Seat's erster Gelände-Versuch

Jetzt wagt auch die spanische Tochter Seat den Schritt in Richtung Höherpositionierung, und das im wahrsten Sinn des Wortes: Auf die Bezeichnung Leon X-Perience hört der geländegängige Kombi, basierend auf dem ST. Das Fahrzeug wird bis zum Erscheinen des ersten echten SUV eine Lücke füllen. Es sind zwar nur 15 mm mehr Bodenfreiheit, aber die machen nach unseren Erfahrungen erstaunlich viel aus bei der Ausfahrt ins Gelände. Wir haben den Neuling auf Schneepisten in den Alpen getestet.

Vorab aber ein paar Erfolgszahlen, wie sie Deutschlandgeschäftsführer Bernhard Bauer nannte: 2014 war für Seat ein sehr erfolgreiches Jahr mit 93.129 hier zu Lande vermarkteten Fahrzeugen, gut 12 % Plus. Damit hat das Fabrikat seinen 10. Platz bei den Herstellern mit den in Deutschland meist verkauften Automobilen gehalten. Der Marktanteil ist um 9 % auf insgesamt 3,1 % gestiegen. Im Flottenmarkt legten die Spanier bei den hiesigen Firmen um 27 % zu. In großen und mittleren Fuhrparks gab es einen Zuwachs auf 14.406 Pkw. Ganz stark gefragt sind die Modelle Leon und Ibiza.

Ein klein wenig stolz gab sich Bauer was das Durchschnittsalter der Seat-Klientel angeht: Das soll nämlich 10 Jahre jünger sein als beim Wettbewerb, zu dem auch die Konzernmama Volkswagen zählt.

Warum greifen immer mehr Kunden zu Seat-Fahrzeugen? Laut Bauer sind es Design und Style, Fahrfreude und Preis/Leistungsverhältnis. Generell scheint Seat auf einem sehr gut eingeschlagenen Weg zu operieren; denn auch bei der Kundenzufriedenheit rangiert der Autobauer aus Barcelona ganz weit vorne, gleich hinter Porsche, Audi und BMW MINI.  

Um die starke Nachfrage zu befriedigen, wurden voriges Jahr 45 neue Points of Sales akquiriert, in diesem Jahr sollen nochmal so viele hinzukommen.  

Der Leon X-Perience. Der Richtung Offroadcharakter getrimmte ST soll innerhalb der ST-Reihe etwa 10 % der Verkäufe ausmachen. Das Zeug dazu hat er, auch wenn man dafür mehr hinblättern muss als für den gewöhnlichen Leon, egal ob bei Barkauf oder Leasing(rate). Auf uns wirkt der X-Perience ziemlich chic. Oberndrein ist er praktisch im Interieur und beim Fahren sowieso. Für Letzteres sorgt allein schon der Allradantrieb, den es freilich auch für das Normalgeschwisterchen gibt, das auch eine sehr gute Figur beim Handling und den grundsätzlichen Fahreigenschaften macht.

Fahrspaß auf allen Wegen verspricht Seat. Das unterscheiben wir, so lange es nicht in gröbstes Gelände geht, bei dem mehr Bodenfreiheit gefragt ist. Wir haben Seat's Youngster weitgehend auf normalen Straßen sowie auf Schneepisten bewegt. Und gerade auf Letzteren, ob festgefahren oder aufgewühlt, haben die 15 mm mehr Bodenfreiheit und die Allradtechnologie 4Drive gezeigt, dass der X-Perience seine Daseinsberechtigung hat. Elektronische Differentialsperren sorgen für die passende Kraftverteilung zwischen der Rädern links und rechts. Insgesamt, denken wir, macht der Leon X-Perience seine Sache wohl ähnlich gut wie die „Allroad-Brüder“ der Konzerngeschwister und er dürfte selbst der Performance von deren Kompakt-SUV (Tiguan, Q5, Yeti & Co.) kaum in etwas nachstehen, wenngleich wir den direkten Vergleich nicht hatten.      

