Stein- und Schlammwüsten statt Flusskreuzfahrten

Der Klimawandel bedroht jetzt auch die Fahrgastschifffahrt, die nicht selten genug von Firmen für Incentivereisen oder auch Meeting-Veranstaltungen gebucht werden. Die Kunden erleben neuerdings eben nicht mehr historische Städte oder faszinierende Landschaften luxuriös von ihrem schwimmenden Hotel aus. Denn Donau, Elbe und Rhein führen infolge der monatelangen Trockenheit nicht mehr genügend Wasser.

Deutschlands großen Flüssen geht das Wasser aus mit bösen Folgen für die Wirtschaft. Foto: worldwidewave

Deutschlands großen Flüssen geht das Wasser aus mit bösen Folgen für die Wirtschaft. Foto: worldwidewave

Die Pegelstände an Deutschlands Flüssen sind so niedrig wie selten zuvor, besagen die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (https://www.wsv.de). Die lange Dauer des Wassermangels verschärft die Lage der Flusskreuzfahrten und Frachtschifffahrt. Immer mehr Reedereien geraten in Schwierigkeiten. Niedrigwasser beschert aber nicht nur Reedereien, sondern auch Fremdenverkehrsagenturen und Stadtführern viele Probleme.

Gerade auf dem Rhein ist die Situation momentan akut, besagt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Je nach Tiefgang der Schiffe kann es in Kürze zu Umroutungen und Routenänderungen kommen. Am Mannheimer Hafen z.B. müssen Passagiere mit Ziel Basel die Flusskreuzfahrtschiffe verlassen, weil die Schiffe nicht weiter Rhein aufwärts fahren können. Die Gäste werden dann per Bus nach Süden gebracht. Abgesagt worden ist aber noch keine Flusskreuzfahrt. Trotzdem werden die Pegelstände auf bestimmten Flussabschnitten wie etwa im Mittelrheintal aufmerksam beobachtet, denn dort kann es am schnellsten zu Niedrigwasser kommen, das eine Fahrplanänderung nötig macht.

Auch die Gäste, die Kreuzfahrtenn auf der Donau gebucht haben, können zurzeit von einer unbeschwerten Schiffsreise nur träumen. Schuld ist das Niedrigwasser zwischen Vilshofen und Straubing. Aktueller Tiefpunkt am Dienstagnachmittag: Die Fahrrinne bei Pfelling hat nur mehr 1,58 Meter Tiefe, zitiert die Passauer Neue Presse (PNP) Karl-Hermann Stöcklein von der Wasserstraßenaufsicht des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Regensburg. Die Reedereien behelfen sich momentan mit einem Schiffstausch. Schiffe, die eigentlich laut Plan von Budapest nach Amsterdam unterwegs sein sollten, stranden in Engelhartszell, Passau oder Vilshofen. Von hier werden die Gäste mit Bussen nach Straubing oder Regensburg gebracht. Dort steigen sie auf ein Schwesterschiff der Reederei um und setzen ihre Reise fort. Genauso funktioniert es in umgekehrter Richtung. Der Niedrigwasser-Informationsdienst des Landesamtes für Umwelt verweist auf bayernweit sehr niedrige Wasserstände. Das gilt nicht nur für die Flüsse, sondern auch für das Grundwasser. Etwa 70 %  der oberflächennahen Grundwassermessstellen zeigten niedrige oder sehr niedrige Stände auf.

Wer bei einer Flug- oder Bahnreise Verzögerungen in Kauf nehmen muss, hat Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung. Die Grundlage dafür sind europaweit geltende Fahrgastrechte. Seit 18. Dezember 2012 gibt es auch die "EU-Verordnung über die Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr". Sie gibt vor, welche Ansprüche Passagiere haben, wenn das Schiff zu spät ablegt oder die Fahrt annulliert wird. "Die Schifffahrt-Gäste haben Mängelansprüche", zitieren diversen Medien Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Diese Ansprüche bestehen, obwohl der Anbieter nichts für die aktuelle Dürre und niedrige Pegelstände kann. Konkret lässt sich der Reisepreis anteilig mindern, wenn bestimmte Stopps unterwegs und Ausflüge ersatzlos gestrichen werden müssen. In manchen Fällen ist sogar noch mehr möglich.

Sollte das warme Hochdruckwetter anhalten und keine entscheidenden Niederschläge fallen, werden die Wasserstände weiter fallen, und danach sieht es genau so aus, wie der Deutsche Wetterdienst (www.dwd.de) für die nächsten Tage prognostiziert. Ein ausgedehntes Hoch mit Schwerpunkt über Osteuropa bleibt für Deutschland wetterbestimmend. Dabei kühlt sich die warme Luftmasse subtropischen Ursprungs nur langsam ab. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsämter / pnp.de / Deutscher Wetterdienst / DMM