Raffgier kennt keine Grenzen

Im September 2019 hatte sich Michael O'Leary, CEO der Ryanair Holding, vertraglich einen Bonus von 99 Mio. Euro zusichern lassen, bezahlbar in Aktienoptionen. Und das, obwohl das „Enfant terrible“ der Luftfahrtbranche ohnehin schon im Geld schwimmt: Das Privatvermögen des irischen Geschäftsmanns soll sich auf ca. 1 Mrd. Euro belaufen.

Die Bonuszahlung ist allerdings an strenge Auflagen gekoppelt: So muss Ryanair im Zeitraum zwischen April 2021 und März 2024 über einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens einem Monat einen Aktienpreis von mehr als 21 Euro haben, oder aber den Nettogewinn der Airline zu verdoppeln. Obwohl sich viele Aktionäre gegen diesen reichlich unverschämten Vergütungsplan O’Learys auflehnten, wurde er angenommen: Zum Zeitpunkt der Abstimmung lag der Aktienpreis von Ryanair bei 10 Euro und die Airline war wegen des Brexit, der Krise um die nicht ausgelieferten B 737 MAX und einem eher negativem Geschäftsausblick in einer Krise.

Am Freitag, 10. Januar 2020, legte Europas größter Billigheimer unter den Airlines sehr gute Zahlen vor. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines florierenden Weihnachtsgeschäfts 2019 rechnet Ryanair damit, im Geschäftsjahr 2019/2020 (endet im März 2020) einen Gewinn von nahe 1 Mrd. Euro zu erzielen. Im Geschäftsjahr sollen auch 154 Mio. Passagiere (1 Mio. mehr als erwartet) die LC-Airline genutzt haben. Die Börse quittierte diese guten Nachrichten mit einem Anstieg des Ryanair-Kurses um über 11 %.

Indes hat der Turnaround von Ryanair so gut wie gar nichts mit einem Management-Verdienst von O'Leary zu tun. Die verbesserten Zahlen haben vielmehr mit der geringeren Konkurrenzsituation der Luftfahrt in UK zu tun, mit den nicht ausgelieferten B 737 MAX mit der Konsequenz, dass Ryanair leichter Streckenstreichen konnte und weniger Piloten brauchte, mit der mehr oder weniger positiven Entwicklung de Brexit und dem erholten britischen Pfund. Quelle: Ryanair / travelnews.ch / DMM