Neuer Octavia im DMM-Kurztest

Klar, ein Kurztest erlaubt keine tiefschürfende Bewertung. So erging es uns beim Kurztest einer Skoda Octavia Limousine 1.5 TSI ACT. Das Kompaktmodell – von kompakt kann bei den Maßen des Neulings (Länge 469 cm) kaum noch die Rede sein – sehen wir zwar als rundum gelungen an, doch für die gewerbliche Klientel ist die zweifellos sehr chic gezeichnete Limousine keine Wahl. In Fuhrparks und auch bei Freiberuflern, die sich für einen Octavia entscheiden, ist nun mal der Combi der Favorit und das i.d.R. mit TDI-Motorisierung.

Skoda Octavia Limousine - ein toller Geschäftswagen, aber nur dann wenn ein TDI oder ein Plug-in-Hybrid als Antrieb dient. Fotos: G. Zielonka

Skoda Octavia Limousine - ein toller Geschäftswagen, aber nur dann wenn ein TDI oder ein Plug-in-Hybrid als Antrieb dient. Fotos: G. Zielonka

Auch die Limousine hat einen enorm großen Kofferraum.

Auch die Limousine hat einen enorm großen Kofferraum.

Wir ordnen den frischen Tschechen, der optisch wesentlich eleganter und dynamischer als er Vorgänger wirkt, in die Mittelklasse ein, wobei wir durchaus an die gehobene Mittelklasse denken. Einem 3er, einem A4 oder einer C-Klasse kommt dieser Octavia nicht nur nahe, er hat sogar das Zeug, der sogenannten Premiumkonkurrenz das Fürchten beizubringen. Denn der Octavia ist technisch mindestens ebenbürtig, beim Ambiente des Innenraums keinen Deut schlechter und preislich sehr viel günstiger zu haben. Über die Fahrleistungen kann man auch nicht meckern. Obendrein hat uns das Exterieurdesign sehr angesprochen.   

Sind schon der Kühlergrill und die LED-Hauptscheinwerfer en Blickfang, so ist auch das  Interieur ist beeindruckend gut gelungen. Von daher attestieren wir dem Octavia Wohlfühlambiente pur. Der „Arbeitsplatz“ lässt kam Wünsche offen mit einer elegant geschwungenen Armaturentafel, mit den soften Oberflächen, atmungsaktiven Textilüberzügen und feinen Chromleisten. Einige feine Bedientasten weist das Lenkrad auf, hinter dem das digitale großes Display sämtliche relevanten Informationen anzeigt. Man kann es individuell auf seine ganz persönlichen Wünsche konfigurieren. Zusammen mit dem 10,25“-Display zentral in der Armaturentafel bildet es eine geschickte Einheit. Die Bedienoberfläche des zentralen Infotainment-Displays besticht durch gestochen scharfe Grafiken und dadurch, dass alle Funktionen sich dem geneigten Chauffeur auf den ersten Blick erschließen. Nicht vergessen wollen wir natürlich das Head-up-Display, das farblich ausgelegt ebenfalls die wichtigen Informationen anzeigt und den Blick aufs Infotainment eigentlich überflüssig macht. Auch die Touchleiste unterm Display ist eine weitere Attraktion. Per Wischgeste lassen sich diverse Funktionalitäten verändern. Apropos verändern bzw. einstellen: Die meisten Funktionalitäten lassen sich über das Zentraldisplay aufrufen und nach Wunsch einstellen.

Leider hatten wir nur einen Sechsgang-Schalter und kein Fahrzeug mit der neuen Shift-by-wire-Technologie, die wir auf jeden Fall bei einem Fahrzeug dieses Kalibers empfehlen. Die Handschalterei, die wir aus Amerika seit Jahrzehnten nicht mehr kennen, wirkt bei diesem Octavia schon etwas antiquiert.  

Nicht nur für beruflich Reisende eine feine Sache ist die Spracheingabe, mit der man z.B. sein Fahrziel eingeben kann. Welche Destination man auch ausspricht, das Navi findet sie im Handumdrehen und führt exakt ans Ziel.

Leider ist es so, dass selbst solche großen Fahrzeuge in aller Regel nur mit dem Fahrer besetzt sind. Wenn aber, sagen wir mal bei einem User Chooser, am Wochenende die Familie oder Freunde mitgenommen werden sollen, so finden die überaus viel Platz vor, auch und insbesondere im Fond. Beinfreiheit ist bei diesem Octavia kein Thema. Und sollte es mal in den Urlaub gehen, dann schluckt sogar die Limousine mächtig viel weg. Der Kofferraum bietet etliche seitliche und variable Fächer, einen zusätzlichen Stauraum unter dem Boden und man kann ihn immens vergrößern, wenn man die Rückenlehne per Fernentriegelung umklappt.

Was die Fahrleistungen betrifft, ist der Octavia zwar kein Sportler; für zügiges Vorankommen auf Autobahnen und Bundesstraßen reicht es aber allemal. Dabei bleibt der Benziner erstaunlich laufruhig und genügsam. Ob es um die 5 Liter sind, konnten wir angesichts unserer Fahrleistung von nur knapp 100 km nicht bestätigen. Das kann nur ein längerer Test erweisen. Nichts auszusetzen hatten wir auch an den Fahreigenschaften. Das Fahrwerk ist nicht zu straff und bietet vergleichsweise hohen Abrollkomfort, so dass man entspannt und selbst niedertourig angenehm vorankommt. Gute Arbeit geleistet hat auch die Akustikabteilung. Selbst bei höheren Geschwindigkeit bleibt es im Innern relativ ruhig.

Unser Fazit: Rein optisch betrachtet ist die Limousine gegenüber dem Combi im Vorteil. Und auch beim Kofferraum muss man nicht unbedingt auf den Combi zurückgreifen. Dennoch ist und bleibt der vermutlich bei der Firmenklientel erste Wahl. Das gilt auch für die Motorisierung: Selbstzünder gelten nun mal als Langstreckler und werden allein deshalb favorisiert. Aber: Die Ablösung des Diesels naht in Gestalt des Plug-in-Hybrids, auch wenn dieser alternative Antrieb nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Ein Octavia als Brennstoffzellenfahrzeug, das wär’s aus unserer Sicht. Aber das wird wohl en Traum bleiben. DMM / GZ