Qantas: Top-First-Class-Verbot für alle Qantas-Führungskräfte

Topmanagern der australischen Fluggesellschaft Qantas wurde eine ihrer besten Mitarbeitervergünstigungen gestrichen: Sie dürfen nicht in den neuen Luxus-First-Class-Suiten reisen, die nächstes Jahr im Airbus A350-1000 Premiere feiern.

Voraussichtlich im Frühjahr 2027 startet Qantas mit speziellen A350-1000 ihre Sunrise-Flüge mit mehr als 20 Stunden Dauer. Foto: Qantas/Airbus

In den neuen Super A350-1000 von Qantas sind nur jeweils 6 der neuen First-Class-Suiten verbaut. Diese Klasse ist für alle Führungskräfte verboten. Rendering: Qantas

Qantas-CEO Vanessa Hudson hat eine neue restriktive Regelung für alle Top-Leute der Fluggesellschaft verfügt, nicht einmal sei selbst wird in den neuen First-Class-Suiten fliegen, die auf den weltweit ersten Nonstop-Flügen zwischen Sydney und London sowie nach New York zum Einsatz kommen. Die Sunrise-Flüge werden erst Anfang 2027 angeboten. Qantas wird dann die weltweit ersten Nonstop-Flüge zwischen der australischen Ostküste und London sowie New York aufnehmen.

Diese erstaunliche Langstreckenperformance ist nur möglich, weil Qantas mit dem Betrieb speziell angepasster Airbus A350-1000-Flugzeuge einsetzen wird, die Teil des Vorzeigeprojekts der Fluggesellschaft namens „Sunrise“, sind. Dazu werden die Jets mit brandneuen First-Class-Suiten ausgestattet sein.

Qantas-International-CEO Cam Wallace hat ehemalige Führungskräfte der Fluggesellschaft darüber informiert, dass ihre bisherigen Vergünstigungen für Ex-Mitarbeiter, darunter auch die Verfügbarkeit von First-Class-Tickets für den Airbus A350 nicht gelten.

In der Vergangenheit behielten leitende Angestellte, die das Unternehmen verließen, ihre First-Class-Privilegien für die gleiche Anzahl an Jahren Betriebszugehörigkeit. Tatsächlich hatten nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Partner und Kinder Zugang zur First Class. Wallace erklärte die Entscheidung damit, dass die Regeländerung nicht nur für ehemalige Führungskräfte wie den in Ungnade gefallenen Ex-CEO Alan Joyce gilt, sondern für das gesamte aktuelle Managementteam von Qantas, einschließlich der Konzernchefin Vanessa Hudson. 

Hingegen bleiben die First-Class-Vergünstigungen in anderen Flugzeugen wie dem Airbus A380, der über 14 First-Class-Suiten verfügt, erhalten. Da die noch nicht ausgelieferten A350-1000 jedoch nur sechs Suiten bieten, muss Qantas sicherstellen, dass diese Plätze für zahlende Passagiere verfügbar sind.

Qantas präsentierte seine brandneuen First-Class-Suiten für den A350 erstmals 2022. Die vollständig abgetrennte Suite mit hohen Wänden und Schiebetüren bietet ein separates Bett, einen Liegesessel, einen 32-Zoll-Bildschirm für das Bordunterhaltungsprogramm, einen persönlichen Kleiderschrank und viel Stauraum.

"Nur" Business für die Top-Manager. Die Führungskräfte von Qantas dürfen nur eine der 52 Business-Class-Suiten mit Schiebetüren nutzen. Diese Suiten bieten individueller Stimmungsbeleuchtung und 18-Zoll-Bildschirmen für das Bordunterhaltungsprogramm. Da Qantas plant, den A350 auf Flügen von über 20 Stunden Flugdauer einzusetzen, musste die Fluggesellschaft viel Wert auf das Kabinendesign legen, um die Reise für alle Passagiere so komfortabel wie möglich zu gestalten.

Im Vergleich zu einigen Fluggesellschaften, die mehr als 300 Passagiere an Bord eines A350 unterbringen können, bietet die Qantas-Kabine Platz für lediglich 238 Passagiere sowie eine spezielle „Wellbeing-Zone“, in der die Passagiere während des langen Fluges aufstehen und sich strecken können. 

Die erste A350 wird Ende 2026 an Qantas ausgeliefert. Zu Beginn der COVID-19-Pandemie musste Qantas ihre Pläne für das Projekt Sunrise vorerst auf Eis legen. Erst im Februar 2022 kündigte die Fluggesellschaft die Wiederaufnahme des Programms an. Seitdem musste Qantas geduldig warten, bis Airbus mit dem Bau der A350-1000-Maschinen begann, die diese Flüge durchführen sollen.

Kürzlich veröffentlichte Qantas die ersten offiziellen Fotos ihrer ersten A350-1000, nachdem alle wichtigen Komponenten in der Endmontagelinie von Airbus im französischen Toulouse zusammengebaut worden waren. Qantas wird eine spezielle Variante der A350 einsetzen, die als A350-1000ULR (Ultra Long Range) bekannt ist. Da es sich um den ersten A350 mit einem zusätzlichen 20.000 Liter fassenden Treibstofftank im Heck mittig handelt, muss der Widebody im Laufe des Jahres 2026 umfangreiche Testflüge absolvieren, bevor er für den kommerziellen Flugbetrieb zugelassen werden kann.

Wie schneidet die Qantas-Richtlinie im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften ab?  Reisevergünstigungen gehören zu den größten Vorteilen einer Tätigkeit bei einer Fluggesellschaft. Da viele Mitarbeitender im direkten Kundenkontakt nicht nur zu extrem ungünstigen Zeiten und mit geringem Gehalt arbeiten müssen, ist die Optimierung der Reisevergünstigungen einer der einfachsten Wege, die Mitarbeiterbindung zu verbessern. Die Kabinenklasse, in der Beschäftigte  reisen dürfen, kann jedoch von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft stark variieren.

Angesichts des Bestrebens, sehr solvente Premium-Passagiere anzusprechen, wird es immer schwieriger, einen Platz in der Business Class zu ergattern. In einigen Fällen ist jedoch in den Verträgen bestimmter Arbeitsgruppen festgelegt, dass ihnen eine Premium-Kabine zusteht, insbesondere bei Geschäftsreisen – also wenn sie als Passagiere aus beruflichen Gründen fliegen und nicht privat Urlaub machen. Ab einem gewissen Punkt würde man erwarten, dass Führungskräfte bei Dienstreisen Anspruch auf die First Class haben. Daher ist es interessant, dass Qantas die Business Class als ausreichend ansieht. Quelle: Qantas / DMM