Russland baut Supersonic-Passagierjet

Die russische United Aviation Corporation (UAC) entwickelt einen Überschall-Passagierjet, der möglicherweise noch in den 2020er Jahren starten kann. Das letzte Projekt war mit der Tupolev Tu-144 vor 50 Jahren verwirklicht worden. Weil der dem westlichen Muster Concorde sehr ähnliche Jet genauso unwirtschaftlich war, wurde der Betrieb seinerzeit ebenfalls eingestellt.

Denis Walentinowitsch Manturow (49), Sozial- und Rechtswissenschaftler sowie Minister für Industrie und Handel, sagte, dass an dem Vorhaben des Überschall-Passagierflugzeugs bereits intensiv geforscht wird.

So oder ähnlich könnte der neue russische Supersonic-Passagierjet aussehen. Foto: Tupolev

So oder ähnlich könnte der neue russische Supersonic-Passagierjet aussehen. Foto: Tupolev

Es sieht ganz danach aus, als ob der berühmteste strategische Bomber Tu-160 als Vorlage dienen wird, so wie es 2018 schon Russlands Präsident Vladimir Putin vorgeschlagen hatte. Der Überschallbomber („Weißer Schwan“) sollte sich nach Putins Ansicht sehr wohl als Basis für ein neues Supersonic-Passagiermodell eignen. Designed und entwickelt vom Tupolev Design Bureau gilt die Tu-160 als größter und schwerster Mach 2+ Überschallbomber der Welt.


Die Tupolew Tu-144 (russisch Туполев Ту-144, NATO-Codename: Charger) war das erste Überschallverkehrsflugzeug der Welt. Entwickelt wurde sie vom Konstruktionsbüro Tupolew des sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs Alexei Andrejewitsch Tupolew. Der Grundstein zur Entwicklung der Tu-144 wurde am 26. Juli 1963, per Befehl des Ministers für Luftfahrtindustrie Nr. 276ss, gelegt. Vorausgegangen war die Festlegung Nr. 768-271 des Ministerrats der Sowjetunion vom 16. Juli 1963, wonach das Konstruktionsbüro Tupolew verpflichtet wurde, fünf flugtaugliche Exemplare in nur viereinhalb Jahren zu bauen. Die erste Maschine sollte schon 1966 fertig sein. Das Konstruktionsbüro Tupolew war zu diesem Zeitpunkt das einzige der Sowjetunion (und eines der wenigen weltweit), das sowohl über Erfahrungen im Bau von Überschallflugzeugen (Tu-22-Bombern, Tu-128-Langstreckenjägern) als auch von großen Verkehrsflugzeugen (Tu-104, Tu-114, Tu-124) verfügte. Die Gerüchte, die in den Westen drangen, wurden erst konkreter, als die Tu-144 im Jahr 1965 auf der Pariser Luftfahrtschau bekannt wurde.

Baubeginn des Prototyps der Tu-144 war 1965. Hergestellt wurden zunächst drei Exemplare (der flugfähige Prototyp 00-1 sowie zwei Exemplare nur für Statiktests). Die Piloten Edward Eljan und Michail Koslow führten am 31. Dezember 1968 in der Nähe von Moskau mit dem ersten Prototyp (Luftfahrzeugkennzeichen SSSR-68001 (russisch СССР-68001)) den Jungfernflug der Tu-144 durch. Am 26. Mai 1970 erreichte dieser Prototyp der Tu-144 als erstes ziviles Verkehrsflugzeug zweifache Schallgeschwindigkeit (Mach 2). Insgesamt wurden 15 Serienmaschinen produziert. Neun davon gelangten an die Aeroflot, fünf der übrigen Flugzeuge waren nur für Postflüge eingesetzt worden. Das letzte vollständige Exemplar wurde 1981 fertiggestellt, hatte seinen Erstflug jedoch erst am 4. Oktober 1984 und diente später als Testflugzeug im Buran-Programm.

Es zeigte sich, dass die Tu-144 eine unausgereifte Konstruktion war. Sie flog zwar vor der Concorde, erreichte als erstes ziviles Flugzeug Schall- und doppelte Schallgeschwindigkeit, die Konstruktion wurde aber schon beim Bau des zweiten fliegenden Exemplars stark modifiziert, so dass praktisch von einer Neukonstruktion gesprochen werden muss. Durch die Neukonstruktion der Tragflächen und die veränderte Triebwerksanordnung wurde die Tu-144 der Concorde sehr ähnlich. Das Hauptfahrwerk wurde nun in die Triebwerksgondeln eingezogen und die Anzahl seiner Räder auf acht reduziert (ursprünglich waren es zwölf Räder pro Fahrwerk). Die Serienmaschinen erhielten ausfahrbare Canard-Flügel zur Verbesserung der Langsamflugeigenschaften. Bei Tupolew existierten ab 1979 Pläne für einen Nachfolger, die Tupolew Tu-244, die bis 1993 verfolgt wurden. Außerhalb der sozialistischen Bruderländer hätte es keinen Markt für die Tu-144 gegeben; Verkaufschancen bei westlichen Gesellschaften wurden einzig von der Lobby der amerikanischen SST an die Wand gemalt, um dessen Bau voran zu bringen.