Ob man den X-Perience unbedingt als Geschäftswagen braucht? Wir meinen, eher wohl dann, wenn man in bergigen Regionen zuhause ist, wo noch Schnee fällt. Aber die Offroad-Variante macht halt optisch einen Tick mehr her als der normale Leon, wenngleich beide allein in Sachen Design zum Schönsten zählen, was es im Markt in diesem Segment gibt. Ausgehend davon, dass der Wagen auch ein Vielfahrerautomobil sein kann, und dass man nicht unbedingt einen „echten“ SUV benötigt, wie es immer mehr Autofahrer glauben, können wir uns diesen Seat gut als Geschäftsauto vorstellen.        

Zur Optik und markanten Linienführung wollen wir an dieser Stelle nichts mehr sagen; denn die ist einfach attraktiv. Von außen betrachtet offenbart sich ein Touch von Off-Road-Charakter in Details wie der robusten Kunststoffverkleidung auf den Radläufen und Seitenschwellern, der speziellen Frontstoßstange und dem verchromten Auspuff. Seinen eigenen Stil hat der Wagen durch den Frontspoiler in Aluminium-Optik. Auch das Heck wird geprägt von einem neuen Stoßfänger im Aluminium-Look. Die farblich abgesetzten Schutz-Verkleidungen der Seitenschweller und der Radhäuser sowie die optimierte Heck- und Frontpartie mit den großen Lufteinlässen unterstreichen das dynamische Design.

Mindestens ebenso wichtig wie Aussehen und Performance sind der gewerblichen Klientel natürlich die Betriebskosten. Die bewegen sich auf Golf-Niveau. Zuvorderst empfehlen wir den Griff zu einem der TDI-Triebwerke; das ist nun mal in Dieselland so und hat in erster Linie mit dem Treibstoff-Konsum und der Reichweite zu tun. Ob 1,6 l und 81 kW oder der 2,0 TDI mit 110 bzw. 135 kW, beim reellen Verbrauch dürfte sich das Selbstzünder-Trio in etwa auf der selben Höhe bewegen, um die 6 bis 7 Liter – von den NEFZ-Werten (4,7 bis 4,9 l) wollen wir hier gar nicht erst reden.

Der Allradantrieb bietet sichere Traktion in vielen Lebenslagen und zusammen mit dem ausgewogenen Fahrwerk und einer direkten Lenkung kommt richtig Fahrspaß auf. Wer den Fahrkomfort noch weiter auf die Spitze treiben will, sollte sich das DSG-Getriebe gönnen. Auf Wusch gibt’s ab Frühjahr noch eine adaptive Fahrwerksregelung.  

Logisch, dass der jüngste Seat-Spross (meist optional) auch alle möglichen innovativen Assistenzsysteme mitbringt und, so man es möchte, auch Voll-LED-Leuchten. Auf der Höhe der Zeit ist das Gefährt auch bei den Infotainment-Lösungen mit dem Bediensystem Seat Easy Connect als Basis. Die Funktionen von Kommunikation und Entertainment werden fast ausnahmslos über den berührungsempfindlichen Bildschirm im Cockpit gesteuert. Top-Ausstattung ist dabei das Navi System Plus.  

Interieur. Auch innen herrscht so etwas wie Wohlfühlambiente mit Sportsitzen im X-Perience-Design, die noch dazu langstreckentauglich sein sollen. Verarbeitungsqualität und Haptik sind auf dem gewohnt hohen Niveau des VW-Konzerns. Sämtliche Oberflächen sind in soft-touch ausgeführt, die Instrumente alle so, wie man sie als „Arbeitsplatz“ wünscht. Sollte man auf der Reise zum Geschäftskunden oder auch mal in der verdienten Urlaub viel Gepäck oder sonstiges Material mitnehmen müssen, ist auch das kein Problem: Ein Handgriff reicht und der geräumige Laderaum mit 587 l Volumen wird auf bis zu 1.470 l erweitert.

Zum guten Schluss noch ein Blick auf die Preisliste: Der 2.0 TDI mit 135 kW und DSG ist ab € 27.781,51 Euro zu haben, der 1,6 l TDI mit 81 kW und manueller Schaltung ab €  24.159,66. Und wer ganz schnell ist, kann mit der Willkommensprämie nochmal 2.000 Euro sparen. Aber wir wissen ja alle, Listenpreise liefern nur Anhaltspunkte. Quelle: DMM / Seat