TEE-System soll wieder aufleben

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will das Trans Europ Express-System, eine Zuggattung im internationalen Schienenpersonenfernverkehr, die von 1957 bis 1987 zwischen den Staaten der damaligen EWG, Österreich und der Schweiz verkehrte, wieder aufleben lassen. Es soll, wie schon vor über sechs Jahrzehnten, die großen Ballungszentren in Europa miteinander verbinden.

Minister Scheuer will das Vorhaben von schnellen europäischen Langstreckenverbindungen während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf den Weg bringen. Zwar gibt es etliche Fernzugverbindungen über drei EU-Länder hinweg, z.B. einen Eurocity von Italien durch Österreich nach München, Railjets von Ungarn über Wien und München bis Frankfurt, ein neuer Eurocity von Hamburg über Berlin, Prag und Wien nach Graz, Fernzüge von Moskau über Berlin bis Paris, doch sind die meisten Fernzugverbindungen auf nur zwei Länder begrenzt, z.B. von Warschau nach Berlin, von Moskau nach Berlin, von Kopenhagen nach Hamburg, von Frankfurt nach Brüssel bzw. Paris, von Köln/Frankfurt in die Schweiz, von Essen nach Wien usw..

Superlange Fernverbindungen auf der Schiene gibt es nur ganz wenige, die aber mit hochmodernen russischen Zügen von Moskau über Weißrussland, Polen und Deutschland nach Paris, oder von Moskau nach Nizza. Eine Verbindung von Frankfurt nach Barcelona z.B. würde im besten Fall einmaliges Umsteigen bedeuten. 3.1/2 Stunden nach Paris, und von dort mit einem durchgehenden OUI (vormals TGV) nach Barcelona bedeutet knapp 14 Stunden Fahrzeit. Das würden sich aber nur die wenigsten Business Traveller antun, wenn es auch in knapp zwei Stunden möglich ist (mit dem Flugzeug).

1957 startete das TEE-System mit Dieseltriebzügen, zumal viele internationale Strecken noch nicht elektrifiziert und Mehrsystemzüge noch nicht fertig entwickelt waren. Damals ließen die Bahnmagistralen in den 1950er Jahren nur Geschwindigkeiten bis 140 km/h zu. Am 2. Juni 1957 wurde der Zugbetrieb aufgenommen. Da die beteiligten Staaten sich nicht auf einheitliche Züge einigen konnten, setzten die Staatsbahnen von Frankreich (SNCF) ihren RGP1 (SNCF X 2770), Italien (FS) den 442/448, Deutschland (DB) die Triebzüge VT 08.5 und VT 11.5 und die Niederlande (NS) zusammen mit der Schweiz (SBB) die Gemeinschaftsentwicklung SBB RAm TEE / NS DE IV, eigene moderne Dieseltriebzüge, zum Start ein. Die belgische Staatsbahn NMBS/SNCB stellte erst später, die luxemburgische CFL gar keine Fahrzeuge. Gemen war allen TEE-Züge, das sie eine Bordküche mit richtigen Köchen hatten und stets frisch zubereitete Speisen, es gab ein Sekretariat an Bord und teilweise auch Telefon und Bereiche für Pass- und Zollkontrolle während der Fahrt. Die Triebzüge waren einheitlich lackiert in weinrot und beige.

Während in den französischen und italienischen Triebwagen die Fahrgäste mit Mahlzeiten und Getränken am Platz bedient wurden (Am-Platz-Service), führten die schweizerisch-niederländischen und deutschen Züge einen Speisewagen, die deutschen VT 11.5 zusätzlich einen Barwagen mit einem zweiten Speiseraum.

Die fortschreitende Elektrifizierung, die Erhöhung der Geschwindigkeiten und steigende Fahrgastzahlen führten dazu, dass die Züge der Erstausstattung keine lange Einsatzzeit als TEE hatten. 1961 folgte der erste Elektrotriebzug der Baureihe SBB RAe TEE II, der für die vier im Verkehrsbereich gebräuchlichen Stromsysteme geeignet war.
Um die Züge den Fahrgastzahlen besser anpassen zu können, wurden bei der SNCF ab 1963 und bei der DB ab 1965 in neuen TEE-Verbindungen schnelle moderne Elektrolokomotiven und besonders komfortable Erste-Klasse-Wagen eingesetzt. Für die Verbindungen zwischen den Benelux-Staaten, Frankreich und Deutschland verwendeten die SNCF, SNCB und die DB Mehrsystemlokomotiven. Hingegen wurden regelmäßig, unter anderem in Emmerich am Rhein, Basel, Chiasso und auf dem Brenner, die Lokomotiven gewechselt.

1971 wurden fast alle TEE-Züge in Deutschland in das Zwei-Stunden-Taktsystem der damals erstklassigen InterCity-Züge integriert. 1982 wurde der Lufthansa-Airport-Express (LHA) zwischen Flughafen Düsseldorf und Flughafen Frankfurt am Main eingerichtet. Er wurde von der Deutschen Bundesbahn bis Sommer 1987 innerbetrieblich ebenfalls als TEE geführt. Ebenfalls 1987 wurde mit dem EuroCity eine neue europäische Zuggattung für Qualitätszüge mit erster und zweiter Klasse eingeführt.

Am 24. September 1988 verkehrte der letzte TEE zwischen Zürich und Mailand. Quelle: Bundesregierung / DMM