1973 war man von 30 bestellten Flugzeugen für Aeroflot ausgegangen und rechnete mit einer Erhöhung dieser Zahl bis auf 75 Flugzeuge. Im November 1977 wurde der Passagierbetrieb zwischen Moskau und Alma-Ata mit der ersten Serienversion Tu-144S eröffnet. Im Dezember 1977 folgte der reguläre, einmal wöchentliche Passagierflug. Jeder Flug war von höchsten Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Ein Flugticket für die Tu-144 kostete zum damaligen Zeitpunkt 82 Rubel, was etwa der Hälfte eines durchschnittlichen sowjetischen Monatseinkommens entsprach.

Bei einem Testflug unter Eljan am 23. Mai 1978 verunglückte eine Tu-144D (die SSSR-77111, s/n 06-2), der zu diesem Zeitpunkt in Entwicklung und Erprobung befindlichen reichweitengesteigerten zweiten Serienversion. Durch starke Vibrationen entwickelte sich ein Leck in einer Treibstoffleitung, wobei sich rund 8 t Treibstoff in der Gondel von Triebwerk 3 ansammelten. Es kam zu einem Brand, weshalb die Besatzung die Triebwerke 3 und 4 außer Betrieb nahm. Der zusätzliche Ausfall von Triebwerk 2 zwang zu einer Notlandung auf einem Feld. Dabei kamen zwei Flugingenieure ums Leben. Diesen Unfall nahm der damalige Luftfahrtminister Bugajew zum Anlass, den Linienbetrieb nach nur 102 Flügen (davon 55 mit Passagieren) mit insgesamt 3.284 beförderten Passagieren einstellen zu lassen. Bei einem Testflug auf der Strecke von Moskau nach Chabarowsk am 31. August 1980 kam es zu einer weiteren schweren Havarie mit der Tu-144D (SSSR-77113, s/n 08-1). Bei einem der Triebwerke zerbarst bei doppelter Schallgeschwindigkeit in ca. 16.000 m Höhe eine Verdichterstufe und beschädigte Zelle und Flügel. Die Maschine ging in einen steilen Sinkflug über. Es gelang der Besatzung unter dem Kommandanten Jewgeni Gorjunow, die Kontrolle über die Maschine zurückzuerlangen und ohne weitere Schäden auf der Militärbasis Engels-2 zu landen.

Trotz der ernsten Zwischenfälle gab es weitere Planungen zur Wiederaufnahme des Linienbetriebs in den Jahren 1980 bis 1982. Der Liniendienst wurde bis zur Einstellung des Tu-144-Programms 1983 jedoch nicht wieder aufgenommen. Insgesamt wurden 16 Exemplare der Tu-144 fertiggestellt, von denen noch fünf in Museen sowie weitere drei in zwei verschiedenen Tupolew-Werken existieren. Die einzige Tu-144 (Kennzeichen SSSR-77112, Seriennummer 07-1) außerhalb der ehemaligen Sowjetrepubliken wurde 2001 auf dem Wasser- und Landweg nach Deutschland in das Technikmuseum Sinsheim gebracht. Seit 2003 ist neben ihr auch ihr westeuropäisches Pendant, die Concorde, zu besichtigen. Am 3. Juni 1973 erlebte das Programm einen herben Rückschlag, als die erste Serienmaschine, die dritte gebaute Tu-144S, bei der Flugschau in Le Bourget bei Paris auf den Vorort Goussainville abstürzte. Dabei wurden die sechs Menschen an Bord sowie acht Personen am Boden getötet. Als die Besatzung versuchte, einen starken Sturzflug abzufangen, brach die Maschine in geringer Höhe auseinander, da ihre Struktur überlastet wurde. Warum die Tu-144 überhaupt in den Sturzflug überging, für den sie nicht ausgelegt war, ist nach wie vor ungeklärt.

Tu 160: Die Tupolew Tu-160 (russisch Туполев Ту-160, NATO-Codename: Blackjack) ist ein schwerer strategischer Schwenkflügel-Überschall-Bomber mit interkontinentaler Reichweite. Die Tu-160 ist das größte Kampfflugzeug der Welt und wird inoffiziell auch als Weißer Schwan bezeichnet (Белый лебедь). Aktuell sind 16 Bomber im Dienst der russischen  Fernfliegerkräfte. Ende Mai 2015 kündigte das russische Militär an, 50 neue Tu-160 beschaffen zu wollen.[3] Am 15. November 2017 erfolgte der Rollout einer weiteren Tu-160M, die später als Prototyp der M2-Version dienen soll. Ab 2023 sollen Tu-160M2 produziert werden. Äußerlich unterscheide sich das Flugzeug kaum von den früheren Versionen, aber Cockpit, die Steuerung, die Kommunikations- und Waffensysteme würden von Grund auf neuentwickelt. Die Startmasse des 54,10 m langen Superjets beträgt maximal 275 t, die Höchstgeschwindigkeit 2.220 km/h. Die Reichweite liegt bei 14.600 km.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=wNxYiS6mHuMQuele: Tupolev / UAC / DMM