Vier Flugbegleiter wegen Drogengeldschmuggels vor Gericht

Vier in New York ansässige Flugbegleiter (zwei Damen, zwei Herren) wurden nach einer umfassenden Untersuchung durch Homeland Security Investigations wegen des Schmuggels von Drogengeldern in Höhe von bis zu 8 Mio. USD angeklagt. Sie alle hatten bei einer namentlich nicht genannten Airline gearbeitet und ca. 8 Mio. US Dollar über einen Zeitraum von sieben Jahren von den USA in die Dominikanische Republik geschmuggelt.

Nur stichprobenartig wird das Gepäck von Flugbegleiterinnen in den USA durch die TSA kontrolliert. Foto: People

Den Flugbegleitern wird vorgeworfen, ihre besonderen Sicherheitsprivilegien genutzt zu haben, um die normalen Kontrollpunkte der TSA am New Yorker Flughafen JFK zu umgehen und Taschen voller Geld aus dem illegalen Fentanyl-Handel zu schmuggeln, der die Vereinigten Staaten weiterhin plagt.

In zwei Vorfällen, die am Mittwoch 08. Mai 2024 aufgedeckt wurden, wird zwei männlichen und zwei weiblichen Flugbegleitern, zwei davon 42 Jahre alt, die beiden anderen 34 und 35 Jahre (Namen sind DMM bekannt) vorgeworfen, ihren Status als Flugbegleiter missbraucht zu haben, um einer internationalen Drogenschmuggelbande zu helfen ihr illegales Drogengeld aus den Vereinigten Staaten herausholen.

Flugbegleiter in den USA haben einen besonderen Sicherheitsstatus namens „Known Crewmember“ oder KCM, der es ihnen ermöglicht, die normale TSA-Sicherheitskontrolle zu umgehen, ohne dass bei ihnen geprüft wird, was sie in ihrem Gepäck mit sich führen. Im Rahmen des KCM-Programms müssen Flugbegleiter ihr Gepäck normalerweise nicht durch ein Röntgengerät schicken, was eine ideale Möglichkeit darstellt, große Bargeldbeträge aus den USA zu befördern, ohne dass es jemand merkt.

Die vier Angeklagten sollen für ihre Schmuggelaktionen Geld von den Drogenbanden erhalten haben. Das unrühmliche Quartett war seit 2015 bei einer Fluggesellschaft angestellt und hatte seine Schmugglertätigkeit 2015 begonnen. Zwei von ihnen wurden gefasst, nachdem es den Strafverfolgungsbehörden gelungen war, ihren „Betreuer“ (auch ein Flugbegleiter) zu fassen, den sie in eine verdeckte Operation verwickelt hatten. Die Strafverfolgungsbehörden veranlassten den „Betreuer“ den Flugbegleitern Steuergelder zu geben, die dann von den Flugbegleitern in die Dominikanische Republik geschmuggelt wurden. Die Schmuggler verwendeten in ihrer Kommunikation mit dem „Betreuer“ Codewörter, um zu verschleiern, was sie taten, und sagten u.a. in ihren Taschen hätten sich "Lotionen“ und "Sachen“ für die Dominikanische Republik befunden.

Ein der vier, eine 42-jährige Flugbegleiterin war die erste, die im Dezember 2019 gefasst wurde, als sie von CBP-Beamten angehalten wurde, als sie einen Flug von New York JFK in die Dominikanische Republik antreten wollte. Eine Inspektion ihres Gepäcks ergab, dass sie 60.000 US-Dollar in bar in ihrer Tasche hatte.

„Die Untersuchung der Fälle hat kritische Schwachstellen in der Flugsicherheitsbranche aufgedeckt und Methoden aufgezeigt, die Drogenhändler anwenden“, kommentierte der zuständige HSI-Spezialagent Ivan J. Arvelo am Mittwoch. Und weiter: „Die Angeklagten haben wissentlich große Mengen illegalen Geldes im Zusammenhang mit dem Verkauf von Betäubungsmitteln, darunter Fentanyl, geschmuggelt und Sicherheitskontrollen am Flughafen ausgenutzt, indem sie ihre vertrauenswürdigen Positionen als Flugbegleiter ausgenutzt haben.“

Den vier ehemaligen Flugbegleitern wurde jeweils einmal der Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransferunternehmens und einmal das Betreten eines Flughafens oder Flugzeugbereichs unter Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen zur Last gelegt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihnen maximal 15 Jahre Haft. Darüber hinaus wurden zwei von ihnen jeweils in einem Fall der Verschwörung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts angeklagt, was mit einer Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren geahndet wird. Die 42-Jährige  wurde außerdem in einem Fall wegen Bargeldschmuggels angeklagt.

In den USA wird darüber diskutiert, dass Flugbegleiter kurz davor stehen, ihre Privilegien infolge einer  Reihe öffentlichkeitswirksamer Missbräuche ganz verlieren könnten oder, dass das KCM-Programm abgeändert wird.  2022 z.B. bekannte sich eine Stewardess schuldig, versucht zu haben, Fentanyl, das an ihrem Bauch befestigt war, durch einen KCM-Kontrollpunkt am Flughafen San Diego zu schmuggeln. Sie wurde erwischt, als sie für eine stichprobenartige Kontrolle zur Seite gezogen wurde, die den Metalldetektor auslöste. Und im September 2023 wurde eine dienstfreie Flugbegleiterin, die auf dem Weg zur Arbeit war, an einem KCM-Kontrollpunkt in Philadelphia mit einer geladenen Pistole in ihrer Tasche angehalten. Auch hier war die 23-Jährige nur aufgrund einer Stichprobenkontrolle angehalten worden. Inzwischen wurden die Stichproben vervielfacht, da offensichtlich weiterhin Flugbegleiter die KCM-Spuren missbrauchen, um illegale Waren in Flugzeuge zu schmuggeln.

KCM wurde 2011 als gemeinsame Initiative der Branchengruppe Airlines for America (A4A) und der Air Line Pilots Association gegründet, um die Überprüfung von Besatzungsmitgliedern zu beschleunigen, die bereits einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen wurden. Die US-Carrier verlassen sich auf KCM, um die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, aber die TSA hat letztes Jahr aufgrund angeblicher Missbräuche beschlossen, die volle Kontrolle über das Programm zu übernehmen. Dies hat zu vielen weiteren „zufälligen“ Überprüfungen geführt, um gegen den Missbrauch des Systems vorzugehen. 2023 war die Gewerkschaft, die die Piloten bei American Airlines vertritt, so frustriert über die wachsende Zahl stichprobenartiger Kontrollen, dass sie damit drohte, KCM ganz einzustellen. Quelle: TSA / DMM