Schicke Form, der nee Toyota Mirai II.

Brennstoffzellenautos, das wär’s. Verbrenner, die wollen wir mal ganz schnell vergessen; denn sie sind gefährliche Umweltschleudern und Klimazerstörer. Und Elektroautos? Die sind zwar allemal besser in der Ökobilanz als Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride, aber getoppt werden sie von Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen. Ein solches, genauer die zweite Generation der weltweit ersten Brennstoffzellen-Limousine durften wir nun fahren.

Anders als der Vorgänger ist der neue Mirai ein Wunderwerk an Technik. Der Neuling sieht jetzt richtig gut aus; entstanden ist der Wagen auf der neuen GA-L-Plattform; die Karosserie ist länger (4.975 mm), breiter und flacher (1.470 mm). Dank längerem Radstand bietet der Wagen viel Platz für fünf Personen. Das neu entwickelte Brennstoffzellen-System ist kompakter und leichter; die optimierte Anordnung des Antriebsstrangs ermöglicht die Installation eines dritten Wasserstofftanks; der Stromverbrauch beträgt kombiniert 0 kWh/100 km; die Reichweite legt um 30 % zu und erreicht jetzt bis zu 650 km. Und das Beste: Volltanken dauert weniger als 5 Minuten. Die Tanks halten 5,6 kg Wasserstoff bei 700 bar Druck bereit und damit etwas mehr als beim Vorgänger. Der Kraftstoff wird in der Brennstoffzelle zu Strom und Wasser umgewandelt, die gewonnene Energie teilweise in einer Pufferbatterie zwischengespeichert. Der größte Nachteil: Bundesweit gibt es viel zu wenige, nämlich nur 90 H2-Tankstellen. Aber auch das wird sich hoffentlich bald ändern.

Der Mirai als Geschäftwagen? Natürlich. Für Mobilitätsmanager ist dieses Fahrzeug so etwas wie ein Geschenk Gottes. Kein dreckiger Diesel, kein Schluckspecht von Benziner und kein (vorerst noch) reichweitenbeschränktes E-Fahrzeug. Im gewerblichen Leasing gibt es den nun auch schick gezeichneten Wagen schon ab netto 429 Euro inkl. Wartung und Verschleiß. In den Handel kommt der Neuling ab 01. März 2021. Bereits jetzt sind schon mehr als 100 Exemplare verkauft. Die Lieferzeit gibt der Importeur ausstattungsabhängig mit vier bis zwölf Wochen an.  

Unser erster Fahreindruck. Man genießt die unglaublich ruhige, geräuschlose Reise im Mirai. Es ist ein vollkommen anderes und besseres Gefühl als in jedem Verbrenner oder auch Plug-in-Hybrid. Das digitale Cockpit gibt Infos zum Fahrzustand und zur Brennstoffzelle, das Entertainmentsystem mit riesigem Bildschirm in der Mitte ähnelt ein bisschen den Nobelschwester Lexus. Wenn wir schon bei m Bedienen sind: Trotz aller Digitalisierung erscheint uns das Cockpit doch etwas arg überfrachtet mit Bedienknöpfen am Dashboard, am Lenkrad und in den Türbereichen. Ansonsten aber gefallen Klavierlack-Optik und Lederausstattung ausgesprochen gut. Überhaupt ist das Interieurdesign, das Fahrer und Cockpit in den Mittelpunkt rückt, ergänzt um warme Atmosphäre mit Ambientelicht und wertigen Materialien, sehr gelungen. Und die Verarbeitung? Die liegt ganz klar auf Premium-Niveau.

Alle Informationsquellen und Bedienelemente findet man in einem zentralen Instrumentenbereich. Der Cockpit-Bereich ist ein offen gestalteter Raum, der das 12,3 Zoll große Multimedia-Display oberhalb der Mittelkonsole durch sein einheitliches Design mit der Instrumententafel für den Fahrer verbindet. Alle Elemente sind nebeneinander auf gleicher Höhe angeordnet, ein Effekt, den das im Topmodell Advanced serienmäßige Head-up-Display zusätzlich verstärkt. Die Schalter und Tasten werden in Größe und Form identisch ausgeführt.

