Der British-Airways-Flug BA2203 war gerade mit 332 Passagieren an Bord von London-Gatwick zu einem routinemäßigen zehnstündigen Flug nach Cancún (Mexiko) gestartet. Bereits nachdem die Maschine, eine 25 Jahre alte B 777-200 auf nur 3.300 Meter gestiegen war, erklärten die Piloten den Notfall und zogen über dem Ärmelkanal in eine Warteschleife.
Der Flugsicherung meldeten die Piloten, dass sich im Cockpit und in der Kabine „Dämpfe“ entwickelt hätten und die Passagiere sich über den Geruch alter, muffiger Socken beklagten, der ihnen Übelkeit und Schwindelgefühle verursachte.
Der Geruch muffiger oder schmutziger Socken ist in der Luftfahrtbranche kein kleines Ärgernis, sondern vielmehr ein bekanntes Anzeichen dafür, dass die Luft im Flugzeug mit Motor- oder Hydrauliköl verunreinigt ist.
Kabinenluft ist oft verunreinigt, da Flugzeughersteller das sogenannte Zapfluftsystem verwenden, um Kabine und Cockpit mit Frischluft zu versorgen. Das ganz dicke Problem: Das Zapfluftsystem entnimmt einen Teil der vom Triebwerk angesaugten Luft und leitet sie über ein spezielles Ventil in die Kabinenklimaanlage. Im höchsten Maße problematisch und massiv gesundheitsgefährdend an diesem System ist, dass verschiedene Schadstoffe wie Motoröl und Schmierstoffe verdampfen und in die Kabinenluft gelangen können.
Im Fall des British-Airways-Fluges BA2203 setzten die Piloten sofort ihre Sauerstoffmasken auf, um sich vor der gefährlichen Atemluft einigermaßen zu schützen, bevor sie auf 2.700 Meter sanken und über dem Ärmelkanal kreisten, während sie zig Tausende Liter Kerosin ins Meer abließen. Außerdem haben die Piloten die Cockpitfenster einen Spaltbreit geöffnet, um Frischluft ins Flugzeug zu lassen, während sie noch Treibstoff abließen, bevor sie zum Flughafen Gatwick zurückkehrten und dort sicher landete. Alle Passagiere konnten den Langstreckenjet ganz normal verlassen.
Ein Sprecher von British Airways wollte diese Berichte weder bestätigen noch dementieren. British Airways entschuldigte sich bei den Fluggästen für die Beeinträchtigung ihres Reiseerlebnisses.
Wie konnten die Piloten die Cockpitfenster öffnen? Boeing 777-Flugzeuge verfügen auf beiden Seiten des Cockpits über Fenster, die sich per Kurbel öffnen lassen. Normalerweise sind diese nur geöffnet, wenn sich das Flugzeug am Boden befindet, aber auch im Tiefflug können sie geöffnet sein.
Die Cockpitfenster der Boeing 777 dienen auch als zweiter Notausstieg, falls die Cockpittür im Falle eines Absturzes unbenutzbar wird. Allerdings haben nicht alle Boeing-Passagierjets Cockpitfenster, die sich öffnen lassen. Z.B. verfügen die D 7878 Dreamliner nicht über zu öffnende Cockpitfenster, sondern über eine in die Cockpitdecke integrierte Notluke.
Welche Flugzeuge nutzen die massiv gesundheitsschädigenden Zapfluftsysteme zur Luftversorgung von Cockpit und Kabine? Trotz jahrzehntelanger Bedenken hinsichtlich der Zapfluftmethode nutzt die überwiegende Mehrheit der kommerziellen Passagierflugzeuge dieses krankmachende System nach wie vor zur Luftversorgung von Cockpit und Kabine. Das einzige Großraumflugzeug ohne Zapfluftsystem ist der Dreamliner.
Die Beschreibung dieser Vorfälle ist ein Hauptgrund für Kontroversen innerhalb der Branche. Fluggesellschaften hassen den Begriff „Fume Event“ oder „Toxic Fume Event“, der oft von Personen verwendet wird, die die Branche zu mehr Schutz für Mitarbeitenden und Passagiere auffordern.
British Airways bevorzugt zur Beschreibung derartiger Vorfälle den Begriff „Geruchsvorfall“ und gibt an, dass etwaige gesundheitsschädigende Auswirkungen normalerweise vorübergehend und von kurzer Dauer seien. Quelle: X / BA / DMM
