Panamera Turbo S E-Hybrid Executive im DMM-Test

Man braucht eine große Garage, eine wirklich große, fährt damit am besten nicht in ein Parkhaus, jedenfalls in Europa, und man muss ein Faible für das ganz Große haben. Wir sprechen vom Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Executive, dem leistungsstärksten Panamera aller Zeiten. Das ist ein Businessfahrzeug der ganz besonderen Art, eines mit Antrieben aus zwei Welten. Und, das wollen wir nicht verschweigen, ein Automobil, das nur einer überschaubaren Zielgruppe (wohl weniger in Deutschland) vorbehalten bleibt, allein schon wegen des Preises und der Unterhaltskosten.

Der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Executive ist ein fantastischer Geschäftswagen, leider nur für eine winzige Minderheit. Fotos: G. Zielonka

Der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Executive ist ein fantastischer Geschäftswagen, leider nur für eine winzige Minderheit. Fotos: G. Zielonka

Wuchtigs Heck und doch filigran und viel Platz im Kofferaum, wenn man die Heckklappe öffnet.

Wuchtigs Heck und doch filigran und viel Platz im Kofferaum, wenn man die Heckklappe öffnet.

Zwei ganz noble Fahrzeuge nebenenander.

Zwei ganz noble Fahrzeuge nebenenander.

Der Panamera PHEV mit einem voll digitlisierten Cockpit.

Der Panamera PHEV mit einem voll digitlisierten Cockpit.

Immer genau informiert über den Ladezustand.

Immer genau informiert über den Ladezustand.

Wir haben das leistungsstärkste Modell der Panamera-Reihe fahren dürfen, ein Automobil, das schon vom äußeren Erscheinungsbild unheimlich viel her macht. Das elektrifizierte Flaggschiff aus Zuffenhausen mit dem Zusatz Executive ist ein Luxusliner mit 520 cm Länge und einer Performance, die man bei vergleichbaren Limousinen der Wettbewerber vergeblich sucht. Jedenfalls ist das unser Eindruck nach den Testfahrten mit der Langversion. 700 PS Systemleistung, ein Drehmoment von 870 Nm und ein Sprintvermögen von knapp 3 Sekunden von Null auf 100 km/h, das sind Zahlen, die ungläubiges Staunen  hervorrufen. Jedenfalls bei denen, die uns gefragt haben, womit wir denn da vorfahren. Okay, es ist natürlich kein Automobil für jedermann, dafür sorgt schon der Gestehungspreis unseres Testfahrzeugs, 230.000 Euro. Dafür bekommt man schon fast eine kleines Haus. Aber: Dieses Modell ist auch nur für eine bestimmte Klientel gedacht, wir denken z.B. an Manager bzw. Vorstände von Unternehmen, die sich chauffieren lassen oder, was wir lieber tun, sich selbst ans Steuer setzen.

Sitzen wir in Abrahams Schoß. Um etwa 15 cm ist die Executive-Ausgabe gegenüber den Normalgeschwistern verlängert, was zuvorderst den Passagieren im Fond zugutekommt. Egal, ob vorn oder in der hinteren Reihe, man findet sich in sich hervorragend anpassenden Sportsitzen. Die lassen sich beheizen, bei brütender Hitze kühlen und wer’s mag, kann sich auch eine Massage gönnen. Alles möglich. So oder so: Das Platzangebot ist mehr als üppig für Businessreisende. Sitzen die hinten, können sie auf den stabilen Klapptischen ihre Tablets oder Laptops platzieren und in nobler Atmosphäre arbeiten. Und wenn ihnen das alles zuviel wird, können sie die Beine ausstrecken, auch wenn sie zwei Meter und größer sind. Platz ist genug da. Wir haben uns nur mal spaßeshalber hinten reibgesetzt, am Steuer fühlen wir uns wohler. 

Tolles PCM. Das Porsche Communication Management (PCM) umfasst neue digitale Funktionen und Services wie zum Beispiel die verbesserte Online-Sprachbedienung Voice Pilot, den Risk Radar, Radio Plus oder das drahtlose Apple CarPlay. Das im Connect Plus-Modul beinhaltete LTE-Kommunikationsmodul mit SIM-Kartenleser sorgt für sehr gute Sprachqualität und Datenverbindung. Zur Nutzung ausgewählter Porsche Connect-Dienste steht eine im Fahrzeug integrierte, LTE-fähige SIM-Karte zur Verfügung. Eine SIM-Karte seitens des Kunden ist damit nicht mehr erforderlich. Mittels Apple CarPlay werden einzelne Funktionen und Apps des verbundenen iPhones im Porsche Communication Management zur Verfügung gestellt. Zur Nutzung von Apple CarPlay reicht auch eine kabellose Verbindung des iPhones. Der Menüpunkt „CarPlay“ ist dann auf dem Homescreen anwählbar. Per Spracherkennung Siri lassen sich die Apps bequem bedienen. An Bord ist natürlich auch eine induktive Ladefunktion der Smartphone-Ablage.

