Veränderungen im VW Konzernvorstand

VW Konzernchef Herbert Diess hat zwar den Machtkampf gewonnen, muss aber dennoch einen Teil seiner Befugnisse abgeben. Der 63-jährige Automanager bleibt an der Spitze des Wolfsburger Konzerns. Aus dem operativen Geschäft muss er sich weitgehend zurückziehen und sich mehr auf die Konzernstrategie konzentrieren.

Nach der Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG am 09.12.2021: V.l.: Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VW AG, Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Konzerns und Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG. Foto VW

Nach der Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG am 09.12.2021: V.l.: Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VW AG, Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Konzerns und Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG. Foto VW

Der Konzernlenker sieht sich aktuell großen Problemen gegenüber. Denn im November brachen die weltweiten Auslieferungen im Vergleich zum auch nicht gerade starken weil Corona-bedingten Vorjahresmonat um 31,5 % auf 616.300 Fahrzeuge ab. Für das Gesamtjahr 2021 werden wohl nur um die 8,17 Mio. Fahrzeuge gebaut sein, 1,1 Mio weniger als 2020.
Während Porsche mit einem leichten Minus von 0,3 % mit einem blauen Auge davon kommt, sind es bei der Kernmarke VW sowie bei Audi und Škoda jeweils ein Drittel weniger Neufahrzeuge, bei Seat sind es minus 20 %.

Nun hat der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Donnerstag in Wolfsburg reagiert. U.a. wird der Konzernvorstand der Volkswagen AG für die nächste Phase der Transformation personell verstärkt. Dabei werden Struktur und Funktionen im Leitungsgremium neu organisiert, um das Unternehmen schlagkräftiger für die Herausforderungen der kommenden Jahre zu machen.

Der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess wird ab Beginn 2022 innerhalb des Konzernvorstands die Zuständigkeit für die Automotive Software-Sparte CARIAD von Markus Duesmann übernehmen. Zeitgleich zieht der CEO der Marke Volkswagen Pkw, Ralf Brandstätter, in den Konzernvorstand ein und wird im Gremium die Tätigkeit der Kernmarke verantworten. Verantwortlicher Vorstand für die Markengruppe Volumen bleibt Herbert Diess. Ab 01. Februar 2022 wird dann Manfred Döss im Bereich „Integrität und Recht“ auf Hiltrud Werner folgen. Hauke Stars wird ebenfalls zum 01. Februar 2022 in den Konzernvorstand einziehen und das Ressort „IT“ übernehmen. Hildegard Wortmann wird zusätzlich zu ihrer Rolle als Vorständin Vertrieb bei Audi in gleicher Funktion zu diesem Datum in den Konzernvorstand berufen.

Zu den beschlossenen Veränderungen gehört auch eine neue Zuordnung des Ressorts „China“ im weiteren Jahresverlauf. Dieses soll ab 01. August 2022 von Ralf Brandstätter geleitet werden. Nachfolger Brandstätters wird dann der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Škoda Auto a.s, Thomas Schäfer. Er soll sich in dieser Aufgabe ab 1. April als COO der Marke Volkswagen Pkw einarbeiten und ab 01. Juli 2022 in den Konzernvorstand aufrücken.

Mit Manfred Döss holt der Konzern einen Juristen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung in den Konzernvorstand. Döss leitet seit 2016 das Rechtswesen des Konzerns und fungiert seitdem auch als Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich „Recht und Compliance“ des Volkswagen-Hauptaktionärs Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart. Zuvor war er u.a. acht Jahre als Chefjustiziar für die RWE AG in Essen tätig. Hans Dieter Pötsch dankte in diesem Zusammenhang ausdrücklich Hiltrud Werner für die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit.

Die Technologie- und Finanzmarktexpertin Hauke Stars wird die vakante Position im Konzernvorstand für „IT“ übernehmen. Frau Stars war von 2012 bis 2020 Mitglied im Vorstand der Deutsche Börse AG und ist Mitglied in verschiedenen Aufsichts- und Beiräten.

Des Weiteren wird Hildegard Wortmann, Vorständin Vertrieb bei Audi, in den Konzernvorstand einziehen und zusätzlich zu ihrer Funktion in Ingolstadt das neu geschaffene Konzernressort Vertrieb übernehmen. Mit der Verankerung des Ressorts auf Konzernebene wird Volkswagen dem Umstand gerecht, dass die Transformation eine fundamentale Weiterentwicklung des konzernweiten Vertriebs erfordert, die u.a. neue digitale Vertriebsformen und eine direkte und kontinuierliche Kundenansprache über alle Marken hinweg beinhaltet. Quelle: Volkswagen AG / DMM