Vorbote des Q4 e-tron in Genf

Vor rund einem Jahr gab an gleicher Stelle der erste Serien-Audi mit E-Antrieb sein Debüt – der Audi e-tron, damals noch in Tarnfolie gehüllt. Nun präsentiert die Marke mit den Vier Ringen auf dem Genfer Automobilsalon einen Ausblick auf ein weiteres rein elektrisch angetriebenes Automobil: Audi Q4 e-tron concept heißt der kompakte SUV mit vier Türen und 4,59 Meter Außenlänge, dessen Verwandtschaft zum e-tron auf den ersten Blick erkennbar ist.

Sieht schon sehr seriennah aus, Audis neuer Q4 e-tron concept. Foto: Audi

Sieht schon sehr seriennah aus, Audis neuer Q4 e-tron concept. Foto: Audi

Zwei Elektromotoren mobilisieren im Q4 e-tron concept 225 kW Systemleistung. Beim Konzeptfahrzeug gelangt die Antriebsleistung mittels Allradantrieb quattro auf die Straße. Dank exzellenter Traktion absolviert es den Sprint von null auf 100 km/h in nur 6,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei elektronisch abgeregelten 180 km/h erreicht. Ein großformatiger Akku nimmt zwischen den Achsen nahezu die gesamte Fläche im Unterbodenbereich ein; seine Kapazität beträgt 82 Kilowattstunden. Die Reichweite von mehr als 450 km – nach WLTP-Standard – setzt einen Klassenmaßstab. Die Technik des Q4 e-tron concept steuert der Modulare Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) bei, der im Volkswagen-Konzern künftig in zahlreichen E-Automobilen, von der Kompaktklasse bis in die gehobene Mittelklasse, zu finden sein wird.

Was in Kürze kommt. Der Q4 e-tron concept gibt einen Ausblick auf das bereits fünfte Elektro-Serienfahrzeug, das der Hersteller bis Ende 2020 präsentieren wird. Der Verkauf des e-tron hat bereits begonnen, erste Auslieferungen an Kunden erfolgen noch im März 2019. Ebenfalls noch in diesem Jahr folgt die Präsentation des e-tron Sportback, und in China wird der eigens für den heimischen Markt entworfene Q2L e-tron vom Band rollen. Für die zweite Jahreshälfte 2020 ist dann die Vorstellung der Serienversion des viertürigen Hochleistungs-Coupés e-tron GT geplant, das bei der Audi Sport GmbH entsteht. Und simultan soll auch das Serien-Debüt des kompakten Q4 e-tron erfolgen. Mit diesem Angebot deckt Audi knapp zwei Jahre nach dem Start des ersten E-Autos alle wichtigen Marktsegmente mit rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ab: vom A-Segment bis in die Oberklasse.

Im oberen Drittel der Kompaktklasse. Außen kompakt, innen ein Riese. 4,59 m Länge, 1,90 m Breite und 1,61 m Höhe: Der Q4 e-tron concept positioniert sich mit seinen Abmessungen im oberen Drittel der Kompaktklasse. Seine Verkehrsfläche qualifiziert den elektrischen SUV damit zum wendigen Allrounder auch für die Stadt. Sein Radstand von 2,77 m hingegen stuft ihn in Sachen Innenraum mindestens eine Klasse höher ein. Da zudem kein Kardantunnel das Platzangebot einschränkt, bietet der Q4 e-tron concept ein ungeahntes Maß an Raumkomfort, vor allem bei der Beinfreiheit sowohl vorne als auch im Fond.

Das großzügige Raumgefühl wird von der Farbgebung unterstrichen. Helle, warme Töne dominieren den oberen Bereich der Kabine, während im Bodenbereich dunkler Teppich dazu kontrastiert. Dachhimmel, die Fenstersäulen und der obere Bereich von Türbrüstung sowie Armaturenträger sind mit weißen und beigen Mikrofaser-Textilien bezogen. Nachhaltigkeit genießt dabei keineswegs nur in puncto E-Antrieb Priorität: Der Bodenbelag ist aus Recycling-Materialien gefertigt. Statt verchromter Metall-Dekorrahmen gibt es Flächen in hochwertiger Mehrschicht-Lackierung. Das lackierte, gefrostete Plexiglas auf den Applikationen sorgt für eine intensive Tiefenwirkung. Vier Sitze mit integrierten Kopfstützen sind mit haptisch angenehmem Alcantara bezogen, das in Manufakturqualität verarbeitet ist. Doppelnähte aus dickem Garn fixieren die Polstersteppung.

Der Arbeitsplatz. Hinter dem Lenkrad befindet sich das Display des Virtual Cockpit mit den wichtigsten Anzeigeelementen für Geschwindigkeit, Ladezustand und Navigation. Neu ist das großformatige Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktion. Es kann wichtige graphische Informationen - etwa Richtungspfeile zum Abbiegen - direkt in den Straßenverlauf einspiegeln.