Ein Gedicht ist das Navi. Zentrale Suchfunktion ist der Finder. Die Suchanfragen können dabei über das Full-HD-Touchdisplay direkt im Navigationsmenü oder alternativ per Sprache eingegeben werden. Die Sonderziele „Tankstellen“ und „Parken“ wurden um „Restaurant“, „Ladestationen“ und „Hotel“ erweitert. Sie sind im Navigationsmenü integriert. Das Dumme nur: was helfen einem die angezeigten Ladesäulen, wenn die am Abend nahezu alle von Lkw zugeparkt sind. Wirklich verrückt an deutschen Rastanlagen. Wir kennen das in den USA anders: Dort haben wir noch nie eine zugestellte Ladesäule erlebt. Und wenn es ein Trucker dennoch wagen sollte, zahlt der mindestens 1.000 Dollar. So etwas müsste man mal in Deutschland einführen. Wir haben unseren Testwagen ausschließlich bei uns im Verlag bzw. zuhause an einer Wallbox geladen.

Fahreindruck. Den links neben dem Lenkrad befindlichen kleinen Einschalthebel kurz nach rechts drehen  und schon startet der Panamera Turbo S E-Hybrid Executive flüsterleise im E-Power-Modus. Die optimale Dosierung des Zusammenspiels von E-Maschine und Verbrennungsmotor wird wie gewohnt mit dem Fahrpedal gesteuert. Der im linken Display des Kombiinstruments aufrufbare Hybrid-Assistent visualisiert in Echtzeit das Verhältnis von aktuell abgerufenem und maximal zur Verfügung stehendem Antriebsmoment. Das Gaspedal durchgedrückt presst einen das Modell in den Sitz und erreicht nach knapp mehr als 3 Sekunden die 100 km/h Marke. Und wer’s mag oder braucht, der kann bei freier Autobahn (wegen der Lkw) schon mal fast ICE-Tempo erreichen, 315 km/h. Aber das ist auch den von Lkw zugedröhnten deutschen Autobahnen eher lebensgefährlich. Für den Fall der Fälle sorgt die Keramikbremsanlage (PCCB) mit gelochten Scheiben für kräftige Verzögerung. Das Fahrwerk unseres Panameras war ein Gedicht. Es schluckt so gut wie alle Unebenheiten und lässt uns sanft dahingleiten. Den Federungskomfort kann man in drei Stufen wählen. Die Sportbereifung auf den 21-Zöllern lässt den Wagen ziemlich satt auf der Fahrbahn liegen. De Lenkung ist feinfühlig und doch sehr direkt. Insgesamt fühlt man sich unglaublich sicher. Aber aufgepasst: Die Physik kann man auch mit diesem Panamera nicht überlisten.

Thema Verbrauch: Der hängt natürlich von der individuellen Fahrweise ab. Lässt man’s krachen, genehmigt sich der Plug-in-Hybrid entsprechend viel Saft aus der Hochvoltbatterie (17,9 kWh) und dem Benzintank. Über den Mode-Schalter des serienmäßigen Sport Chrono-Pakets können die vier Modi E-Power, Hybrid Auto, Sport und Sport Plus angewählt werden. Zusätzlich stehen die beiden Modi E-Hold und E-Charge zur Auswahl, welche über das Porsche Communication Management (PCM) aktiviert werden. Der Modus E-Hold konserviert wie den jeweils aktuellen Ladezustand, nicht  100%ig aber fast. Die verbliebene Energie steht dann für späteres elektrisches Fahren oder Boosten zur Verfügung. Im E-Charge-Modus wird die Batterie während der Fahrt durch den Verbrennungsmotor geladen. In Sachen elektrische Reichweite gibt der Hersteller 50 km an. Wir haben es bei sanfter Fahrweise auf 48 km gebracht. Ach ja, unser Durchschnittsverbrauch lag natürlich nicht bei den dreieinhalb Litern, wie. Sie Porsche angibt. Das waren schon 100 % mehr, aber auch nur deshalb so wenig, weil wir überwiegend Stadt- und Landstraßenverkehr genutzt haben.

Unser Fazit: Das Auto ist ein Businessfahrzeug par Excellence, das man aber nicht in der Langversion braucht, jedenfalls in Deutschland. Schon die Normalversion ist mit mehr als 5 Metern Länge für die Zielgruppe mehr als ausreichend. Dass für den Normalkunden der Wagen so gut wie unerschwinglich ist, muss einen nicht grämen. Immerhin gibt es bei Porsche auch andere Fahrzeuge, für weitaus weniger als den halben Preis, die mindestens genauso viel Fahrspaß bereiten. DMM