US-Airports führen Besucherprogramme ein

Zum ersten Mal seit dem 11. September 2001 kehrt das Gate-Erlebnis zurück, an das sich vor allem ältere (Geschäfts)Reisende noch erinnern können: Das ONT+ Besucherpass-Programm des Ontario International Airport – internationaler Verkehrsflughafen der amerikanischen Großstadt Ontario im US-Bundesstaat Kalifornien – nähert sich der Marke von 100.000 Nutzern und ermöglicht Besuchern ohne Ticket den Zugang zur Sicherheitskontrolle – ein Beweis dafür, dass Flughäfen wieder sicher und gleichzeitig menschlich sein können.

 

Für Reisende, die sich an die 1970er und frühen 1980er Jahre erinnern, waren Flughäfen in den Vereinigten Staaten einst Orte, an denen Familien ihre Angehörigen zum Gate begleiteten, ihnen von der Fluggastbrücke aus zuwinkten oder Ankommende beim Verlassen des Flugzeugs begrüßten. Nach Jahrzehnten verschärfter Sicherheitsbestimmungen kehrt dieses an sich sehr nette menschliche und gemeinschaftsorientierte Erlebnis nun still und leise zurück – beginnend in Südkalifornien.

ONT+ wurde 2022 eingeführt und ist ein kostenloser digitaler Besucherausweis, der es Gästen ohne Ticket ermöglicht, die Sicherheitskontrolle zu passieren und die Bereiche hinter der Sicherheitskontrolle zu betreten. Freunde und Familie können Reisende so zu ihren Gates begleiten oder die Restaurants und Geschäfte hinter den Sicherheitskontrollen nutzen. Ontario war der erste Flughafen in den USA, der einen solchen digitalen Besucherausweis einführte und gehört nach wie vor zu den wenigen Airports  landesweit, die diesen Zugang anbieten.

Bis Ende Dezember 2025 hatten sich 98.854 Nutzer für das Programm registriert. Das stetige Wachstum spiegelt das große Vertrauen und Interesse der Öffentlichkeit wider.

Flughäfen in den USA führen den Besucherzugang wieder ein. ONT+ ist Teil eines breiteren Trends, bei dem Flughäfen in den Vereinigten Staaten Besucher- oder Gästeausweisprogramme wieder einführen – eine Anspielung auf die Flughafentraditionen vor dem 11. September 2001, als jeder durch das Terminal gehen konnte, um Angehörige zu verabschieden oder sie am Gate abzuholen.

Mehrere Flughäfen bieten mittlerweile ähnliche Programme an:

  • Der internationale Flughafen Seattle-Tacoma (SEA) bietet ein Besucherpassprogramm mit einer täglichen Obergrenze von ca. 300 Pässen an. Besucher müssen die Sicherheitskontrolle der TSA durchlaufen und die gleichen Sicherheitsbestimmungen wie Passagiere befolgen. 
  • Der internationale Flughafen Tampa (TPA) hat seinen All-Access-Pass wieder eingeführt, der Nicht-Reisenden den Zugang zu den Bereichen hinter der Sicherheitskontrolle zum Einkaufen, Essen oder Flugzeugbeobachten ermöglicht.  
  • Der internationale Flughafen Palm Springs (PSP) bietet einen Stay & Play Besucherpass an, mit dem Gäste die Annehmlichkeiten des Terminals nutzen können. 
  • Der John Wayne Airport (SNA) heißt Besucher ohne Flugticket mit dem OC AirPass willkommen, der tagesaktuell erhältlich ist. Der John Wayne Airport ist ein internationaler Flughafen im erweiterten Einzugsgebiet von Los Angeles (Kalifornien). Er bedient die umliegenden Städte im Bezirk Orange County: Santa Ana, Newport Beach, Costa Mesa, Irvine und Anaheim. 
  • Der internationale Flughafen Oakland (OAK) hat kürzlich seinen OAK Guest Pass eingeführt. Nicht-Passagiere können diesen bis zu sieben Tage im Voraus online beantragen. Nach Genehmigung durch die TSA erhalten sie einen digitalen Pass, der ihnen Zugang zu den Sicherheitskontrollen und den Geschäften und Restaurants ermöglicht.  
  • Der internationale Flughafen Kansas City (MCI) betreibt jetzt ein Gästepassprogramm, das es zugelassenen Besuchern ermöglicht, Familienmitglieder zu begleiten, die Abflughallen zu erkunden oder die Kunst und Annehmlichkeiten des Flughafens zu genießen – ein Modell, das an Bedeutung gewinnt, da Flughäfen den Zugang nach der Sicherheitskontrolle überdenken. 
  • Der internationale Flughafen San Antonio (SAT) bietet das SAT-Pass-Programm an, das die Anzahl der Tageskarten begrenzt und eine vorherige Beantragung sowie eine Sicherheitskontrolle (TSA) erfordert.  
  • Der Flughafen Cleveland Hopkins (CLE) hat den Hopkins Hangout Pass eingeführt, der Familien und Freunden Zugang zu den Sicherheitsbereichen des Terminals ermöglicht. 

