Steigende Corona-Fallzahlen - DRV fordert Reiseerleichterungen

Das Coronavirus schreitet weltweit unaufhaltsam voran. Binnen der letzten knapp vier Tage verzeichnete die amerikanische Johns Hopkins University einen Anstieg der Fallzahlen um mehr als eine Million auf jetzt 16.046.986. Insbesondere in Brasilien, Indien und den USA steigt die Zahl der positiven Tests rasant. Auch in Deutschland gibt es einen deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen. Vor allem Urlaubsreisen ins Ausland werden als Risiko für eine zweite Infektionswelle gesehen.

Die Zahl der Neuinfektionen bleibt weiter auf dem hohen Niveau der vergangenen Tage. 601 neue Coronafälle wurden am Samstag, 25.07.2020, gemeldet. Die Zahl der Todesfälle stieg um vier Personen auf  9090. Aktuell vom RKI gemeldete Reproduktionszahl (R-Wert): 1,24 (Stand 25.07.20). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. In vielen Bundesländern ist zuletzt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ein deutlicher Anstieg der gemeldeten Coronavirus-Fälle zu beobachten. Einen Trend, den auch Virologe Alexander Kekulé mit Sorge verfolgt. Viele Neu-Infektionen hätten mit privaten Feiern oder rücksichtslosem Freizeitverhalten zu tun. Die Corona-Epidemie breitet sich vor allem in NRW und Baden-Württemberg stärker aus. 

Der schlechten Entwicklung ungeachtet fordert die deutsche Tourismusindustrie in der Coronavirus-Krise klare Perspektiven für Reisen in Länder außerhalb Europas. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum pauschal vor Reisen in 160 Länder außerhalb von Europa gewarnt wird“, sagte der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig.
Seit etwas mehr als vier Wochen ist die Reisewarnung zwar für Europa aufgehoben, sie gilt aber weiterhin für 160 Länder. „Auch wenn der Reiseverkehr in Europa wieder langsam anläuft, es ist immer noch keine Besserung der wirtschaftlichen Situation in Sicht“, macht Susanne S. Schick, Vizepräsidentin der assoziierten Mitglieder im Deutschen Reiseverband (DRV), auf die Lage der Unternehmen und Dienstleister, die weder Reisemittler noch Veranstalter sind, aufmerksam. „Die Mehrheit der assoziierten Mitglieder hat weiterhin mit Umsatzrückgängen von über 70 % zu kämpfen, nicht wenige klagen über einen dramatischen Einbruch von bis zu 95 %, fasst Schick ein Stimmungsbild zusammen, dass sie unter über 500 Unternehmen eingeholt hat.

Es ist die größte Krise der Reisewirtschaft, die durch die Folgen der Covid19-Pandemie ausgelöst worden ist. Es trifft die gesamte Reisewirtschaft – neben Reisebüros, Reiseveranstaltern und Kreuzfahrtgesellschaften eben auch Mietwagenanbieter, Buchungssystemanbieter, Reiseversicherungen, Flughäfen und alle anderen an der Reisekette beteiligten Unternehmen und touristischen Dienstleister wie IT-Anbieter, Tourismusorganisationen, Hotels und Fremdenverkehrsämter. Sie alle leben überwiegend vom weltweiten Tourismus und leiden weiterhin unter der seit dem 17. März geltenden Reisewarnung.

Vom Deutschlandtourismus profitieren die wenigsten, da 70 % aller über 71 Mio. Reisen der Deutschen ins Ausland führen. „Bislang gibt es auch keine konkrete Perspektive und Planungssicherheit, wann es mit dem Geschäft gerade für die Fernziele wieder losgehen kann“, weiß die Vizepräsidentin aus Gesprächen zu berichten. Mit einer wirtschaftlichen Erholung rechnet demnach so schnell kaum jemand. Eher werden Auswirkungen durch Insolvenzen von Kunden befürchtet.

„Auch die Hilfen der Bundesregierung, etwa aus dem Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket, sind für die meisten nicht ausreichend“, schildert Schick die schwierige Lage. So sehen sie die Anhebung und Verlängerung des steuerlichen Verlustrücktrages eher als ungenügend, genauso wie die Überbrückungshilfen zur Abfederung des Umsatzausfalls, da diese nur bis August greifen und damit die Laufzeit zu gering ist. „Und es ist mehr als fraglich, dass von August an das Geschäft mit den weltweiten Reisen wieder ans Laufen kommt. Die Dauer der Überbrückungshilfen reicht also bei Weitem nicht aus, um das Überleben vieler Unternehmen der Reisewirtschaft zu sichern“, so Schick. Als immerhin sehr hilfreich sehen die Dienstleister an, dass die vereinfachten Regeln zu Kurzarbeitergeld über den 31. Dezember 2020 Bestand haben sollen, denn fast überall habe man Kurzarbeit einführen müssen.

Dass sich die Krise eher verschlimmern könnte, ist nach Meinung von Experten sehr wahrscheinlich. Denn es sieht ganz danach aus, als ob die zweite Corona-Welle nicht aufzuhalten ist. In vielen Ländern, auch in Deutaschland, steigen die Fallzahlen wieder. In der niederbayerischen Gemeinde Mamming ( Landkreis Dingolfing-Landau )z.B. haben sich 174 Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, befinden sich nun insgesamt 480 Menschen in Quarantäne auf dem Gelände und werden dabei von einem Sicherheitsdienst überwacht. Nach Angaben des Landkreises wurden noch am gleichen Tag alle 450 Personen des Betriebes getestet. Am Samstagabend dann das Ergebnis: Weitere 167 Tests seien positiv gewesen.

Die Zahl der Corona-Infektionen in mehreren Tourismusbetrieben in St. Wolfgang in Oberösterreich ist auf mindestens 44 gestiegen. Ob sie sich in ihren Unterkünften oder beim Ausgehen angesteckt haben, sei unklar. Zwei Bars seien geschlossen worden. Bis zum späten Abend seien bereits über 600 Personen getestet worden, sowohl Angestellte als auch Urlaubsgäste. Bisher seien 258 Tests ausgewertet worden, die weiteren Ergebnisse wurden Sonntag erwartet. Zwei Bars wurden bereits am Freitag geschlossen. Zudem ordneten die Behörden am Samstagabend für die örtliche Gastronomie eine Sperrstunde ab 23 Uhr an.

Die britische Regierung hat wegen steigender Corona-Zahlen in Spanien mit sofortiger Wirkung eine Zwei-Wochen-Quarantäne für alle Reisenden aus Spanien angeordnet. Das Außenministerium empfahl zudem, auf alle unvermeidbaren Reisen auf das spanische Festland zu verzichten. Bereits am Freitag hatte Norwegen eine zehntägige Quarantäne für Rückkehrer aus Spanien angeordnet.

Auch in Frankreich steigen die Fallzahlen weiter an. Die Regierung will angesichts steigender Corona-Infektionen kostenlose Tests bereitstellen. Diese sollen zudem rezeptfrei erhältlich sein, wie die Regierung mitteilte. "Es ist klar, dass wir seit einigen Tagen einen spürbaren Anstieg der Zahl der bestätigten Fälle beobachten", sagte Gesundheitsminister Olivier Veran der Zeitung "Le Parisien" (Sonntagsausgabe). Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt den zweiten Tag in Folge um mehr als 1.000. Quellen: RKI / DRV / Le Parisien / BBC / DMM