Škoda komplettiert SUV-Linie mit dem kleinen Kamiq

Škoda ergänzt seine erfolgreiche SUV-Palette auf dem europäischen Markt um ein drittes Modell und besetzt mit dem Kamiq erstmals das stark wachsende Segment der City-SUV. Der Neuling rundet die SUV-Familie des ungemein erfolgreichen tschechischen Autobauers nach unten ab. Technisch ist der Fronttriebler nahezu identisch mit den Modellen der Konzerngeschwister T-Cross und Arona. Wir haben den Kamiq im Elsaß gefahren.

Der Kamiq wird sicher auch bei Firmenkunden ein Zuhause finden. Fotos: G. Zielonka

Der Kamiq wird sicher auch bei Firmenkunden ein Zuhause finden. Fotos: G. Zielonka

Echt geglücktes Design des neuen Kamiq.

Echt geglücktes Design des neuen Kamiq.

Mehr als jedes dritte ausgelieferte Fahrzeug weltweit ist derzeit ein SUV. Das boomende Segment der City-SUV legte sogar um 13 % zu, bisher ohne Škoda. Dass sich die Tschecken mit dem Kamiq viel Zeit gelassen haben, hat sicher mit der Konzernpolitik zu tun. Herausgekommen ist ein sehr schön anzuschauendes und vergleichsweise preisgünstiges City-SUV im markentypischen Design und einem großzügigen Raumangebot. Letzteres ist bei nahezu allen Modellen der VW-Tochter ein ganz starkes Argument. Der Kamiq ist in wenigen Wochen zu haben. Voraussichtlich nur noch etwa 20 % soll die Dieselmotorisierung ausmachen. Meist nachgefragtes Modell soll der 1,5 l Benziner werden. Auch wenn Unternehmenskommunikationschef Christoph Birringer denkt, dass der gewerbliche Anteil bei nur etwa einem Fünftel liegen wird, so glauben wir an einen stärkeren Erfolg in der Geschäftswelt. Denn der Kamiq bietet alles, was man von einem effizienten und in diesem Fall kostengünstigen Geschäftswagen erwartet.

Was wir besonders attraktiv empfinden: mit dem Automobil ist man stets online, der integrierten SIM-Karte sei dank. Das hat auch noch den Vorteil, dass man für ein Update des Navigationssystem nicht in die Vertragswerkstatt fahren muss, denn der Download der neuesten Straßen- und sonstigen Daten erfolgt over-the-Air. Und für Apple CarPlay muss man das Smartphone nicht per Kabel verbinden. Apropos Anschluss: Der Kamiq hat keine USB-3-Anschlüsse mehr, sondern die neuen USB-C. Also braucht es für I-Phones bis Typ 8 noch einen Adapter. Und noch etwas bringt der Kamiq von Haus aus mit: den Sprachassistenten Laura. Damit soll man sich unterhalten und Anweisungen geben können.
Der Name Kamiq kommt aus der Sprache der im Norden Kanadas und Grönland lebenden Inuit und steht für etwas, das in jeder Situation perfekt passt – wie eine zweite Haut. Zudem beginnt auch diese Modellbezeichnung mit einem K und endet mit einem Q. „Damit führt der Neuling die einheitliche Nomenklatur der Škoda SUV-Modelle fort“, sagt Alain Favey, Vorstand für Vertrieb und Marketing,

Der Kamiq weist dieselbe SUV-Designsprache der beiden größeren Brüder Kodiaq und Karoq auf. Als erster Škoda verfügt er über geteilte LED-Frontscheinwerfer mit obenliegendem Tagfahrlicht sowie in der Voll-LED-Ausführung über dynamische Blinker vorne und hinten. Ansonsten setzt er optisch einige eigenständige Akzente. Die Heckklappe trägt wie alle neuen Modelle des Autoherstellers den Škoda-Schriftzug in Einzelbuchstaben anstelle des Firmenlogos. Mit 4.241 mm Länge ist der Wagen deutlich kompakter als seine beiden größeren Brüder. Neben einer erhöhten Sitzposition bietet er zudem mehr Bodenfreiheit als ein Kompaktmodell, viel Platz, ein hohes Maß an Funktionalität und hervorragende Konnektivität. Er ist ausschließlich mit Frontantrieb erhältlich. Er ist effizient und bietet ein hervorragendes Preis-/Leistungs-Verhältnis.

Interieur. Auffallend ist das neue Innenraumkonzept. Die höhere Sitzposition und großzügige Platzverhältnisse sorgen beim City-SUV für einen bequemen Ein- und Ausstieg, gute Übersicht und eine hohe Ergonomie. Ob vorne oder hinten, auch große Erwachsene haben genügend Platz und Kopffreiheit. Im Fond nämlich setzt der Kamiq mit 1.003 mm Kopffreiheit und 73 mm Kniefreiheit Bestmarken im Segment. Der Kofferraum fasst 400 Liter und wächst beim Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank (60:40) mit optionaler Mittelarmlehne auf 1.395 Liter. Die auf Wunsch umklappbare Beifahrersitzlehne ermöglicht den Transport besonders sperriger Gegenstände von bis zu 2.447 mm Länge. Clevere Ablagen im Innenraum bieten zusätzliche 26 Liter Stauraum.

