Neuer Sorento - viel Auto fürs Geld

Hat vorne etwas vom Lexus 450h und hinten vom VW Touareg. Insgesamt aber ist Kia’s neuer Sorento einrichtig schicker SUV geworden. Die Stirn bieten soll der Newcomer ab 14. März so potenten Konkurrenten wie Audi Q5 oder BMW X3, was vom Selbstwertgefühl der Koreaner zeugt, wir wollen ja nicht von Unbescheidenheit sprechen. Wir haben den Neuling im durch und durch verregneten Barcelona und Umland getestet.

Luxuriös, sportlich flexibel, ein SUV mit Stil und Größe – so beschreibt der Importeur sein jüngstes (großes) Baby, das wie schon die zweite Generation wohl mehrheitlich an gewerbliche Kunden gehen wird. In 2015 waren es 2.825 Sorentos, die hier zu Lande vermarktet worden sind, wobei neun von zehn dieser im D- bzw. E-SUV-Segment angesiedelten „Geländewagen“ geschäftlich zugelassen worden sind. Über die gesamte Laufzeit der zweiten Generation verkaufte sich der Sorento (seit seinem Start) immerhin rund 11.200 Mal in Deutschland, weltweit sogar um die 60.000 Mal.  

Naturgemäß sind im Dieselland Deutschland 90 % der Sorentos mit einem Selbstzünderaggregat ausgestattet. Und neun von 10 von Kia’s größtem SUV verfügen über ein automatisches Getriebe und über Allradantrieb. Beim Sorento 3 kommt er von Magna-Steyer. Ob auch ein Plug-in-Hybrid in der Pipeline ist, wie ihn viele Hersteller in diesem Segment bereits angekündigt haben? Diese Frage von DMM wurden mit einem klaren „Jein“ beantwortet. Sprich: In 2015 sicher nicht, vielleicht aber in 2016 oder 17. Nix Genaues wollen die Kia-Manager noch nicht verraten.  

Wenngleich Kia seine Absatzziele hier zu Lande in 2014 knapp verfehlt hat, so ist die Marke dennoch ein harter Widersacher für die meisten Importeure geworden, nicht nur wegen des wirklich gelungenen Designs der diversen Modelle. Während aber die Kia-Fahrzeuge deutschen Wettbewerbern eher weniger schaden, setzen sie vor allem Japanern und Franzosen ganz heftig zu. Und daran wird sich auch in 2015 wenig ändern, zumal auch in diesem und in den weiteren Jahren zahlreiche attraktive Fahrzeuge angekündigt sind. Weltweit hat die südkoreanischen Hyundai Motor Group 2014 ihren 5. Rang unter den größten Autobauern behauptet. Über 8 Mio. Fahrzeuge wurden ausgeliefert, 354.000 allein in Europa (+ 4,2 % zu 2013) und der Autoriese aus Fernost ist inzwischen unter den Top 100 Unternehmen auf dem Globus die Nr. 74. Das will etwas heißen. 

Zurück zum neuen Sorento: Die dritte Modellgeneration kommt einen Tick dynamischer und eleganter daher. An Größe gewachsen auf 4,78 m (+ 9,5 cm) bei gleichzeitig geringfügig niedrigerer Dachlinie (- 15 mm) lässt der Wagen sogar etwas Premium-Feeling erahnen. Das Auto bietet viel Platz, hohen Komfort und es verfügt bei moderaten Preisen über aktuelle Technologien und viele innovative Ausstattungsmerkmale. Das Beste freilich bei Kia ist, und davon sollten sich die Mitbewerber mal ein paar Scheiben abschneiden, die siebenjährige Mobilitätsgarantie incl. Navigationskarten-Update.  

Wie bei allen in Europa verkauften Kia-Fahrzeugen hat auch das hauseigene Designzentrum Frankfurt bem Design mächtig mitgemischt. Und auch die Amerikaner haben ihre Spuren hinterlassen, wird der Sorento mehrheitlich doch auf dem US-Markt verkauft. Innen fühlt man sich durchaus wohl, wenngleich das Ambiente unserer Meinung nach nicht ganz an einen Q5 oder X3 heranreicht. Das haben die beiden Bayern irgendwie besser drauf. Dafür sind sie aber auch eine ganze Ecke teurer. Aber Platz hat man in Hülle und Fülle, sogar mehr Bein- und Kopffreiheit als bisher. Der Trick: ein um 80 m verlängerter Radstand und neu strukturierte Sitzkissen.  

