Ruckzuck von Madrid nach Galicien

Mit dem für Dezember 2021 geplanten Abschluss der Arbeiten an der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Galicien (autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens mit den vier Provinzen A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra, mit einer Fläche von ca. 30.000 km2 etwa halb so groß wie Bayern) werden sich die Fahrzeiten der Renfe-Züge um bis zu 88 Minuten verkürzen. Geschäftsreisen mit dem Flugzeug erübrigen sich damit.

Verkehren mit Tempo 330 km/h auf der ab Dezember 2021 eröffneten neuen spanischen Schnellstrecke von Madrid nach Galicien: die neuen Talgo Avril-Züge. Sie sind mehrsystemfähig und verfügen über eine automatische Spureinstellung, so dass sie auf den Schnellfahrtsrecken (Spurweite 1.435 mm) ebenso fahren können wie auf dem spanischen Breitspurnetz (1.668 mm). Foto: Talgo

Verkehren mit Tempo 330 km/h auf der ab Dezember 2021 eröffneten neuen spanischen Schnellstrecke von Madrid nach Galicien: die neuen Talgo Avril-Züge. Sie sind mehrsystemfähig und verfügen über eine automatische Spureinstellung, so dass sie auf den Schnellfahrtsrecken (Spurweite 1.435 mm) ebenso fahren können wie auf dem spanischen Breitspurnetz (1.668 mm). Foto: Talgo

Eingesetzt werden nagelneue Talgo-Hightech-Hochgeschwindigkeitszüge, die dank automatischer Spurveränderung sowohl auf dem Schnellfahrnetz (mit europäischer Spurweite 1.435 mm) und dem spanischen Bestandsnetz (1.668 mm) mit Tempo 330 km/h fahren können.

Diese erste Reisezeit-Verkürzung wird im Sommer 2022 durch weitere 20 Minuten Fahrzeitverkürzung ergänzt, wenn Renfe auf dieser Strecke die neuen Talgo 106 (Avril) einsetzt, die modernsten Züge des Unternehmens mit variabler Spurweite, mit denen alle galicischen Hauptstädte erreicht werden können. Zwischen Ourense und Madrid verkürzt sich die Fahrzeit um 88 Minuten, die Züge von Vigo und Pontevedra verkürzen sich um 54 Minuten, die Fahrzeit von Santiago um 64 Minuten, die von A Coruña um 63 und die von Lugo um 57 Minuten. Die kürzesten Reisezeiten mit Madrid, die Flugreisen für Business Traveller überflüssig machen, ergeben sich wie folgt:

  • Ourense - Madrid: 2:15 Std.
  • Vigo - Madrid: 4:16 Std.
  • Pontevedra - Madrid: 4:00 Std.
  • Santiago - Madrid: 3:20 Std.
  • A Coruña - Madrid: 3:51 Std.
  • Lugo - Madrid: 4:46 Std.

Neue Superzüge von Talgo. In einer zweiten Phase, die für den nächsten Sommer geplant ist, will Renfe die Zeiten um weitere 20 Minuten verkürzen. Möglich wird dies durch die Einführung der Züge der Serie 106 von Talgo, die unter dem Namen Avril bekannt sind. Diese Züge mit variabler Spurweite wurden im November 2016 von Renfe nach einer Ausschreibung vergeben und ermöglichen kommerzielle Höchstgeschwindigkeiten von 330 km/h. Diese Züge befinden sich bereits in der Testphase und sollen ab Sommer 2022 in Galicien eingesetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt werden die Fahrzeiten zwischen Galicien und Madrid rund eineinhalb Stunden kürzer sein als heute.

2016 hatte die spanische Staatsbahn schrieb Renfe  in einer internationalen Ausschreibung die Beschaffung von 15 Hochgeschwindigkeitszügen, die mit einer kommerziellen Geschwindigkeit von 330 km/h fahren können, sowie deren Instandhaltung für 30 Jahre in einem offenen und wettbewerbsorientierten Verfahren ausgeschrieben. Wenig verwunderlich: der spanische Bahntechnikhersteller Talgo ging als Sieger hervor. Talgo liefert übrigens auch fr die Deutsche Bahn neuen ICE-L-Garnituren ab 2023. In der Folge wurde der Auftrag auf 15 weitere Züge erweitert, so dass das Gesamtprojekt insgesamt 30 Avril-Zugeinheiten umfasst.

Von dieser künftigen Talgo Baureihe 106 werden 15 Einheiten mit automatischer Spurwechsel- und Mehrspannungssystemtechnik für sehr hohe Geschwindigkeiten ausgestattet, wodurch sie praktisch auf dem gesamten nationalen Schienennetz eingesetzt werden können. Damit kann Renfe ihr kommerzielle Angebot verbessern und die Fahrzeiten im gesamten Land, ob auf Neubau- oder den Altstrecken verkürzen. Zehn weitere dieser Baureihe 106 werden für den Einsatz im grenzüberschreitenden Verkehr nach Frankreich vorbereitet.

Maximierte Effizienz. Das Avril-Projekt ist darauf ausgelegt, so viele Fahrgäste wie möglich effizient zu transportieren. Seine 3+2-Innenraumaufteilung in der Touristenklasse (entspricht 2. Klasse der ICE) bietet dank bester Raumnutzung eine erhöhte Anzahl an komfortablen und breiteren Sitzplätzen als man sie hier zu Lande kennt.

Alleskönner. Avril steht für Vielseitigkeit, so der Hersteller. Das automatische Spurwechselsystem von Talgo wird erstmals verfügbar sein, um die Höchstgeschwindigkeit auf Hochgeschwindigkeitsstrecken von derzeit 250 km/h auf 330  km/h anzuheben. Das bedeutet, dass diese Züge alle Städte des elektrifizierten Schienennetzes auf der Iberischen Halbinsel erreichen können. Zudem verbrauchen die Avril 30 % weniger Strom als die Vorgängermodelle. Sie beschleunigen und bremsen auch besser, wodurch länger mit hohen Geschwindigkeiten gefahren werden kann, was die Reisezeiten erheblich verkürzt. Die Avril sind schnell als aktuelle deutsche ICE und bieten kurze Reisezeiten, von denen man in Deutschland nur träumen kann. Zum Vergleich: Eine Strecke wie München-Berlin, die Sprinter-ICE in ca. 3.30 Stunden schaffen, absolvieren die spanischen Züge in knapp mehr als 2 Stunden!

Barrierefreier Einstieg. Wie die übrigen Talgo-Züge basieren auch diese Züge auf einem einzigartigen Design der Technologie des Losradfahrwerks, das es ermöglicht, dass die Wagen auf gleicher Höhe wie die Bahnsteige liegen und in der gesamten Zugverband eine durchgängige Niederflurigkeit haben. Dadurch können mobilitätseingeschränkte Personen (PRM) den gesamten Zug selbstständig, ohne Komplikationen und Stufen betreten. Quelle Renfe / Talgo / DMM