Serviced Apartments stabiler als Hotellerie

„Das Segment der Serviced Apartments befindet sich in Deutschland trotz Corona-Krise in seiner größten Wachstumsphase, auch weil es sich in den letzten Monaten widerstandsfähig zeigte“, erklärt Anett Gregorius, Inhaberin von Apartmentservice. Aktuell zählt der Markt 33.900 Serviced-Apartment-Einheiten in 631 Häusern mit mindestens 15 Einheiten – das sind über 5.300 Einheiten mehr als vor einem Jahr.

Gregorius glaubt an ein 50 %iges Wachstum auf mehr als 50.300 Einheiten bis Ende 2022. Die 100.000-Einheiten-Marke wird voraussichtlich erst 2030 erreicht. Zudem wird es unabhängig von der aktuellen wirtschaftlichen Krise zu Marktkonsolidierungen und Verkäufen kommen. Die Auslastung lag 2019 in Deutschland trotz gestiegenem Angebot bei 77 % und damit höher als in der Hotellerie. 69 % der Gäste machten erneut Geschäftsreisende aus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank von 25 auf 19 Nächte, vor allem bedingt durch die bisher shortstay-lastigen Aparthotels. Die ADR, die Average Daily Rate , die von einer degressiven Preisstaffelung geprägt ist, lag 2019 bei 89 Euro (-1 %).

Studio-Einheiten machen inzwischen einen Anteil von über 80 % am Gesamtangebot aus und stehen für den Betreibertrend zu mehr Flächeneffizienz und den Nachfragetrend zu kostengünstigeren Angeboten. Der Anteil der Mikroapartments (weniger als 25 m2) ist erneut auf jetzt 35 % gestiegen. An der Spitze der Anbieter in Deutschland liegen weiter die Living Hotels, Adina Hotels und Aparthotels Adagio/Access (Accor). In den nächsten Monaten werden vor allem die Adina Hotels, Adapt Apartments, ipartment, Smartments Business und Limehome deutlich expandieren – und damit besonders die Serviced Apartmenthäuser mit Longstay-Konzepten. Hinzu kommen neue Marken wie Rioca by i Live und weitere Mixed-Use-Projekte.   

Corona macht alle Vorhersagen zunichte. Noch im Januar/Februar 2020 schätzten 85 % der Serviced-Apartment-Betreiber die Entwicklung des Gesamtmarkts als positiv oder sehr positiv ein. Dann der tiefe Fall: Im Mai 2020 gaben die meisten Betreiber ihrer wirtschaftlichen Situation nur noch die Schulnote ausreichend bis mangelhaft. Übliche Auslastungen von über 90 % in Serviced Apartmenthäusern sanken auf zunächst 70 und später auf 40 %. Aparthotels lagen im Mai 2020 sogar bei nur noch 20 %. Der RevPAR (Revenue per available room) ist allein zwischen Februar und März 2020 um 30 % gesunken. Dennoch blieben die meisten Betreiber überzeugt vom Serviced-Apartment-Konzept mit obligatorischer Küche, getrennten Wohn- und Schlafbereichen und häufig digitalen Zugängen bei insgesamt geringeren Betriebskosten als in der Hotellerie. Das Segment zeigte sich weniger krisenanfällig als andere Beherbergungssegmente, vor allem im Longstay-Bereich. Aktuell hat bereits eine Erholung eingesetzt, besonders bei Serviced Apartmenthäusern mit wenigen Einheiten.

Bisherige Kennzahlen vieleicht ab 2022 wieder. Für die nächsten Monate prognostiziert Apartmentservice Marktbereinigungen und -übernahmen, die neu für das Segment sein werden – auch weil das Wettbewerbsumfeld an einigen Standorten deutlich gestiegen ist, vor allem in Frankfurt/M. und München. Zugleich werden neue Hotel-Player den Markt betreten, die auf den krisenfesteren Longstay umsatteln wollen. Mit Performance-Werten aus dem Jahr 2019 rechnet Anett Gregorius frühestens 2022. Quelle: Serviced Apartments / DMM