Klar, auch ein Kia lässt sich noch aufpeppen, wenngleich die Liste mit den Sonderwünschen beileibe nicht an die „Bücher“ der deutschen Hersteller herankommt und was auch gar nicht nötig ist. Je nach Ausführung und Sonderausstattung lässt sich der SUV mit Teil- und Vollledersitzen in unterschiedlicher Farbgebung, mit Sitzheizung vorn und hinten (äußere Sitze der zweiten Reihe), Sitzventilation vorn, USB-Ladebuchsen auch hinten bis zur separaten Klimatisierung selbst der dritten Sitzreihe aufhübschen. Die Sitze der zweiten Reihe können übrigens in Lngsrichtung erschoben und in drei Teilen umgeklappt werden.  

Wer auf Geschäftsreise jede Menge mitzuschleppen hat, braucht sich keine Gedanken machen. Denn as Ladevolumen fast je nach Konstellation bis zu 1.732 Liter. Noch etwas ist uns positiv aufgefallen: Die elektrische Heckklappe (Serie ab Spirit) öffnet sich automatisch, wenn der Sensor des Systems den Smartkey des Fahrers hinter dem Wagen ortet.       

Vier Varianten. Freiberufler, die größte Zielgruppe hier zu Lande für Sorento & Co., können unter vier Ausführungen wählen: Edition 7, Vision, Spirit und Platinum Edtion. Schon der Basisvariante ist Klima Serie, ebenso Audiosystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Geschwindigkeitsregelanlage, Multifunktionslenkrad, Bordcomputer, Parksensoren hinten, elektrisch einstell- und anklappbare Außenspiegel, LED-Tagfahrlicht, Nebelleuchten, Abbiegelicht usw.. Bei Vision kommen Rückfahrkamera, Sitzheizung vorn und hinten, Regen- und Dämmerungssensor, 7“-Kartennavi, beheizbares Lenkrad u.v.a.m.. hinzu. Höchstes Niveau bietet die Platinum Edition, bei der kaum noch ein Wunsch übrig bleibt.  

Motorisierung. In Deutschland wird der 2,2 l-Turbodiesel (147 kW/200 PS) angeboten. Das Triebwerk mobilisiert 441 Nm Drehmoment, es ist laufruhig und nach unserer Erfahrung so weit ganz agil. Nicht zu haben ist bis auf Weiteres der 2,4l-Benziner mit 188 PS und der kleinere 2,0 l-Diesel (185 PS). Standardmäßig ist ein 6-Gang-Schalter. Die AWD-Version lässt sich optional mit Sechsstufenautomatikgetriebe ordern. Gleiches gilt für eine Flut an Assistenzsystemen, u.a. auch eine Rundumsichtkamera.  

Unser erster Eindruck: Fürs Geld bekommt man sehr viel Auto, viel mehr jedenfalls als bei der deutschen Konkurrenz. In Sachen Fahrverhalten kommt der neue Sorento den deutschen Platzhirschen näher. Wer nicht nur Eco oder Komfort beim Drive-Mode wählt, sondern es mal krachen lassen möchte, kommt dann ziemlich flott voran, wobei die Automatik früher rauf und runter schalet. Aber, das muss man auch wissen, dann ist es mit dem Sparsam fahren ganz schnell vorbei. Die Lenkung arbeitet in allen Modi sehr direkt. Auch die Wankneigung auf kurvigen Strecken ist niedrig. Überaus angenehm ist das Innengeräusch, das man kaum vernimmt. Dank vieler verbauter schalldämmender Materialien fährt sich der große Kia sehr leise und fast vibrationsfrei.

Zwei Dinge sind es, die wir beanstanden mussten: Das Navi ist viel zu träge und vor allem dann irreführend im wahrsten Sinn des Wortes, wenn es die ersten Kilometer ab einem Flughafenparkplatz einen im Ungewissen lässt, wo man sich überhaupt bewegt. Zweitens beträgt mit Automatikgetriebe die zulässige gebremste Anhängelast nur 2.000 kg und damit 500 weniger gegenüber dem Schalter. Das hat etwas mit der Bauweise der Automatik zu tun. Für den einen oder anderen kann die nicht gerade pompöse Anhängelast durchaus zum Nachdenken verführen. Alles in allem ist auch der Sorento ein Beweis dafür, dass Kia sehr gute Autos bauen kann, die selbst im Fall eines großen SUV erschwinglich sind. Quelle: DMM