Insgesamt bieten mittlerweile mehr als ein Dutzend US-Flughäfen strukturierte Gate- oder Besucherpassprogramme an. Weitere Flughäfen prüfen oder planen die Einführung solcher Programme, um die einst landesweit übliche zwischenmenschliche Interaktion wiederzubeleben.

Sicherheit, Gemeinschaft und Wirtschaft. Ein wesentlicher Bestandteil all dieser Programme – einschließlich ONT+ – ist die Koordination mit der Transportation Security Administration (TSA), um sicherzustellen, dass der Besucherzugang die Sicherheit nicht beeinträchtigt. Besucher durchlaufen dieselbe TSA-Kontrolle wie Passagiere mit Ticket und müssen einen gültigen, Real-ID-konformen Ausweis vorlegen.

„Bei ONT+ steht der Mensch im Mittelpunkt – egal ob er reist oder einfach nur jemanden unterstützt, der ihm am Herzen liegt“, sagte Atif Elkadi, CEO der Ontario International Airport Authority. „Durch die enge Zusammenarbeit mit der TSA konnten wir den Terminalzugang sicher wieder öffnen. Dieses Vorgehen wird nun auch an anderen Flughäfen in Kalifornien und im ganzen Land angewendet.“ Neben Nostalgie und Familientreffen unterstützen Besucherprogramme an Flughäfen auch die lokale Wirtschaft. Flughäfen fungieren heute als Zentren für Einzelhandel und Gastronomie, und Besucherpässe tragen dazu bei, die Besucherzahlen in Restaurants, Geschäften und Dienstleistungsbetrieben zu steigern, die während der Pandemie Einbußen erlitten haben.

Was Besucher über Sicherheitskontrollen und Datenaustausch wissen sollten. Flughafenbeamte betonen, dass Besucherausweisprogramme wie ONT+ denselben bundesstaatlichen Sicherheitsbestimmungen unterliegen wie Passagiere mit gültigem Ticket. Personen, die einen Gate- oder Besucherausweis beantragen, müssen persönliche Identifikationsdaten angeben, die von der Transportation Security Administration (TSA) geprüft werden.

Im Rahmen der üblichen Bundesverfahren können die der TSA übermittelten Informationen an das US-Heimatschutzministerium (DHS) und gegebenenfalls an andere Bundesbehörden, einschließlich der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), weitergegeben werden. Antragsteller werden Hintergrundüberprüfungen und Identitätsprüfungen unterzogen. Personen mit einem aktiven Haftbefehl, ungelösten Rechtsstreitigkeiten oder Bedenken hinsichtlich ihres Aufenthaltsstatus können so während der Sicherheitskontrolle entdeckt werden.

Die US-Flughafenbehörden betonen, dass das Programm auf Komfort und die Vernetzung mit der lokalen Gemeinschaft ausgerichtet ist. Personen mit potenziellen rechtlichen oder einwanderungsbezogenen Problemen wird jedoch empfohlen, die Teilnahme sorgfältig abzuwägen, da eine Genehmigung nicht garantiert werden kann.

Eine neue Ära für Flughafenerlebnisse.Die Wiedereinführung von Besucherpässen – nach dem 11. September noch undenkbar – verändert das Reisen grundlegend. Flughäfen wie ONT, SEA, OAK und MCI treiben diese Transformation voran, die Sicherheit, Barrierefreiheit und zwischenmenschliche Begegnungen vereint und Terminals in einladende Orte verwandelt, an denen Familien wieder zusammenkommen, Freunde sich treffen und auch Einheimische die Angebote der Flughäfen nutzen können. Während die Feiertage Familien zusammenbringen und ONT sich der Marke von 100.000 Nutzern nähert, spiegelt dieser Trend eine einfache Wahrheit wider: Flughäfen können gleichzeitig sicher und einladend sein.

In Deutschland undenkbar, bis jetzt. Vergleichbares wie in den USA, wo Angehörige von Passagieren, Freunde etc. den Fluggast bis durch die Security bis ans Bordinggate begleiten dürfen, gibt es in Deutschland nicht. Die meisten großen deutschen Flughäfen wie München (MUC) und Frankfurt (FRA) bieten etwas anderes an: spezielle Besucherprogramme. Darunter sind geführte Flughafen-Touren zu den Terminals, zum Vorfeld und den Wartungshallen sowie Besucherzentren zu verstehen , wo man Flugzeuge beobachten und mehr über den Flughafenbetrieb lernen kann, oft mit interaktiven Ausstellungen und Aussichtspunkten. Dies alles erfordert meist eine Vorab-Buchung. Quelle: eTN / DMM