Der Bau des internationalen Flughafens Noida (ursprünglich 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten von Uttar Pradesh, Rajnath Singh, als neues Taj International Aviation Hub vorgeschlagen, war von Standortwechseln und politischen Veränderungen geprägt. Ursprünglich in der Nähe von Greater Noida geplant, verzögerte sich das Projekt aufgrund der Nähe zum Flughafen Indira Gandhi in Delhi und des Vorkaufsrechts der GMR Group. Unter einer anderen Landesregierung wurde das Projekt kurzzeitig auch in Agra erwogen, wurde aber schließlich wieder aufgenommen und 2014 nach Jewar zurückverlegt.
Noida ist eine 1976 gegründete Retortenstadt mit 650.000 Einwohnern, rund 19 km südöstlich von New Delhi. Auch wenn ihr Name nicht so bekannt ist wie die anderer indischer Metropolen, sie ist eine Hochburg der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien. In der Stadt haben sich unzählige IT-Unternehmen angesiedelt.
Seit 2001 ein Thema. Vor 25 Jahren wurde von der Politik das Projekt eines neuen Flughafens östlich von Delhi erstmals ins Spiel gebracht. Aber erst 15 Jahre später beschloss die Regierung des Bundesstaates Uttar Pradesh definitiv, den Plan weiterzuverfolgen. 2019 wurde die Konzession für den Noida International Airport vergeben - an den Flughafen Zürich. Die Schweizer bauten den neuen Airport nicht nur, sie werden ihn nach der Eröffnung auch 40 Jahre lang betreiben.
Infrastruktur weitgehend fertig. Auf dem Riesenareal wird noch emsig gebaut. Die grundlegende Infrastruktur wie Rollwege, Start- und Landebahn, Vorfeld, Kontrollturm oder Terminal ist aber fertig. Auch der direkte Anschluss an die Autobahn ist fertig. Und die Betriebslizenz durch die indische Luftfahrtbehörde Directorate General of Civil Aviation DGCA soll in den nächsten Wochen eintreffen. „Danach können wir innerhalb von wenigen Wochen loslegen“, sagt Operativchefin Kiran Jain.
Laut Kiran Jain sollen von Noida aus vor allem Strecken in die Golfregion und nach Saudi-Arabien angeboten werden. Der Airport will eine Umsteigezeit von nationalen zu internationalen Flügen von 60 Minuten anbieten. Das sei einmalig, so die Managerin. Auch Flüge nach Amsterdam oder Frankfurt seien denkbar.
In der ersten Phase nach der Inbetriebnahme wird Noida eine Kapazität von 12 Mio. Passagieren pro Jahr haben. Sehr schnell wollen die Verantwortlichen aber in Phase II wechseln, die dann bereits 30 Mio. Reisende jährlich ermöglicht. Mit den Phasen III und IV steigt die Kapazität dann auf 50 und 70 Millionen. Das man sie nie erreichen wird, daran zweifelt kaum einer.
Am Indira Gandhi International Airport sind Slots knapp. Das Angebot auf zwei Flughäfen im Großraum Delhi zu verteilen, davor besteht keine Sorge. London habe fünf Flughäfen, New York drei und Tokyo zwei. Da vertrage es auch in der indischen Metropole mit ihren 21 Mio. Einwohnern einen zweiten, heißt es. Zumal am Indira Gandhi International Airport kaum noch Wachstum möglich ist. Die dortigen Slots für Starts und Landungen sind bereits knapp.
750 Mio. Schweizer Franken (ca. 815 Mio. Euro) hat die Flughafen Zürich AG als Eigentümerin des Schweizer Lufthansa Hubs und Betreiberin des Flughafens Zürich in das Projekt Noida International Airport investiert. Die Schweizer setzen dabei nicht nur auf die starke Wirtschaftskraft der Region. Deren Einzugsgebiet östlich von Delhi weist eine Bevölkerung von bis zu 95 Mio. Menschen auf. Die Region umfasst auch Großstädte wie Agra, Ghaziabad, Mathura oder Meerut. Auch touristisch bietet die Region viel. In ihr liegen Sehenswürdigkeiten wie der Taj Mahal oder die Geburtsstätte des Gottes Krishna.
Nachfrage nach Flügen wächst in Indien rasant. Der indische Markt wächst dank größer werdender Mittelschicht und Wirtschaftskraft rasant. Die Iata sagt in den kommenden 20 Jahren ein Wachstum von durchschnittlich 5,6 % pro Jahr voraus. Im Klartext: Bis zum Jahr 2044 soll es auf dem Subkontinent zu zusätzlichen 425 Mio. Passagierflügen pro Jahr führen, schätzt der Dachverband der internationalen Luftfahrt. Das entspreche fast einer Verdreifachung gegenüber heute. Und davon wird auch Noida profitieren.
Dank der starken Wirtschaftskraft ist Noida auch für Fracht interessant. Der Flughafen Zürich hat am Flughafen Noida ein 27.000 m2 großes Luftfrachtterminal gebaut. In einem weiteren Schritt soll eine Lager- und Logistikzone entwickelt werden. Bereit zum Start beträgt seine Umschlagkapazität über 250.000 Tonnen pro Jahr.
