Urlaub an Heilig Abend und Silvester?

Im Gegensatz zu den beiden Weihnachtsfeiertagen am 25. und 26. Dezember sowie zum 01. Januar, dem Neujahrstag, sind weder Heiligabend noch Silvester gesetzliche Feiertage. An diesen beiden Tagen gilt grundsätzlich Arbeitspflicht, wenn sie nicht auf ein Wochenende fallen.

Nur diejenigen Arbeitnehmer, die sich an diesen Tagen Urlaub genommen haben, müssen nicht ins Büro. Für Beschäftigte, die an Heiligabend oder Silvester freihaben möchten, besteht kein Urlaubsanspruch – sie müssen einen Urlaubsantrag stellen. Das gilt für die allermeisten Branchen. Dabei hat der Arbeitgeber nach § 106 Gewerbeordnung (GewO) ein Direktionsrecht, d. h. er entscheidet, wer arbeiten muss und wer nicht. Jedoch muss er auf Angestellte mit Familien und Kindern Rücksicht nehmen. Ihnen ist bei Urlaub an Heiligabend und Silvester der Vortritt vor allen anderen Mitarbeitern zu lassen. 

Genügt ein halber Urlaubstag für den 24.12. bzw. den 31.12.? Gemäß Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sind halbe Urlaubstage gesetzlich nicht vorgesehen. Somit müssen Arbeitnehmer, die an Heiligabend oder an Silvester nicht arbeiten möchten, streng genommen einen ganzen Tag Urlaub bei ihrem Arbeitgeber einreichen. In vielen Firmen genügt es aber, wenn sich Mitarbeiter nur einen halben Urlaubstag nehmen. Dann gilt gleiches Recht für alle: Wenn diejenigen Arbeitnehmer, die an Heiligabend bzw. an Silvester arbeiten, bereits zur Mittagszeit Feierabend machen können, darf auch Beschäftigten, die für den 24.12. bzw. den 31.12. einen Urlaubsantrag gestellt haben, nur ein halber Urlaubstag angerechnet werden.
Für Handwerker kann an Heiligabend noch eine weitere Regelung von Bedeutung sein. Heiligabend ist in manchen Bundesländern ein stiller Tag. An diesem Tag sind Lärmbelästigungen nachmittags und abends verboten und die Arbeit muss somit eingestellt werden.

Ob gearbeitet werden muss oder nicht, ist meist vertraglich geregelt. Viele Arbeitsverträge und Tarifverträge sowie Betriebsvereinbarungen können Urlaubsregelungen bezüglich Heiligabend und Silvester enthalten, die von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Gemäß diesen Vertragswerken gilt der 24.12. sowie der 31.12. meistens als vollständig oder teilweise freier Tag. Firmen, die über einen Betriebsrat verfügen, können Regelungen bezüglich des Urlaubsanspruchs in einer entsprechenden Betriebsvereinbarung festlegen.

Arbeitnehmer profitieren von betrieblicher Übung. Gewährt der Chef seinen Angestellten dreimal in Folge an Heiligabend bzw. an Silvester einen freien Tag, gilt das ebenso für die weiteren Jahre. Die Arbeitnehmer haben infolgedessen einen rechtlichen Anspruch darauf, dass sie an diesen beiden Tagen zu Hause bleiben können und keinen Urlaub nehmen müssen. Eine betriebliche Übung besitzt im arbeitsrechtlichen Sinn den gleichen Rechtsanspruch wie ein Arbeitsvertrag. Arbeitgeber können diesen Fallstrick umgehen, indem sie entweder in Form einer E-Mail oder eines Aushangs am Schwarzen Brett anmerken, dass die Freistellung nur für das jeweilige Jahr gilt. Quelle: www.anwalt.de / Jur. Redaktion,Katharina Kästel / DMM