Volvo XC90 Recharge im DMM Test

In Sachen Komfort, Fahrkultur und Fahrleistungen macht ihm kaum einer etwas vor. Der allradgetriebene Volvo XC90 Recharge ist ein Oberklasse-SUV mit einem leistungsfähigen Plug-in-Hybridantrieb. Im DMM-Test: Der T8 AWD Inscription, für dessen Vortrieb ein konventioneller Vierzylinder-Benziner mit 303 PS in Kombination mit einer 87 PS-E-Maschine und mittelgroßem aufladebarem Akku sorgt, ist ein mächtiger 2,33-Tonner von schierer Größe.

Volvos XC90 Recharge T8 AWD ist ein Top-SUV in seinem Segment, eine Empfehlung insbesondere für Freiberufler oder Unternehmenschefs. Fotos: G. Zielonka

Volvos XC90 Recharge T8 AWD ist ein Top-SUV in seinem Segment, eine Empfehlung insbesondere für Freiberufler oder Unternehmenschefs. Fotos: G. Zielonka

Man muss möglichst oft Strom tanken, um den Volvo XC90 Recharge auch wirklich wirtschaftlich betreiben zu können.

Man muss möglichst oft Strom tanken, um den Volvo XC90 Recharge auch wirklich wirtschaftlich betreiben zu können.

Ein Highlight des Bediensystems: Der Kristallglasschalthebel.

Ein Highlight des Bediensystems: Der Kristallglasschalthebel.

Die zweite Modellgeneration des Premium-SUV wirkt zeitlos elegant: Der Luxus offenbart sich aber eher im Innenraum. Der Frontpartie verleihen T-förmige LED-Tagfahrleuchten und der Kühlergrill, dessen Wasserfall-Motiv mit vertikalen Kühlergrillstreben aus der Volvo Historie bekannt ist, einen unverwechselbaren Charakter. Schönes und geradliniges Design zeichnet auch das Interieur aus, das sich mit handgefertigten Elementen und erlesensten Materialien besonders luxuriös und stilvoll zeigt.

Perfektes Sitzgefühl. Die für die SPA-Plattform entwickelten schlanken Sitze, in unserem Fall Sportsitze mit Tailored Wool Bezug aus Wolle und recyceltem Polyester, waren mit ihren ergonomisch geformten Rückenlehnen ohne dicke Polster höchst bequem und langstreckentauglich. Beide Vordersitze waren beheizt und natürlich an jede Fahrer-/Beifahrerstatur anpassbar. An Bord waren sieben Sitze in drei Reihen; Klappt man die Reihen 3 und 2 um, fasst der Kofferraum 1.81 Liter. Nimmt man sechs Personen, bleiben immer noch 262 Liter Ladevolumen. Und damit wir uns beim Öffnen des Gepäckabteils die Finger nicht schmutzig machen, erledigt Öffnen und Schließen eine Sensorsteuerung, die serienmäßig an Bord ist.

Bedienkonzept. Beim laut Volvo „nutzerfreundlichen Bedienkonzept“ muss man sich erst mal schlau machen um herauszufinden was auf dem zentralen Bedienelement wo wann und wie zu steuern ist. Dabei ist zwar schön und gut, dass der Touchscreen im Zentrum der Mittelkonsole wie ein Tablet mit Wischen und Tippen zu bedienen ist und Volvo von einfacher Bedienung spricht. In vier einzelnen Kacheln sind Navigation, Medien, Telefon und eine vierte, frei belegbare Ebene als Grundfunktionen. Je nach Wunsch lassen sich darin Menüpunkte ablegen. Dennoch empfinden wir das Infotainmentsystem als sehr gewöhnungsbedürftig.

Das Infotainment-System bietet auch Cloud-basierte Apps für Musik-Streaming und praktische Dienste wie „Park & Pay“, der die Parkplatzsuche und den Bezahlvorgang im Parkhaus übernimmt. Über Apple CarPlay und Android Auto können Nutzer zudem Features und Services, die sie von ihren Smartphones und Tablets kennen, im Fahrzeug abrufen und auf dem großen Touchscreen auf der Mittelkonsole darstellen lassen. Eine optionale Ladevorrichtung erlaubt das kabellose (induktive) Aufladen von Smartphones Kostet satte 340 Euro Aufpreis).  