Die Steuerung der Heizung und Ventilation kommt mit einer reduzierten Anzahl von Schaltern aus. Wesentliche Elemente werden in einer schmalen, horizontal ausgerichteten Konsole rechts neben dem Schalthebel zusammengefasst. Zusätzliche Funktionen lassen sich über den Multimedia-Bildschirm aktivieren. Das hochauflösende TFT-Display kann die Informationen unterschiedlicher Systeme getrennt nebeneinander anzeigen, so etwa die Navigationskarte auf der einen und Steuerungsfunktionen auf der anderen Seite. Dabei lässt es sich wie bei einem Touchscreen-Smartphone mit Streich- und Wisch- sowie Auf- und Zuziehbewegungen mit dem Finger bewegen.

Der Fahrersitz bietet viel Seitenhalt. In der Einstiegsausstattungslinie erhalten die Sitze einen schwarzen Bezugsstoff. Eine Stufe höher zeichnet sich der Mirai Executive durch schwarzes Kunstleder aus, von dem wir aber abraten (im Sommer ist Kunstleder ein Unding). Käufer des Topmodells Advanced kommen in den Genuss von Semianilinleder. Es steht in zwei Farben zur Wahl: Schwarz und Weiß, letzteres dann in Verbindung mit einem ebenfalls weißen Armaturenbrett. Aber Vorsicht: Wer gerne Jeans trägt, dem raten wir vom weißen Leder ab; denn dann verfärbt sich das Leder allmählich im Sitzbereich! Das Armaturenbrett selbst erstreckt sich mit seiner klaren, unzerklüfteten Oberfläche über die gesamte Breite des Interieurs und besitzt einen weichen, lederähnlichen Bezug. Im Bereich der Lüftungsdüsen für die Windschutzscheibe und der Lautsprecher erhält sie ein perforiertes Finish – ein Motiv, das sich an anderen Stellen im Innenraum wiederholt. Das Dreispeichen-Multifunktions-Lederlenkrad stellt unterschiedliche Bedienelemente bereit, entsprechend ihrer Funktion in drei Gruppen aufgeteilt: Infotainment, Audioanlage und Telefon sowie die Assistenzsysteme adaptive Geschwindigkeitsregelung und Spurführungs-Assistent.

Fahrzeugarchitektur und Brennstoffzellen-System. Der neuer Mirai basiert auf der von Toyota für Heckantrieb-Fahrzeuge konzipierten GA-L-Plattform; die längere, breitere und flachere Karosserie bietet auch dank längerem Radstand Platz für fünf Personen. Der kompaktere, leichtere und leistungsstärkere Brennstoffzellen-Stapel ist nun unter der Motorhaube untergebracht. Die neue Lithium-Ionen-Batterie weist eine mit höhere Energiedichtedichte auf. Letztlich ermöglicht eine optimierte Anordnung aller Komponenten den Einbau eines dritten Wasserstofftanks für eine höhere Reichweite.

Fahrdynamik. Die lässt dank sehr verwindungssteifer Struktur agiles und stabiles Fahrverhalten zu. Die maximale Spitzenleistung von 134 kW/182 PS reicht allemal für zügiges Vorankommen. Toyota gibt den Wasserstoffverbrauch kombiniert mit 0,89 – 0,79 kg/100 km an; der Stromverbrauch kombiniert liegt bei 0 kWh/100 km; dasselbe gilt für die CO2-Emissionen. In Sachen Beschleunigungsverhalten steht der Mirai in der Größe vergleichbaren batterieelektrischen Autos in nichts nach. Und Verbrenner zieht er locker ab. Das Drehmoment des Elektromotors steht vom ersten Meter in voller Höhe zur Verfügung und bietet dem Fahrer insbesondere im mittleren Beschleunigungsbereich noch intensivere Rückmeldungen. Autobahnreisen verlaufen entspannt und stressfrei. Bei Landstraßentouren vermittelt das neue Modell viel Souveränität und legt ein agiles Temperament an den Tag. Ein spezieller Bremsmodus reproduziert den Effekt der Motorbremse. Man kann ihn manuell aktivieren und so verstärkt Energie rekuperieren. Über einen einfachen Druck auf das Fahrpedal lässt sich diese Funktion wieder deaktivieren.