Für angenehme Atmosphäre sorgen weiche Materialien an Instrumententafel und vorderen Türverkleidungen sowie neue Sitzdesigns und -bezüge – auch aus der edlen Mikrofaser Suedia. Auf Wunsch lässt sich das Auto mit Ambientebeleuchtung, Dekorleisten, Kontrastnähten und dem Dynamik-Paket sowie, das wollen wir nicht vergessen, dem 10,25 Zoll großen Virtual Cockpit – Tipp von uns –, Climatronic, elektrisch einstellbarem Fahrersitz, beheizbarer Frontscheibe und Lenkrad weiter individualisieren. Das Sendesignal des schlüssellosen Zugangssystems KESSY schaltet sich nach 15 Minuten ohne Bewegung automatisch ab und steigert damit die Sicherheit.

Motoren und Fahrwerk. Drei TSI-Benziner mit 1,0 oder 1,5 Litern Hubraum und ein 1,6-Liter-TDI leisten 70 bis 110 kW (95 bis 150 PS). Und wer’s mag: Den Kamiq kann man auch als 1,0 G-TEC (66 kW / 90 PS) für den Betrieb mit kostengünstigerem und umweltfreundlichem Erdgas (CNG) erwerben. Ob der Diesel noch viel Sinn macht, lassen wir mal so stehen. Geschaltet wird beim kleinsten Dreizylindern per manuellem 5-Gang-Schaltgetriebe, beim größeren und beim 1,5 l-Triebwerk mit 6-Gang-Schaltgetriebe oder über ein 7-Gang-Direktschaltgetriebe (DSG). Alle Motoren erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Die beiden Benziner haben wir im Schnitt mit knapp über 7 l/100 km bewegt, der TDI ist geringfügig besser, kostet aber bei Versicherung und Steuern eine ganze Ecke mehr.

Der Kamiq verfügt über ein neu entwickeltes Fahrwerk, die Bodenfreiheit liegt 39 mm über der des Scala. Optional ist für den KAMIQ das Sport Chassis Control verfügbar – ein um 10 mm  tiefergelegtes, sportlich konfiguriertes Fahrwerk. Über die Fahrprofilauswahl Driving Mode Select lässt sich zwischen den Modi Normal und Sport umschalten. Aber wann braucht man das schon? Fahrtechnisch ist der Kamiq einwandfrei. Die Lenkung ist sehr direkt, das Fahrverhalten auch in schnell gefahrenen Kurven ohne jeden Tadel. Auch der Federungskomfort lässt so gut wie keine Wünsche offen.

Infotainment und Konnektivität. Die Systeme Swing, Bolero und Amundsen stammen aus der dritten Generation des Modularen Infotainment Baukastens des Volkswagen Konzerns und bieten Bildschirmdiagonalen von 6,5 bis 9,2 Zoll sowie optional ein Škoda-Soundsystem mit zehn Lautsprechern. Der Kamiq ist dank integrierter LTE-eSIM immer online. Das ermöglicht, wie schon erwähnt, z.B. die stetige unmerkliche Optimierung der Navigation. Die eSIM ermöglicht neben dem eCall auch den Zugriff auf die mobilen Online-Dienste von Škoda Connect. Dazu zählen Care Connect mit Fahrzeugfernzugriff sowie der Proaktive Service und Infotainment Online. Infotainment-Apps lassen sich vom Fahrzeug aus über einen Shop downloaden. Verfügbar sind zudem SmartLink-Technologie zur Einbindung von Geräten über Apple CarPlay, Android Auto oder MirrorLink – auf Wunsch auch kabellos als Wireless SmartLink – ein WLAN-Hotspot, bis zu jeweils zwei USB-C-Anschlüsse vorne und hinten sowie eine Phone Box, die das induktive Laden von Smartphones ermöglicht.

Nur eine Simply Clever-Idee ist nicht gut. Zahlreiche Simply Clever-Ideenfinden sich natürlich auch im Kamiq, teils leider nur gegen Aufpreis. Einmalig in der Fahrzeugklasse des City-SUV ist der optionale automatisch ausklappende Türkantenschutz, außerdem sind auch eine elektrische Heckklappe inklusive Tip-To-Close-Funktion und eine schwenkbare Anhängerkupplung mit elektrischer Entriegelung erhältlich. Ab der Ausstattungslinie Ambition findet sich im Kofferraum eine herausnehmbare LED-Taschenlampe. Simply Clever sind der integrierte Trichter im Verschlussdeckel des Scheibenwaschbehälters, der Eiskratzer im Tankdeckel mit einer Profiltiefenskala für Kontrollmessungen und das Regenschirmfach in der Fahrertür (mit Regenschirm). Weniger lustig ist dagegen, dass die Seitenschieber der Lüfterdüsen äußerst unpraktisch funktionieren. Die Düsen fächeln weder Fahrer noch Beifahrer frische Luft zu. Die strömt allenfalls gegen die Seitenscheiben. Quelle: Škoda / DMM