Die in Dublin ansässige Fluggesellschaft hatte ihren Premium-Abonnementdienst „Prime“ erst im März dieses Jahres angekündigt. Neben kostenloser Sitzplatzreservierung und Reiseversicherung bot das Programm auch Zugang zu exklusiven monatlichen Sonderangeboten. Anders als herkömmliche Vielfliegerprogramme, die Passagiere für häufiges Fliegen mit einer Fluggesellschaft belohnen, verlangte Ryanair Prime von den Reisenden eine jährliche Mitgliedsgebühr von 79 Euro (bzw. 79 Pfund für Kunden in Großbritannien bzw. 91,50 US-Dollar).
Trotz der scheinbar eher begrenzten Vorteile behauptete Ryanair, dass Passagiere, die mindestens einmal im Monat flogen, mindestens 420 € pro Jahr sparen könnten. Dara Brady, Marketingchefin der irischen Airline, bezeichnete im Frühjahr das neue Prime-Abonnement als „einen Selbstläufer“ für Vielflieger.
Es stellte sich eher zum Leidwesen des Ryanair-Managements heraus, dass viele Vielflieger die Vorteile der Ryanair Prime-Mitgliedschaft schnell erkannten und die monatlichen Sonderangebote intensiv nutzten. Der Erfolg für die Mitglieder war so groß, dass die Fluggesellschaft das Programm nun einstellt. Ryanair bezeichnete das Abonnementmodell von Anfang an als Test und schloss den Prime-Service am Freitag für neue Mitglieder, nachdem sich immerhin 55.000 Personen angemeldet hatten. Diese 55.000 Passagiere scheinen jedoch von Ryanair Prime profitiert zu haben. „Bis heute haben wir über 55.000 Prime-Mitglieder gewonnen und damit über 4,4 Mio. Euro an Mitgliedsbeiträgen eingenommen“, erklärte Brady noch vor Kurzem. „Unsere Prime-Mitglieder erhielten jedoch Rabatte im Wert von über 6 Mio. Euro, sodass dieser Test mehr gekostet als eingebracht hat.“ „Diese Mitgliederzahlen bzw. die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen rechtfertigen nicht den Zeit- und Arbeitsaufwand für die Einführung der monatlichen exklusiven Prime-Sitzplatzangebote für unsere 55.000 Prime-Mitglieder“, fügte Brady hinzu.
Ryanair hatte die Mitgliedschaft in seinem Prime-Service zunächst auf 250.000 Personen nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ begrenzt und rechnete offensichtlich damit, diese Grenze schnell zu erreichen. Acht Monate später hat die Fluggesellschaft Mühe, auch nur ein Viertel dieses ursprünglichen Mitgliederziels zu erreichen. Ein Grund für die verhaltene Resonanz auf Ryanair Prime mag darin liegen, dass viele Passagiere die jährliche Gebühr für die vermeintlichen Vorteile als nicht gerechtfertigt betrachteten.
Die 55.000 Prime-Mitglieder, die sich angemeldet hatten, erhielten offensichtlich zahlreiche Preisvorteile als es Anbieter Ryanair lieb war. Funktioniert hätte das Geschäfts für die Airline vermutlich nur, wenn die Jahresgebühr für eine Mitgliedschaft höher gewesen wäre.
Ryanairs großer Konkurrent EasyJet bietet seine EasyJet Plus-Jahresmitgliedschaft für deutlich teurere 249 £ bzw. 289 € an, jedoch mit einer Vielzahl von Vorteilen, darunter Fast-Track-Sicherheitskontrollen an ausgewählten Flughäfen, bevorzugtes Boarding, Premium-Sitzplatzreservierung und ein im Tarif inbegriffenes großes Handgepäckstück. Mitglieder erhalten außerdem 10 % Rabatt auf Einkäufe am Bordverpflegungswagen und können ihren Flug je nach Verfügbarkeit kostenlos auf eine frühere Abflugzeit umbuchen.
Nun merkte Brady an: „Mit über 207 Millionen Passagieren in 2025 wird sich Ryanair weiterhin darauf konzentrieren, allen Kunden die günstigsten Flugpreise in Europa anzubieten, nicht nur der Gruppe der 55.000 Prime-Mitglieder. Den Mitgliedern sollen noch bis Oktober 2026 weiterhin monatliche Prime-Angebote angeboten werden. Danach ist mit dem „Rohrkrepierer“ definitiv Schluss. Quelle: Ryanair / DMM



