Onur Air wollte Entschädigung nicht zahlen - Gerichtsvollzieher pfändete Bordkasse

Mit einer ungewöhnlichen Methode hat Anwalt Thorsten Fust (43) aus Lichtenau (NRW) einer Mandantin (44) zu ihrem Recht verholfen. Ihr Flieger nach Antalya (Türkei) hatte im Mai 2018 rund vier Stunden Verspätung. Laut europäischer Fluggastrechteverordnung standen der Frau 400 Euro Entschädigung zu. Die Airline zahlte nicht. Der Anwalt fackelte nicht lange und ließ die Bordkasse der Maschine der türkischen Onur Air am Flughafen Düsseldorf pfänden.

 

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat Onur Air im Fall einer Kundin, der eine Entschädigung gemäß Fluggastrechte trotz rechtskräftigen Urteils verweigert worden war. Onur Air wurde eine Bordkasse nach der Landung in Düsseldorf gepfändet. Foto wikimedia

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat Onur Air im Fall einer Kundin, der eine Entschädigung gemäß Fluggastrechte trotz rechtskräftigen Urteils verweigert worden war. Onur Air wurde eine Bordkasse nach der Landung in Düsseldorf gepfändet. Foto wikimedia

Oft genug wehren sich die Fluggesellschaft gegen berechtigte Forderungen von Passagieren. Letztere haben dann die Möglichkeit, ein Fluggastrechteprotal zu Hilfe zu ziehen oder einen selbst beauftragten Rechtsanwalt. Die Geschichte kann so weit eskalieren, bis ein Gerichtsvollzieher die Forderung eintreibt. Der Fall: Eine 44-jährige beauftragte einen Fachanwalt für Verkehrsrecht mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Im Mai 2018 hatte die Dame aus Bad Driburg einen Flug mit Onur Air von Paderborn nach Antalya gebucht und auch im Voraus bezahlt. Der Jet landete aber nicht um 20 Uhr, so wie es der Flugplan vorsah, sondern erst um 0:36 Uhr.

Nachdem sich die Airline weigerte, die zu Recht eingeforderte Entschädigung gemäß Fluggastrechteverordnung zu bezahlen, wurde sie vom Rechtsanwalt verklagt. Das Amtsgericht Paderborn verdonnerte die Istanbuler Fluggesellschaft Onur Air Anfang 2019 zur Zahlung von 400 Euro an die Klägerin, doch Onur Air zahlte trotz des Urteils nicht, und das über Monate. Das gesamte Vollstreckungsverfahren war nötig, weil sich die Airline selbst nach Rechtskraft und Aufforderung mit Androhung der Zwangsvollstreckung nicht gerührt hatte. Offenbar sei sich das Management der Airline sicher gewesen, dass keine Vollstreckung in der Türkei erfolgen würde und könne.

Zunächst überlegte der Anwalt, eine Maschine von Onur Air zu vollstrecken. Doch ließ er den Gedanken fallen, weil die Pfändung eines Jets auch für ihn ein großes finanzielles Risiko häte bedeuten können. Weil es im Fall Onur Air keinen Ansprechpartner der Airline in Deutschland gibt, sondern nur ein Anwaltsbüro in Süddeutschland, an das sich Anwalt erfolglos wandte, beauftragt er einen Gerichtsvollzieher am Amtsgericht Düsseldorf.  

In den Flugplänen des Düsseldorfer Flughafens hatte der findige Jurist die Maschinen der Airline ausfindig gemacht, die in der Rheinstadt landeten – Onur Air ist am Paderborner Flughafen nicht mehr vertreten. Also machte sich der beauftragte Gerichtsvollzieher auf den Weg zum Flughafen zu einer Onur-Maschine, die dort landen sollte. Er hatte die Genehmigung zu Betreten des Jets, was er denn auch tat und führte dort die Vollstreckung durch. Auch bei Onur Air werden während des Flugs Waren an die Kunden verkauft, so dass Bargeld in der Bordkasse ist. An dieser Kasse habe sich der Gerichtsvollzieher während der Vollstreckung bedient.

Sämtliche Kosten in Höhe von 743,10 Euro (Hauptforderung, Anwaltskosten, Gerichtskosten) seien vor wenigen Tagen an die Kanzlei überwiesen worden. Quelle: Westfalen Blatt / DMM