Swiss führt Premium Economy ein

Die Lufthansa-Tochter Swiss kündigte zwei Neuerungen an: Erstmals wird es eine Premium-Economy-Klasse auf der Langstrecke geben und die Flugbuchung soll auch per Sprachbefehl möglich sein. Firmenkunden werden die neue Zwischenklasse begrüßen, wie das schon bei Lufthansa und AUA der Fall war.

Swiss führt auf Langstrecken die Premium Economy ein. Foto: Swiss

Swiss führt auf Langstrecken die Premium Economy ein. Foto: Swiss

Auf der Jahresmedienkonferenz gab das Management der Swiss bekannt, ab Frühjahr 2021 die Langstreckenflotte auf den Boeings 777-300ER mit einer Premium-Economy-Klasse auszustatten. Die Sitzabstände sollen in dieser Zwischenklasse um 20 % vergrößert werden, pro Reihe werden die Langstrecken-Jets mit acht Sitzen aufwarten. Insgesamt werden in die Großraumjets jeweils 24 Sitze der Zwischenklasse installiert. Die Umrüstung soll ca. 40 Mio. Schweizer Franken kosten. Mittelfristig ist geplant, die neue Zwischenklasse in der ganzen Langstrecken-Flotte einzubauen.

Zum Sinneswandel, nun doch eine Premium Economy Class einzuführen, sagte CEO Thomas Klühr: «Wir haben lange damit gerungen. Wir wollten erst sicherstellen, dass es ein Produkt ist, dass die Economy-Passagiere anspricht und nicht Business-Kunden dazu animiert, in die Premium Economy abzuwandern. Der Erfolg bei Lufthansa und Austrian Airlines habe die  Entscheidung begünstigt.

Das Geld für die Premium-Class-Lancierung ist vorhanden. Denn das Swiss-Jahresergebnis fällt positiv aus. Gleich um 7 % auf 5,3 Mrd. CHF steigerte die Swiss ihren Umsatz im vergangenen Jahr. Ausschlaggebend dafür waren zusätzliche Kapazitäten dank größeren Flugzeugen. Gleichzeitig konnte auch die Auslastung gesteigert werden. Die Swiss beförderte 2018 knapp 18 Mio. Fluggäste und stellte damit einen neuen Passagier- und Umsatzrekord auf. Als weitere positive Effekte nennt der Carrier Investitionen ins Premiumangebot wie zum Beispiel Lounges, die starke Konjunktur, erfolgreiche Treibstoffsicherungsgeschäften sowie diverse Einmaleffekten. Unterm Strich verblieben der Swiss 636 Mio. CHF als Gewinn, 16 % mehr als im Geschäftsjahr 2017. Damit verzeichnet die Swiss das beste Geschäftsergebnis seit ihrer Firmengründung im Jahr 2002.

Swiss-CEO Thomas Klühr : „Zum vierten Mal in Folge haben wir eine EBIT-Marge von über 8 % erzielt, ich bin stolz auf das gesamte Swiss-Team.“ Die Fluggesellschaft hofft, auch in 2019 ein sehr gutes Ergebnis hereinfliegen zu können. Nicht zuletzt sollen dazu die 30 Bombardier C Series. Regionaljets betragen, von denen die letzten im Sommer 2019 erwartet werden. Es handelt sich dabei um sehr moderne und effiziente Maschinen. Gleichzeitig erwartet die Airline erhöhte Ausgaben aufgrund von Vorbereitungsarbeiten für die Einflottung ihrer zwei zusätzlichen B 777-300ER und der Airbus A320neo sowie rückläufigen Gewinnen aus Treibstoffsicherungsgeschäften.

Precise gegen Verspätungschaos. Sorgen bereiten der Swiss aber mögliche Verspätungen und Flugannullierungen, wie sie schon im Sommer 2018 geschehen sind und zu viel Verdruss bei den Kunden geführt haben. Hierzu hat die Swiss nun das Programm „Precise“ lanciert. Es beinhaltet umfassende Maßnahmen und Investitionsvorhaben, um die Zuverlässigkeit des Flugbetriebs zu erhöhen und die negativen Folgen für die Fluggäste zu minimieren. Darunter fallen beispielsweise zusätzliche personelle Ressourcen, mehr Reserveflugzeuge sowie die Verlängerung der Bodenzeiten an den Außenpositionen.

„Fakt ist, dass der Luftraum und die Flughäfen in Europa am Limit sind und mit dem weiterhin steigenden Mobilitätsbedürfnis der Menschen nicht mithalten können. Diese strukturellen Probleme lassen sich durch unsere Initiativen alleine nicht lösen, dafür braucht es auch das Handeln der Politik“, forderte Thomas Klühr.

Auch zum Klimaschutz in der internationalen Luftfahrt und der in der Schweiz immer lauter geforderten Flugticket-Abgabe äußerte sich Thomas Klühr: „Um Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen und die Standortattraktivität der Schweiz zu erhalten, ist in der internationalen Luftfahrt einzig ein global koordinierter Ansatz zielführend. Nationale und europäische Steuern gefährden aufgrund von Wettbewerbsnachteilen vor allem die Wertschöpfung und Arbeitsplätze im eigenen Land.» Aus diesem Grund unterstütze die Swiss das globale Klimaschutzinstrument CORSIA der UN-Organisation ICAO, mit welchem die Luftfahrtbranche ab 2020 CO2-neutrales Wachstum anstrebt und zwischen 2021 und 2035 über 2,6 Mrd. Tonnen CO2 kompensiert.

Tatsache ist freilich auch, dass die Kompensation reine Augenwischerei ist, so Luftfahrtexperten. Denn mit der Zunahme des Flugverkehrs werden trotz modernerer Triebwerke immer mehr Schadstoffe in den Himmel geblasen, die maßgeblich zu den sich verstärkenden Klimakatastrophen beitragen.

Buchung über "Voice". Zur Swiss als Premium-Airline äußerte sich der neue Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour: In den nächsten Wochen wird die Swiss einen Voice Assistenten mit Google einführen. So können Kunden künftig per Sprachbefehl einchecken. Aber auch das Kundenfeedback soll künftig über Voice erfolgen können. Angedacht ist sogar die Option Schweizerdeutsch. Dabei verwies der Deutsch-Iraner, der den CCO-Job von Markus Binkert übernommen hat, auf eine noch stärkere Personalisierung der Angebote und darauf, die Funktionalitäten künftig noch mehr zu vereinfachen. Zur aktuellen Buchungslage sagte Goudarzi Pour: „USA, China und Japan laufen sehr gut. Südamerika, Afrika und Middle East sind derzeit eher zurückhaltend. In Europa läuft es auch gut, hier ist aber eine enorme Preisaggressivität spürbar.“ Quelle: Swiss / DMM