Ein wirklich sicheres Fahrzeug. Die Schweden haben u.a. die Qualität ihrer im XC 90 PHEV verbauten Assistenzsysteme weiter verbessert. So greift z.B. der Notbremsassistent (Volvo City Safety mit automatischer Fahrzeug-, Motorradfahrer-, Fußgänger-, Fahrradfahrer- und Wildtier-Erkennung) und der Toter-Winkel-Assistent sofort aktiv ein, wenn Gefahr droht. Überhaupt verfügt der Geländewagen über ein umfassendes Arsenal hochmoderner Sicherheitstechniken. Wir erwähnen hier mal nur den Kreuzungs-Bremsassistent, der gefährliche Situationen beim Linksabbiegen entschärft, die Road Edge Detection zur Fahrspurerkennung und die Oncoming Lane Mitigation, die die Gefahr von Unfällen mit entgegenkommenden Fahrzeugen verringert: Gelangt der Fahrer versehentlich auf die Gegenfahrbahn, wird der Volvo bei entgegenkommendem Verkehr mit einem gezielten Lenkimpuls zurück auf die eigene Fahrbahn gesteuert.

Staatliche Förderung nur bis zum Nettopreis von 65.000 Euro. Unser XC90 PHEV brachte es auf einer Testwagenpreis von 94.420 Euro (inkl. optionaler Zusatzausstattung) kann die Kriterien für die Elektromobilitäts-Förderung leider nicht erfüllen. Denn vom staatlichen Umweltbonus, der kürzlich erst bis Ende 2022 verlängert worden ist, profitiert der Eigner oder Leasingnehmer nur dann, wenn das Modell weniger als 65.000 Euro netto kostet, und auf der Liste förderfähiger Fahrzeuge des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stehen (BAFA) steht. Damit gibt’s eine Prämie von 5.625 Euro – und die Befreiung von der Kfz-Steuer. Nachteilig ist zudem, dass es für Dienstwagennutzer keine steuerliche Vergünstigung gibt.

Verbrauch. Nicht anders erwartet hatten wir, dass der werksseitig angegebene Verbrauch von 2,1 l auf 100 km  (nach WLTP) und damit auch der CO2-Ausstoß von 47g/km nur theoretischer Natur sein kann. Das Normprüfverfahrens bewertet bei den PHEV den elektrisch gefahrenen Anteil einfach zu hoch, womit sich der Normverbrauch als illusorisch erweist. Wir kamen trotz häufigen Stromladens auf rund 6 Liter. Aber für die Größe des „Riesen“ ist das eigentlich recht anständig.

Fahrverhalten. Fahrbahnunebenheiten bekommt man so gut wie nicht mit. Die Lenkung arbeitet präzise. Der aktuelle XC90 gleitet souverän und komfortabel dahin. Dank Niveauregulierungsautomatik der Luftfederung fährt das SUV auch in Kurven wie auf Schienen, dies ohne jegliche Wankneigung, gleich wieviele Passagiere und Gepäck an Bord sind.

Die Spitzengeschwindigkeit des XC90 Recharge, 180 km/h, sorgt zwar unter Besserwissern noch immer für Diskussionen, geht aber in Ordnung. Seit 2020 werden alle Pkw des schwedischen Premium-Automobilherstellers mit dieser abgesicherten Höchstgeschwindigkeit ausgeliefert. Damit reagiert der Hersteller konsequent auf die langjährigen Ergebnisse seiner Sicherheitsforschung: Zu schnelles und sinnfreies Fahren gehört neben Rauschmitteleinfluss und Ablenkung eindeutig zu den häufigsten Unfallursachen.

