Odyssee von Passagieren des Eurocityzugs EC 89

Eine Bahnfahrt, die sie nicht so schnell vergessen werden, erlebten zahlreiche Fahrgäste am Sonntag 05. Januar 2020 mit dem Eurocity 89 München – Bologna. Als der Zug um 15.24 Uhr in Innsbruck Hbf. am Bahnsteig 6 eingefahren war, verkündeten Lautsprecherdurchsagen und Anzeigetafeln einen „Ersatzverkehr zwischen Innsbruck Hbf. und Brenner“ mit Autobussen. Was der Grund der Unterbrechung war, erfuhren die verdutzten Passagiere nicht.

Dafür warteten an der Sammelstelle der Schienenersatzbusse vor dem Hauptbahnhof fünf Busse. Der Zielanzeiger lautete aber nicht „Brenner“, sondern zweimal „Verona“, jeweils einer handschriftlich mit Trento bzw. Bozen, einer stand ohne Zielanzeige herum und sollte laut Fahrerauskunft die Zwischenhalte Franzensfeste und Brixen bedienen.

Trotzdem blieben um 15.45 Uhr nach Abfahrt des letzten der prall gefüllten Ersatzbusse gut 20 Reisende am kalten Busparkplatz stehen, die keinen Platz mehr in den Bussen gefunden hatten, bunt zusammengewürfelt teils mit kleinen Kindern, mit Reisezielen zwischen Franzensfeste (bzw. Innichen) und Verona. Den bei ca. Null Grad Kälte Wartenden, darunter auch Besucher aus Übersee, war von ÖBB-Mitarbeitern die Information aus der Zentrale weitergegeben worden, dass ihr Reisebus in ca. einer halben Stunde bereitstehen würde. Um 16.25 Uhr tauchte dann besagter Bus auf. Doch die durchgefrorenen wartenden Fahrgäste ließ der Busfahrer nicht einsteigen. Er beharrte auf seinen Fahrauftrag von ÖBB-Verantwortlichen, in dem Fahrtziel, Strecke und die beauftragten Zwischenhalte enthalten sein müssen. Es war jedoch kein zuständiger Mitarbeiter greifbar.

Die Diskussionen wurden immer hitziger. Zehn der Reisenden, die die Nase voll hatten von der Streiterei, ergriffen die Flucht und stiegen in den ÖBB-Regionalzug 5224 zum Brenner ein. Der startete um 16.49 Uhr. In Brennero konnten sie in den Trenitalia-Regionalzug 20733 umsteigen und in Richtung Bozen weiterzufahren.
Der Busfahrer gab nach gutem Zureden von ÖBB-Bediensteten seinen Widerstand gegen eine Abfahrt ohne Fahrauftrag auf und befragt die Fahrgäste einzeln nach deren Ausstiegsbahnhöfen. Einem deutschen Fahrgast konnte er nicht weiterhelfen, der einen südtiroler Ort genannt haben soll, den es so nicht gibt. Der 50-sitzige Schienenersatzbus des Eurocity mit Planabfahrt 15.24 h startete schließlich um 16.40 Uhr mit ca. zehn Fahrgästen in Richtung Bozen und Verona.

Übrigens: Zur selben Zeit, pünktlichst um 16.40 Uhr, fuhr die um 15.24 Uhr als EC 89 aus München in Innsbruck gestrandete EC-Garnitur in Richtung München zurück; als "EC 84 Rimini - München". Quelle: Lokreport / DMM