Streit um Abwerbeversuche

DB Regio NRW reagiert empört und mit Unverständnis auf den Vorstoß des Wettbewerbers National Express, Lokführer auf „unangemessene Weise abzuwerben“ und dadurch reibungslose Verkehre im Sinne der Fahrgäste zu gefährden. In einem Flugblatt, das der DB vorliegt, werden Triebfahrzeugführer des britischen Unternehmens aufgefordert, Regio-Kolleginnen und -Kollegen während gemeinsamer Streckenkundefahrten auf der RE 5 gezielt auf einen möglichen Wechsel anzusprechen.

DB Regio bietet diese Fahrten an, um die Triebfahrzeugführer der Konkurrenz auf die Übernahme der Verkehre durch National Express im Juni vorzubereiten.

„Das ist schon ein starkes Stück, dass ein Wettbewerber auf diese Weise auf unsere von der DB ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugeht und damit auch unsere pflichtgemäße Erfüllung des Verkehrsvertrages bis Juni erschwert“, sagte der Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio NRW, Andree Bach. „Diese Vorgehensweise konterkariert jegliche Vereinbarungen, zu denen wir uns als Branche in NRW zum Thema Triebfahrzeugführer verabredet haben.“ DB Regio NRW fordert National Express auf, frühzeitig und konsequent in Ausbildung zu investieren, anstatt Mitarbeiter abzuwerben.

In dem Flugblatt gibt National Express seinen Mitarbeiten gezielt Ratschläge, wie Triebfahrzeugführer von DB Regio angesprochen werden sollen, etwa in dem versucht werden solle „eine persönliche Bindung … aufzubauen“. Gleichzeitig wird gewarnt: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass wir nur mitfahren, um Leute abzuwerben.“

Mit der „Agenda Bahnen NRW“ haben sich im Oktober 2017 sieben Eisenbahnverkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen verpflichtet, trotz des Wettbewerbs auf der Schiene zusammenzuarbeiten, um für die Fahrgäste bestmögliche Lösungen im Nahverkehr zu erarbeiten. In der Agenda, die auch DB Regio und National Express unterzeichneten, heißt es unter anderem: „Mit der Unterzeichnung einer freiwilligen Selbstverpflichtung bekennen sich die Unternehmen zu einem fairen Miteinander und zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit für einen funktionierenden Nahverkehr in der Region.“

„Dazu gehört auch die gegenseitige Unterstützung bei einem Betreiberwechsel“, fügt Andree Bach hinzu, „wenn einem der Wettbewerber aber derart vor das Schienbein tritt, müssen wir kritisch überdenken, wie die Unterstützung beim anstehenden Betreiberwechsel RE5 aussehen wird.“

Dass die Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbern im Sinne der Kunden erfolgreich sein kann, hat der Betreiberwechsel auf der RE11 gezeigt. Das Unternehmen Abellio hat nach enger Abstimmung mit DB Regio die Strecke im Dezember 2018 übernommen.
Insgesamt arbeiten über 18.000 Lokführer bei der Deutschen Bahn, 2.500 davon in NRW. Bei DB Regio NRW sind mehr als 1.600 Lokführer beschäftigt. Die Deutsche Bahn ist der größte Arbeitgeber und Ausbilder von Lokführern.
Auch 2019 bildet DB Regio NRW wieder auf hohem Niveau und über Bedarf aus. Zum einen setzt DB Regio NRW auf die zehnmonatige Funktionsausbildung zum Lokführer. Diese Funktionsausbildung finanziert DB Regio im Alleingang. Die künftigen Lokführer erhalten vom ersten Tag der Qualifizierung ein Ausbildungsgehalt. Hier haben Quereinsteiger die Möglichkeit, sich zum Triebfahrzeugführer ausbilden zu lassen. Aufgrund der guten Erfahrungen und der hohen Abschlussquote verzichtet DB Regio NRW weitgehend auf durch das Arbeitsamt finanzierte Ausbildungsgänge.

Die Antwort von National Express: Im Sinne des Betreiberwechsels hält das deutsche Unternehmen National Express Rail GmbH es für legitim, die Kolleginnen und Kollegen, die heute bereits auf der Linie RE 5 im Einsatz sind, für einen Unternehmenswechsel zu interessieren. Dies ist in gleichem Maße im Interesse der betreffenden TriebfahrzeugführerInnen, da sie viele weitere Jahre auf ihrer Linie weiterfahren können. Außerdem wird so verhindert, dass die KollegInnen aus dem Nahverkehr zu Unternehmen im Fern- bzw. Güterverkehr abwandern, die aktuell Abwerbe- und Starterprämien in Höhe von bis zu 5.000 Euro zahlen. Quelle: Deutsche Bahn / National Express / DMM