Wesentliche Serienausstattung unseres Testfahrzeugs:
• City Safety System zur Kollisionsvermeidung inkl. Fußgänger-, Fahrradfahrer- und Wildtiererkennung
sowie Kreuzungsbremsassistent mit Lenkunterstützung bei Ausweichmanövern
• Oncoming Lane Mitigation inkl. aktivem Lenkeingriff
• IntelliSafe Assistent mit adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage, Lane Keeping Aid,
Stauassistent Stop & Go und Pilot Assist
• IntelliSafe-Surround inkl. Blind Spot Information System (BLIS) inkl. Lenkeingriff bei
Nichtbeachtung der Warnsignale, Cross Traffic Alert (CTA) inkl. Bremsung bei
Nichtbeachtung der Warnsignale sowie Heckaufprallabschwächung
• Connected Safety: Hazard Light und Slippery Road Alert
• Run-off Road Protection und Road Edge Detection
• Road Sign Information (RSI)
• Speed Limiter sowie Driver Alert (Aufmerksamkeitswarner)
• Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS)
• Deaktivierung der Hochvoltbatterie im Falle einer Kollision
• Fahrer- und Beifahrerairbag (abschaltbar) mit zweistufigem Auslösesystem, Kopf- und
Schulterairbags, Knieairbag Fahrerseite und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer
• Aktiv-Sicherheitsgurte inkl. Gurtstraffer
• Schleudertrauma-Schutzsystem inkl. Durchtauchschutz (WHIPS)
• ISOFIX-Aufnahmen für die äußeren Fondsitze und Kindersicherung hinten
• Allradantrieb, Bergabfahrhilfe (HDC) und Berganfahrassistent (HSA)
• Notfall-Bremsleuchten, elektrische Parkbremse und Festbremsautomatik
• Keyless Drive und Start-Stopp-Technik
• Reifendruckkontrollsystem (mit reifenindividueller Druckverlustmeldung)
• Drive Mode (Fahrmoduseinstellungen für Motor, Getriebe, Lenkung, Bremsen)
• CleanZone Luftqualitätssystem mit Aktivkohlefilter
• elektrische Heckklappenautomatik und Gepäckraum-Trennnetz
• elektrisch einstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz inkl. Memoryfunktion
• Einparkhilfe hinten
• Armaturentafel und Türverkleidung in Lederoptik mit Kontrastnähten
• erweiterte Ambientebeleuchtung
• Dritte Sitzreihe inkl. Klimatisierung
• Infotainmentsystem Sensus Connect mit High Performance Sound und 9‘‘-Touchscreen
• Innen- und Außenspiegel (elektrisch einstell- und beheizbar) inkl. Abblendautomatik
• digitale Instrumentierung: 12,3“ großes vollgrafisches Display sowie DAB+
• Klimaautomatik mit 4-Zonen-Temperaturregelung
• Ladekabel SchuKo/Typ 2 (Mode 2) mit 7m Länge für 230-Volt Steckdose
• LED-Scheinwerfer inkl. Fernlichtassistent sowie LED-Tagfahrlicht
• Komfortsitze mit Sitzheizung vorn, Multifunktionstasten am Lenkrad und Lenkradheizung
• Regensensor inkl. automatischer Lichtfunktion
• innenbeleuchteter Schalthebel aus Orrefors Kristallglas
• Sensus Navigationssystem sowie Apple CarPlay und Android Auto
• Volvo on Call inkl. WLAN-Hotspot
UPE: XC90 Recharge T8 AWD Inscription € 81.650.
Optionale Zusatzausstattung des Testwagens
• Licht-Paket: Scheinwerferreinigungsanlage sowie Voll-LED-Scheinwerfer 1.000 €
Active High Beam
• Parkassistenz-Paket: Einparkhilfe vorn sowie Rückfahrkamera 750 €
• Xenium-Paket: High Performance Sound Pro by harman/kardon, erweitertes 2.200 €
Luftqualitätssystem mit Feinstaubfilterung sowie elektrisches
Panorama-Glasschiebedach inkl. Hebefunktion und Sonnenschutz
• Akustikverglasung 1.080 €
• Dachhimmel und Türsäulen in Nubuk-Textil 1.780 €
• elektrische Kindersicherung hinten 130 €
• integrierter Kindersitz im mittleren Fondsitz 180 €
• Lackierung in Thunder Grey Metallic 1.000 €
• induktives Smartphone-Ladesystem 340 €
• Tailored Wool Sportsitze 1.250 €
• Premium Sound by Bowers & Wilkins in Verbindung mit Xenium-Paket 3.060 €
TESTWAGENPREIS inkl. optionaler Zusatzausstattung € 94.420.

Unser Fazit: Der XC90 PHEV vermag zu faszinieren, vor allem, wenn man auf skandinavisch kühles Design und hohe Fahrkultur steht. Die Ausstattung unseres Testwagens ließ keine Wünsche offen. Alles feinst verarbeitet. Dass der Halbstromer leider kein Sparfuchs ist, wie einem angesichts der werksseitig angegebenen Verbrauchs- und CO2-Werte suggeriert wird, erscheint logisch; denn der XC90 ist nun mal eher ein Lang- denn ein Kurzstreckenfahrzeug. Für Freiberufler z.B. ist das Schwedenmodell durchaus eine sehr gute Wahl. DMM