Noida: Schweizer Effizienz mit indischer Herzlichkeit. Das Terminal des Noida International Airport, das in Phase I über 25 Gates verfügen wird, ist mit modernster Technik ausgestattet. Passagiere werden mit Gesichtserkennung ins Terminal gelangen und am Gate einsteigen können. Beim Check-in stehen neben klassischen Schaltern viele Self-Service-Kioske und Automaten zur selbstständigen Gepäckaufgabe bereit. Nur bei der Sicherheitskontrolle stehen noch alte Scanner. Denn die moderne Technologie CT-Scanner ist in Indien vorerst noch nicht zugelassen.
„Wir verbinden hier Schweizer Effizienz mit geradlinigem Design, digitalerem Zugang, intuitiver Gestaltung mit indischer Herzlichkeit“. betont Jain. So setzen man bei Farben, Speisenauswahl und Kunstwerken, aber auch beim einzigartigen Ansatz in Sachen Gastfreundschaft und Kundenservice ganz auf Heimisches.
Pisten von Noida und Zürich heißen gleich. Dass in Noida viel Zürich steckt, erkennen Experten an einer Gemeinsamkeit: Die Pisten des neuen Airports ist genau gleich ausgerichtet wie die Hauptbahn des Schweizer Flughafens sie heißen deshalb beide 10/28. Im Endausbau wird es indes zwei Start-/Landebahnen geben: 10L/28R und 10R/28L. Und viele zusätzliche Rollwege, ein viel größeres Vorfeld, ein deutlich erweitertes Terminal. Auch eine U-Bahn-Linie zum Airport soll dann stehen.
Ehrgeizige Pläne der Straßen und Schienenanbindung. Das Ground Transportation Centre (GTC) ist ein 8 Hektar großes Gelände, nur wenige Gehminuten vom Terminal 1 und dem zukünftigen Terminal 2 entfernt. In der ersten Phase werden hier ausschließlich Taxis und Busse abgefertigt.[Der Flughafen Noida arbeitet mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben der Nachbarstaaten (wie UPSRTC aus Uttar Pradesh, Haryana Roadways aus Haryana und UTC aus Uttarakhand) sowie mit Fahrdienstvermittlern (wie Uber, Mahindra Mobility, Rapido usw.) zusammen, um die Anbindung an den Nahverkehr (Fern- und Nahverkehr mit Bussen und Taxis – 10–20 km/h) zu gewährleisten. Für diese Dienste stehen ausgewiesene Parkplätze zur Verfügung.
Das GTC wird in drei Phasen innerhalb von fünf Jahren zwischen 2025 und 2030 fertiggestellt. Busse und Pkw werden ebenerdig abgestellt, die zukünftigen U-Bahn- und Namo-Bharat-Bahnhöfe befinden sich unterirdisch, und in der zweiten Ebene (Ebene 2) werden Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants und Lounges untergebracht sein. Nach Fertigstellung wird es gleichzeitig 50.000 Fahrzeuge aufnehmen können, darunter 40 Busse, 4.500 Pkw und Zweiräder als Busse.
U-Bahn-Verbindungen. Gebaut werden soll 1. die Greater Noida-Noida Airport Metro von der bestehenden U-Bahn-Station Noida Sector 148 der Noida Aqua Line zum internationalen Flughafen Noida. 2. Die Ballabhgarh-Noida Airport Metro von der U-Bahn-Station Ballabhgarh der Delhi Metro Violet Line nach Palwal und zum Flughafen.
In Planung ist eine 71,1 km lange Schnellbahnstrecke mit 11 Stationen, die 2031 fertiggestellt sein soll. , Kosten 16.000 Crore ₹, Fertigstellung in 2 Phasen bis 2031. In der Realisirungsphase ist die 61 km langw Neubaustrecke Palwal-Noida International Airport-Khurja. Am Flughafen wird zudem ein neuer Bahnhof errichtet. Die weitere neue Bahnstrecke Flughafen Hisar-Noida International ist auch schon weit gediehen. Sie wird eine direkte Verbindung vom Flughafen Noida zum Flughafen Indira Gandhi nd zum Flughafen Hisar bieten. Schließlich ist der Bahnhof Flughafen Noida Teil des geplanten Hochgeschwindigkeitsbahnprojekts , sprich der Neubau-Schnellstrecke Delhi-Noida-Varanasi.
Auch Fraport ist noch in Delhi aktiv. Vor einem Jahr hat die Fraport AG ihren Anteil am Indira Ghandi-Flughafen verkauft – die Transaktion erfolgt in 2025. Dazu hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber am 24. September 2024 eine Einigung zum Verkauf aller Anteile an Delhi International Airport Limited (DIAL) unterzeichnet. Fraport hatte alle Gesellschaftsanteile in Höhe von 10 % zum Preis von 126 Mio- US-Dollar an den Mehrheitseigentümer GMR Airports Infrastructure Limited (GIL) veräußert. Nach 18 Jahren erfolgreicher Partnerschaft und eindrucksvollem Wachstum war es für Fraport Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, erklärt vorige Jahr Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Fraport war maßgeblich an Modernisierung und Ausbau des Flughafens Delhi beteiligt und hatte ihn erfolgreich zu einem bedeutenden Luftverkehrsdrehkreuz in Asien entwickelt. Neben der Anteilsveräußerung wurde damals vereinbart, dass Fraport seine unterstützende Rolle im Flughafenbetrieb im Rahmen des bestehenden Betreibervertrages (Airport Operator Agreement) am Flughafen Delhi weiterführen wird.
Mit dem Engagement Fraports und der Flughafen Zürich AG sind zwei namhafte Flughafenbetreiber in Indien aktiv. Quelle: India Times / aerotelegraph / DMM



