Skepsis gegenüber der Wiederaufnahme von Flügen mit B 737 MAX

Mitte November 2020 hob die US-Flugaufsicht FAA nach eineinhalb Jahren das Flugverbot für den Unglücksflieger Boeing 737 Max auf. Am Dienstagvormittag (29. Dezember 2020) hob mit AA718 der erste reguläre Flug mit einer Boeing 737 Max in den USA seit dem Grounding des Modells vor mehr als anderthalb Jahren ab. Die Maschine mit dem Kennzeichen N314RH startete um 10:30 Uhr Ortszeit in Miami (Florida) und landete sicher nach 2:50 Stunden in New York LaGuardia.

Am 29.12.2020 startete mit einer B 737 Max von American Airlines die erste Maschine dieses Typs nach der Wiederzulassung durch die FAA in den Vereinigten Staaten. Foto: AA

Am 29.12.2020 startete mit einer B 737 Max von American Airlines die erste Maschine dieses Typs nach der Wiederzulassung durch die FAA in den Vereinigten Staaten. Foto: AA

Boeing war 2018 in eine tiefe Krise geschlittert, nachdem zwei nagelneue 737 MAX Flugzeuge dieses Typs abgestürzt waren. Der erste Unfall ereignete sich am 29. Oktober 2018. Eine Boeing 737 Max des indonesischen Billigfliegers Lion Air stürzte kurz nach dem Start in Jakarta ins Meer. Wenige Monate später stürzte am 10. März 2019 die nächste Maschine dieses Typs von Äthiopian Airlines, die von Addis Abeba nach Nairobi unterwegs war ab. Zusammen forderten beide Unglücke 346 Tote.

In Folge dessen begannen Behörden weltweit, ein Startverbot für diesen Maschinentyp zu erteilen Auf dem gesamten Globus wurden alle B 737 MAX zwangsweise gegroundet. Als Ursache für beide Abstürzte kristallisierten sich gravierende Softwarefehler bei der Steuerung heraus. Zudem waren die Handbücher für die Piloten und die Trainings mangelhaft. Die Untersuchungen zeigen, wie während der ganzen Entwicklung der Maschine an allen möglichen Ecken und Ende geschludert, an der Sicherheit gespart und die Aufsicht hinters Licht geführt wurde. Boeing versuchte die ganze Geschichte zu vertuschen, auch die US-Luftfahrtbehörde FAA spielte eine mehr als fragwürdige Rolle, ließ sie doch zu, dass Boeing-Mitarbeiter wesentliche Zertifizierungsaufgaben selbst vernehmen durften. Es zeigte sich dann auch, dass die Führungsriege wohl schon länger von den Fehlern der Software wussten. Doch wurden maßgebliche Ingenieure, die vor den Fehlern gewarnt hatten, mundtot gemacht.

Über die Geschichte stolperte letztendlich der Unternehmenschef Dennis Muilenburg. Am 11. Oktober 2019 beschloss der Boeing-Aufsichtsrat, dass Dennis Muilenburg die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung an David Calhoun abzugeben hatte, einen Manager der BeteiligungsgesellschaftBlackstone. Muilenburg blieb da noch Vorstandsvorsitzender. Als er am 30. Oktober vor einem Ausschuss des US-Kongresses aussagen musste, verstrickte er sich in Lügen und Ausreden. Am 16. Dezember 2019 gab das Luftfahrtunternehmen bekannt, die Produktion der Max 737 ab Januar 2020 vorübergehend einzustellen. Am 23. Dezember 2019 war dann der Druck auf Muilenberg so hoch, dass er freiwillig sein Amt als CEO mit sofortiger Wirkung aufgebe. Ihm folgte David L. Calhoun als neuer Konzernchef nach.

Unter Calhouns Leitung wurden all‘ die schlimmen Fehler seines Vorgängers aufgearbeitet. U.a. musste der Flugzeughersteller Milliarden Dollar an Ausfallentschädigungen an die Airlines/Betreiber der stillgelegten Maschinen bezahlen, was ihn in tiefrote Sphären brachte. Im Mai 2020 dann durften wieder B 737 Max produziert werden, wenn auch auf Halde. Der Kauf von mehr als 400 Maschinen dieses Typs war zuvor von namhaften Fluggesellschaften storniert worden.

American Airlines ist aber nicht die erste Fluggesellschaft, die den Typ wieder einsetzt. Kurz nachdem die USA die Zulassung bekannt gegeben hatten, zogen Brasilien und Mexiko nach. Die brasilianische Airline Gol und Aeromexico führten schon rund 250 Flüge mit der MAX durch.
Indes ist unter den Fluggästen, insbesondere auch Geschäftsreisenden, die Skepsis groß. Knapp 40 % hatten laut einer Umfrage von Reuters/Ipsos in den USA die tödlichen Unfälle noch im Kopf. 57 % sagten, dass sie nicht mehr mit diesem Maschinentyp fliegen möchten. Nur 7 % wären bereit, in eine 737 MAX zu steigen, wenn sich die Jets mindestens ein halbes Jahr in der Luft bewährt hätten, so der Nachrichtendienst weiter.

Auch in Europa wird die Neuzulassung der 737 MAX s in Bälde erwartet. In der „Alten Welt“ (Europa) ist die europäische Aufsichtsbehörde EASA für die Überprüfung der Wiederzulassung des Modells zuständig. Eine Entscheidung ist für den Januar 2021 angekündigt. Quelle: American Airlines / Boeing / DMM