Der aktive Kurvenassistent unterstützt das stabile Fahrverhalten in schnellen Kurven, indem es das innere Hinterrad einbremst und dadurch dem gegenüber liegenden Rad eine höhere Antriebsleistung zuweist. Dies erzeugt ein Giermoment um die Hochachse, das einem Untersteuern entgegenwirkt. Auf diese Weise folgt der Mirai der idealen Kurvenlinie bei hohen Geschwindigkeiten noch williger. Im Gegenzug kann die Bremskontrolle einem unerwünschten Eindrehen des Autos entgegenwirken, wenn der Fahrer in schnellen Kurven abrupt das Fahrpedal lupft und damit eine Lastwechselreaktion auslöst. Auch bei starken Seitenwinden greift das System ein und gleicht über die Bremse ein Giermoment aus, um den Geradeauslauf zu stabilisieren.

Sicherheit. An Bord und serienmäßig ist die neueste Generation der „Toyota Safety Sense“-Sicherheitsarchitektur. Ein von Toyota entwickelter Partikelfilter reinigt die Umgebungsluft während der Fahrt. Zu den erweiterten Ausstattungsmerkmalen zählt der digitale Rückspiegel (ab Ausstattungsvariante Advanced). Dieser digitale Innenspiegel verschafft einen hervorragenden Überblick über das Geschehen hinter dem Fahrzeug. Er kann vom normalen optischen Spiegelbild auf den digitalen Modus umschalten und zeigt dann Echtzeitbilder der Heckkamera – ohne dass Fondpassagiere, Kopfstützen oder Gepäck den Blick nach hinten einengen.

Das 360°-Kamerasystem – serienmäßig ab der Austattungsversion Executive – erzeugt ein Bild von der unmittelbaren Umgebung des Mirai aus der Vogelperspektive und bildet es auf dem 12,3 Zoll großen Multimediadisplay ab. So genießt der Fahrer beim Manövrieren einen deutlich besseren Überblick. Zum System gehört auch die See-through View-Funktion. Mit ihr kann der Fahrer praktisch durch das Fahrzeug nach außen sehen. Beim Einparken, an Ausfahrten oder unübersichtlichen Kreuzungen lassen sich damit Hindernisse erkennen, die ansonsten verdeckt bleiben könnten. Beim Zurücksetzen ergänzen dynamische Leitlinien das Bild der Rückfahrkamera. Sie geben dem Fahrer die optimalen Lenkeinschläge vor.
Das farbige Head-up-Display des Mirai Advanced projiziert wesentliche Fahrdaten, Navigationshinweise und Sicherheitsinformationen in Augenhöhe des Fahrers auf die Frontscheibe. Die 560 mm breite und 130 mm hohe Anzeige wirkt optisch, als wäre sie 2,60 Meter weit entfernt. Dank ihrer Helligkeit lässt sich die Anzeige selbst bei vollem Tageslicht ausgezeichnet ablesen.

Serie sind die LED-Scheinwerfer. Je nach Ausstattungsversion stehen sie mit jeweils einer Linse und dem automatischen Fernlichtsystem AHB (Automatic High Beam function) oder mit je zwei optischen Linsen inklusive adaptiven Hauptscheinwerfern AHS (Adaptive High-beam System) zur Wahl.

Räder und Farben. 19 Zoll große 5x2-Speichen-Leichtmetallräder unterstreichen das sportliche Erscheinungsbild. Sie erhalten ein silberfarbenes oder silberfarben poliertes Finish. Die Topvariante Advanced rollt auf schwarz lackierten 20-Zoll-Rädern im Turbo-Design. Die Farbpalette für die Außenlackierung umfasst mit Force Blue einen neuen kraftvollen Ton. Durch seinen vielschichtigen Aufbau kombiniert er eine kontrastreiche Tiefe mit besonders lebendiger Brillanz. Quelle: DMM / Toyota