Neues Bahntestzentrum in der Lausitz geplant

In Laller Regel wissen Bahn-Business-Kunden nicht, welche umfangreichen Test-Prozeduren mit neuen Zügen veranstaltet werden, bevor sie für den Fahrgastbetrieb zertifiziert und freigegeben werden. Dies erfolgt zumeist in zwei großen Testzentren in NRW und Tschechien. Ein neues Testzentrum neue Loks, Triebzüge und Bahntechnologie ist in der Lausitz geplant. Wer der Betreiber der Anlage sein wird, steht noch nicht fest.

Nach den beiden Testzentren in NRW und Velim (Tschechien) soll in der Lausitz ein drittes Testzentrum für Bahntechnologie entstehen. Hier der Test einer ČDE-Lok in Velim. Foto: wikimedia

Nach den beiden Testzentren in NRW und Velim (Tschechien) soll in der Lausitz ein drittes Testzentrum für Bahntechnologie entstehen. Hier der Test einer ČDE-Lok in Velim. Foto: wikimedia

Die Bundesländer Brandenburg und Sachsen haben sich auf einen Standort bei Niesky im Landkreis Görlitz geeinigt. Das Testgelände soll rund 16 km lang und 6 km breit werden. Bisher nutzt die Deutsche Bahn die beiden Testanlagen im Siemens-Prüf- und Validationcenter Wegberg-Wildenrath (PCW) sowie das Testzentrum im tschechischen Velim.

Mit dem künftigen Testgelände in der Lausitz sollen gleichzeitig die Bahnstandorte Cottbus, Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) und Bautzen gestärkt werden. Das Vorhaben soll rund 300 Mio. Euro kosten und 700 neue Arbeitsplätze in die Lausitz bringen. Dem Infrastrukturprojekt müssen allerdings noch verschiedene Gremien zustimmen, u.a. die Europäische Union.

Das Testzentrum für Eisenbahntechnik (Tetis), das mit EU-Mitteln und Strukturmitteln des Bundes finanziert werden soll, ist ein Punkt im Entwurf des Strukturstärkungsgesetzes für den am Freitag, 03. Juli 2020 beschlossenen Kohleausstieg. Demnach soll das Zentrum unabhängig betrieben werden. Es sollen dort u.a. Erstinbetriebnahmen und Typenprüfungen von Zügen laufen. Ziel sei die "Bündelung aller am Schienenfahrzeugstandort Sachsen vorhandenen Ressourcen und sonstigen Kapazitäten im Bereich Schienenfahrzeugprüfung zu einem weltweit agierenden Inbetriebnahme- und Prüfzentrum", heißt es im Arbeitspapier.

Innovationspotenzial der Oberlausitz nutzen. Die beiden Bundesländer mit der Lausitzer Kohleregion haben sich inzwischen darauf geeinigt, wo die Teststrecke entstehen soll. Brandenburg hat auf den Standort Mühlberg an der Elbe verzichtet und Niesky den Vorzug gegeben. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass es in Niesky ein Werk für Waggonbau gibt und die Görlitzer und Bautzener Produktion von Schienenfahrzeugen ebenfalls nicht weit entfernt liegt.

"Wir wollen natürlich das Innovationspotenzial, das wir dort mit der Schiene verbinden, nutzen", sagt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Eine Entscheidung für den Testring wäre auch aus Sicht von Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen für den Osten Deutschlands ein echter Gewinn.

Die Bombardier-Werke in der Oberlausitz hätten mit einem Bahn-Testoval die Chance, neue Fahrzeuge zu entwickeln und vor Ort einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Auch die Deutsche Bahn möchte in der Region aktiv werden. Im vergangenen Jahr vereinbarten Bahnchef Ronald Pofalla und Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke den Bau eines ICE-Instandhaltungswerkes in Cottbus. Dieses Milliardenvorhaben wolle man eng an das Versuchsoval in Sachsen koppeln.

PCW. Bisher testet die DB ihre neuen Lokomotiven, Triebzüge und Waggons im Prüf- und Validationcenter Wegberg-Wildenrath (PCW) der Siemens Mobility GmbH. In der Einrichtung erfolgen Erstinbetriebnahmen, Typprüfung,en Abnahme und Reparatur von Schienenfahrzeugen aus aller Herren Länder und Tests von Eisenbahnsystemen. Das PCW ist vom Eisenbahn Bundesamt (EBA) als Prüfstelle für eisenbahntypische Prüfungen sowie als sachverständige Stelle für überwachungsbedürftige Fahrzeuganlagen gemäß §33 Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) anerkannt. Siemens bietet die Einrichtung auch Drittfirmen zur Nutzung an. Das Prüfzentrum beschäftigt rund 430 Mitarbeiter. Es ist eines von acht derartiger Prüfzentren weltweit und gilt dabei als das modernste.

Das 28 km lange Gleisnetz der Anlage besteht aus zwei Testringen sowie drei Testgleisen, die, neben Normalspur (1.435 mm), beim kleinen Testring auch in Meterspur ausgeführt sind. Dieser innere Ring kann daher gegebenenfalls von Straßenbahnen genutzt werden. Auf dem äußeren 6,1 km langen Testring mit Bogenradien von etwa 700 m können Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h, und auf dem inneren 2,5 km langen Ring mit Radien von 300 m bis zu 100 km/h gefahren werden.

Für die elektrische Energieversorgung der Triebfahrzeuge stehen sowohl Fahrleitungen als auch Stromschienen (Großer Ring: englische Bauart, kleiner Ring Berliner Bauart) zur Verfügung, die mit den verschiedensten Stromarten betrieben werden können. Der große Testring ist mit den Zugbeeinflussungssystemen PZB, ETCS Level 1 und 2 sowie dem niederländischen ATB ausgerüstet. Zusätzliche Zugbeeinflussungssysteme können temporär installiert werden. Mit einer Beregnungsanlage können Dichtigkeitstests durchgeführt werden.

Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen testet in Wildenrath das Galileo-Satellitennavigationssystem.

Velim. Oft nutzt die DB auch den tschechischen Eisenbahnversuchsring Velim (Železniční zkušební okruh u Velimi). Die Versuchsstrecke für Eisenbahnfahrzeuge befindet sich knapp 50 km östlich von Prag nahe Poděbrady im Středočeský kraj (Region Mittelböhmen). Eigentümer der Versuchsanlage ist das Eisenbahnforschungsinstitut VUZ („Forschungsinstitut der Eisenbahn“), eine Tochtergesellschaft der Tschechischen Bahn České dráhy (ČD).  Der Eisenbahnversuchsring besteht aus zwei miteinander verbundenen Schleifen:
•    Der kleine Ring ist 3,951 km lang und ermöglicht Fahrgeschwindigkeiten bis 90 km/h.
•    Der große Ring ist 13,276 km lang (Radius 1400 m, Überhöhung 150 mm) und ist für Geschwindigkeiten bis 210 km/h (Fahrzeuge mit Neigetechnik bis 230 km/h) zugelassen. Innerhalb liegt das Dorf Sokoleč.
Für Versuchsfahrten elektrischer Lokomotiven und Triebwagen ist die Fahrleitungsspannung auf alle in Europa üblichen Stromsysteme umschaltbar. Quelle: DB / MDR / DMM