Stures Lufthansa-Check-in Personal in Helsinki

Eine deutsche Violinsolistin und Professorin an der HMT „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig berichtet, dass ihr die Tränen über die Wangen liefen, als ihr die Check-in-Mitarbeiter der Lufthansa am Flughafen Helsinki Vantaa ein Ultimatum stellten: Entweder sie gibt ihre 243 Jahre alte Geige im Frachtraum auf oder sie reist mit ihrer Violine und nicht geschützt verstaut ohne Koffer in der Kabine.

Ein für sie schreckliches Erlebnis hatte die Violinistin und Vielfliegerin mit Senatoren-Status beim Check-in für einen Lufthansa-Flug von Helsinki nach Frankfurt. Foto: Carolin Widmann/Instagram / DMM

Die Musikerin traf am vergangenen Donnerstag 27. November 2025 auf unnachgiebige Check-in-Mitarbeiter am Flughafen Helsinki Vantaa. Ihr wurde die Mitnahme ihres Geigenkoffers in die Kabine der Lufthansa-Maschine verweigert.

Die Solistin war nach einem, wie sie es nannte, „atemberaubenden“ Konzert mit der Tapiola Sinfonietta in Espoo (Finnland) bester Laune gewesen. Doch ihre Erfahrung mit den externen Check-in-Mitarbeitern der Lufthansa am Airport der finnischen Hauptstadt trübte ihre Stimmung merklich. Carolin erzählt, dass sie jährlich zu rund 60 internationalen Konzerten reist und dabei jedes Mal ihre Giovanni Battista Guadagnini-Geige von 1782 als Handgepäck mit in die Kabine nehmen durfte.

Diesmal jedoch teilte die Check-in-Mitarbeiterin der Violinistin mit, dass das Instrument die zulässigen Maße für Handgepäck überschritt. Carolin wurden drei Optionen angeboten: 

  • Koffer und Geige im Frachtraum aufgeben und riskieren, dass sie irreparabel beschädigt werden. 
  • Einen zusätzlichen Sitzplatz für die Geige buchen. 
  • oder die Geige aus dem Koffer nehmen und das wertvolle Instrument auf ihren Schoß zu legen. 

Verständlicherweise war Carolin schockiert und absolut nicht darauf vorbereitet, das Instrument im Frachtraum aufzugeben. Die Musikerin versuchte daher, einen zusätzlichen Sitzplatz für den Flug von Helsinki nach Frankfurt zu buchen. Der Anschlussflug von Frankfurt nach Leipzig war jedoch ausgebucht, und es konnten keine freien Plätze mehr reserviert werden. Ihre Überlegung war, dass sie in Frankfurt keine Probleme haben würde, ihr Instrument auf dem Anschlussflug mit in die Kabine zu nehmen, und sie daher nur den zusätzlichen Sitzplatz für den ersten Teil ihrer Reise buchen müsste. Das Buchungssystem der Lufthansa ließ dies jedoch nicht zu, und sie erhielt ein Ultimatum. Die Geschäftsreisende war auf diese Weise gezwungen, das Undenkbare zu tun – ohne Geigenkasten zu reisen.

In einem langen Instagram-Post berichtet Carolin, dass sie angesichts der Sturheit des Check-in-Personals „gezwungen war, das Undenkbare zu tun“: den leeren Geigenkasten im Frachtraum aufzugeben und mit der „nackten“ Geige in der Kabine zu reisen. Carolin schrieb: „Mir liefen die Tränen über die Wangen, weil ich mein Instrument so sehr beschützen wollte und so schockiert war über das völlig sture und unsinnige Beharren auf ‚Regeln‘, die scheinbar nur am Flughafen Helsinki brutal durchgesetzt werden. Ich nahm meine kostbare und geliebte Geige aus dem Kasten, wickelte sie in meinen Pullover, trug sie durch die Sicherheitskontrolle und bestieg das Flugzeug.“

Die Lufthansa Kabinenbesatzung an Bord zeigten Verständnis für Carolins Situation. Die Crew an Bord des Flugzeugs nach Frankfurt war überaus hilfsbereit und tat alles, um Carolin zu unterstützen, da sie die  schwierige Lage der Passagierin verstand. „Wir halten uns gerne an die Regeln“, sagt Carolin. „Aber diese Regeln müssen dringend aktualisiert, angepasst und weltweit angewendet werden – damit wir mit unseren wertvollen Instrumenten für unseren Beruf reisen können, ohne Angst vor Belästigungen oder der Verweigerung des Boardings haben zu müssen.“

Wie lauten die offiziellen Bestimmungen der Lufthansa für Musikinstrumente? Carolin fliegt so oft mit der Lufthansa, dass sie als Vielfliegerin den „Senator“-Status genießt. Dieser Status half ihr jedoch nicht bei den Handgepäckbestimmungen der Lufthansa in Helsinki. Laut Lufthansa dürfen Passagiere Musikinstrumente kostenlos als Hauptgepäckstück mit in die Kabine nehmen, solange die Maße des Instruments und des Koffers 55 x 40 x 23 cm und/oder das Gewicht 8 kg nicht überschreiten. Überschreitet das Instrument diese Maße, muss der Passagier gleichzeitig mit seinem Sitzplatz einen zusätzlichen Sitzplatz buchen. Eine ziemlich kostspielige Angelegenheit. Das Instrument wird dann auf dem Boden vor dem Sitz platziert oder auf dem freien Sitzplatz befestigt. Carolins Koffer hatte die Maße 80 x 27 x 16 cm. Sie weist zwar völlig zu Recht darauf hin, dass das Gesamtvolumen deutlich kleiner als die Standardmaße für Handgepäck bei der Lufthansa wäre, berücksichtigt dabei aber nicht, warum die Lufthansa diese Vorgaben festgelegt hat. 

Fluggesellschaften versuchen, so viele Koffer wie möglich in die Gepäckfächer zu quetschen. Dafür müssen die Koffer Standardmaßen entsprechen, um den verfügbaren Platz optimal zu nutzen. Da Carolins Koffer länger als ein Standardkoffer ist, müsste er quer im Gepäckfach verstaut werden und würde den Platz von zwei Standardkoffern beanspruchen. 

Wie hätten das Check-in-Personal das Problem besser lösen können? Obwohl die Auslegung der Regeln formal korrekt war, hätte etwas mehr Einfühlungsvermögen in dieser Situation viel bewirkt. Eine häufig angewandte Lösung ist, die Passagierin zumindest mit dem Koffer durch den Flughafen zum Abfluggate gehen zu lassen und den Instrumentenkoffer gegebenenfalls kurz vor dem Boarding am Gate einzuchecken. Meist klappt das auch in Absprache des Gate-Personals mit seinem Kabinenpersonal. Quelle: Instagram / DMM