Ryanair's erpresserische Tour

Ryanair ist bekannt als wenig seriöse Airline mit zuweil rüdem Umgang nicht nur mit dem eigenen Personal, sondern auch mit ihren Kunden. Jetzt berichten britische und irische Medien über eine ganz üble Tour der Lowcost-Airline. Wer nämlich auf Rückerstattung seines Ticketpreises für einen längst bezahlten Flug bestand, den er/sie aber wegen der Covid-19-Pandemie und damit verbundenen Reiserestriktionen nicht antreten konnte, und sich das Geld über ein Kreditinstitut zurückgeholt hat, landet auf einer schwarzen Liste und wird nicht mehr als Kunde akzeptiert. Es sei denn, er/sie lässt sich auf einen erpresserischen Deal ein.

Wer sein Geld für einen infolge Corona-Reisebeschränkungen nicht möglichen Ryanair-Flug bei Ryanair selbst zurückholt, landet auf einer schwarzen Liste und wird, wenn er die Summe nicht ernneut bezahlt, nicht mehr befördert. Foto Twitter

Wer sein Geld für einen infolge Corona-Reisebeschränkungen nicht möglichen Ryanair-Flug bei Ryanair selbst zurückholt, landet auf einer schwarzen Liste und wird, wenn er die Summe nicht ernneut bezahlt, nicht mehr befördert. Foto Twitter

Wie die Irish Times in ihrem Beitrag vom Mittwoch, 13. Oktober unter der Headline „Ryanair bars passengers from flying unless they repay pandemic ‘chargebacks’” meldet, hat der Carrier mehrere hundert Kunden allein aus Irland wegen Streits um Pandemie-Flüge ausgeschlossen. Es scheint nicht nur irische Staatsbürger zu treffen, sondern auch andere. So berichtet z.B. der britische „The Guardian berichtet“, dass es ähnliche Fälle auch in Großbritannien geben soll.

Es geht um sogenannte Chargebacks. Die irische Tageszeitung zitiert eine Frau aus Irland, die von Ryanair das von ihr lange vorher bezahlte Ticket für einen Flug im vorigen Jahr, den sie infolge der Reiserestriktionen nicht antreten konnte, nicht zurückerstattet bekam. Also holte sie sich ihr Geld mittels eines Rückabwicklungsverfahren ihrer Bank vom Carrier zurück.

Die Sache war für die Dame vergessen, bis sie kürzlich einen Flug von Faro (Portugal) nach Dublin, den sie Anfang Oktober gebucht hatte, am Check-in im Terminal von Faro von Ryanair-Personal zurückgewiesen wurde. Begründung: Sie habe Schulden bei Ryanair. Nur wenn sie umgehend den Preis von 210,95 Euro an Ort und Stelle in bar bezahle für den „ausgefallenen“ Flug vom September 2020, werde sie mitgenommen. Damals durfte die Irin aufgrund einer Corona bedingten Einreisesperre der portugiesischen Regierung nicht zu einer Hochzeit von Verwandten nach Portugal fliegen, was Ryanair offensichtlich herzlich egal ist. Um nachhause nach Irland zu kommen, hab die verängstigte Passagierin der räuberischen Erpressung Ryanairs nach und bezahlte die 210,95 Euro. Auch ihrem Sohn erging es so, heißt es im Bericht er Zeitung. Der konnte im September 20220 aus denselben Gründen den Flug nicht antreten und musste, als er letzte Woche nach Großbritannien fliegen wollte, 279,95 Erpressungsgebühr an Ryanair entrichten.

Dasselbe Schicksal traf mehrere hundert Kunden, die sich nach erfolglosen Bitten und Aufforderungen, bezahlte Tickets für nicht stattgefundene Flüge rückerstattet zu bekommen, mittels „chargebacks“ selbst zu ihrem Recht verholfen hatten. Ryanair bestreitet, so genannte schwarze Listen zu führen mit Passagieren, die sich auf diese Weise ihr Geld zurückgeholt haben. Tatsächlich gibt es aber solche blacklists, auf denen aber nur betrügerische Kunden notiert seien, so Ryanair laut Irish Times. Angeblich, so legt sich das Ryanair-Management seine zutiefst absurden Ausreden zurecht, hatten die Betroffenen „nicht-erstattungsfähige Tickets“ für Flüge (nonrefundable tickets on Ryanair flights) gekauft, die trotz der Pandemie wie geplant durchgeführt wurden. Die Rückbuchungen über das Kreditkartenunternehmen betrachtet der LC-Carrier als unrechtmäßig. Weiter heißt es in der Ryanair-Firmenzentrale, bei den Betroffenen handele es sich um eine „winzige Minderheit" von weniger als 850 Reisenden“ Die würden erst dann wieder als Kunden akzeptiert, wenn sie ihre Schulden beglichen hätten. Finanz- und Luftfahrtexperten raten zum Verzicht auf Airlines, die ein derartiges Geschäftsgebaren an den Tag legen. Quelle: The Irish Times / The Guardian / DMM