Auf den Lenkradspeichen dienen als Touch-Elemente ausgelegte Bedienfelder dazu, häufig genutzte Funktionen anzuwählen. Zentral, oberhalb der Mittelkonsole ist ein 12,3 Zoll großer Touch Screen für Anzeige und Bedienung von Infotainment und Fahrzeugfunktionen platziert. Er ist bedienungsfreundlich zum Fahrer geneigt. Unterhalb davon gibt es eine Tastenleiste zur Steuerung der Klimaanlage. Die Mittelkonsole selbst ist als großzügige Ablage inklusive Handy-Ladeschale ausgeführt, da sie keine Funktionselemente wie Schalthebel oder Handbremsbetätigung aufnehmen muss. Stattdessen gibt es – gleichsam als Abdeckung des vorderen Konsolenbereichs – eine hochwertig gestaltete, horizontale Fläche, in die der Wähltaster für den Fahrmodus integriert ist. In den Türen gibt es - zusätzlich zur klassischen, unteren Ablagefläche, nun die Möglichkeit, Flaschen im eigens ausgeformten oberen Bereich griffgünstig abzulegen.

Exterieur. Der Singleframe mit dem Markenlogo der Vier Ringe identifiziert den Q4 e-tron concept auf den ersten Blick als Audi. Und spätestens auf den zweiten Blick als elektrisch angetriebenen e-tron: Denn wie der erste Serien-Audi mit E-Antrieb, hat auch das neue Konzeptfahrzeug statt eines klassischen Kühlergrills eine strukturierte und geschlossene Fläche innerhalb des breiten, nahezu aufrecht stehenden Achteck-Rahmens. Für die Luftzufuhr sorgen großformatige Einlässe, die sich unter beiden LED-Matrix-Scheinwerfern bis hinunter zur Frontschürze öffnen.

Ebenfalls charakteristisch sind die markant modellierten Kotflügel aller vier Räder.  Die Dachlinie fällt nach hinten dezent ab, verleiht der Silhouette einen betont dynamischen Akzent. Am Heck fällt das breite Lichtband auf, das die beiden Leuchteinheiten verbindet und damit auch ein Element des e-tron zitiert. Selbst hier wird die Verwandtschaft innerhalb der e-tron-Familie sichtbar. Dies trifft auch auf das Innere der Leuchten zu, wo die signifikante Pfeilung der LED-Segmente ebenfalls ein Element des größeren Bruders aufnimmt.

Eine im doppelten Sinne nachhaltige Innovation bietet schließlich der Lack der Karosserie im Farbton „Solar Sky“, einem je nach Lichteinfall changierenden Blauton: Die eigens für den Q4 e-tron concept entwickelte und umweltschonend produzierte Farbe reflektiert wirksam einen kurzwelligen Teil des Sonnenlichts, nahe dem Infrarot-Spektrum. Auf diese Weise wird die Aufwärmung von Karosserieoberfläche und Innenraum signifikant reduziert. Einerseits kommt dies dem subjektiven Wohlbefinden der Insassen zugute, andererseits wird zugleich der Energieaufwand für die Klimaanlage reduziert, denn sie muss an warmen Tagen deutlich weniger die Fahrgastkabine kühlen. Und das wiederum bedeutet eine Verbesserung der Reichweite sowie der globalen CO2-Bilanz des Q4 e-tron concept.

Antrieb und Fahrwerk. Der Modulare Elektrifizierungs-Baukasten hält ein breites Portfolio an Antriebsvarianten und Leistungsstufen bereit. Je ein E-Motor treibt die Vorder- und Hinterachse an – der Q4 ist ein quattro. Dabei gibt es keine mechanische Verbindung zwischen den Achsen, sondern eine elektronische Steuerung sorgt für die optimale Koordination der Momentenverteilung – und zwar innerhalb von Sekundenbruchteilen. So bietet der Elektro-SUV optimale Traktion bei allen Witterungsbedingungen und auf jedem Untergrund.

Um den höchsten Wirkungsgrad zu erzielen, nutzt der Wagen in den meisten Fällen hauptsächlich seine hintere E-Maschine, einen permanent erregten Synchronmotor. Die Antriebsmomente sind aus Gründen der Effizienz grundsätzlich hecklastig verteilt. Fordert der Fahrer mehr Leistung an, als die hintere E-Maschine bereitstellen kann, legt der elektrische Allradantrieb mittels des vorderen Asynchronmotors die Momente bedarfsgerecht Richtung Vorderachse. Das geschieht auch vorausschauend, noch bevor bei Glätte oder schneller Kurvenfahrt Schlupf auftritt oder das Auto unter- oder übersteuert.

150 kW leistet der E-Motor im Heck und mobilisiert ein Drehmoment von 310 Newtonmeter; der Frontmotor versorgt die Vorderräder mit bis zu 75 kW und 150 Newtonmetern. Die Systemleistung beträgt 225 kW. Der Akku im Fahrzeugboden speichert 82 kWh – damit wird nach WLTP-Standard eine Reichweite von mehr als 450 km möglich. Geladen wird der Akku mit maximal 125 Kilowatt. So dauert es kaum mehr als 30 Minuten, um wieder 80 % der Gesamtkapazität zu erreichen.

Das Hochvolt-Batteriesystem ist optimal an die Abmessungen des Fahrzeugs angepasst und befindet sich in Form eines flachen, breiten Blocks unter der Passagierzelle zwischen den Achsen. Das Gewicht des Batteriesystems beträgt 510 kg – somit liegt der Schwerpunkt des Automobils auf einem ähnlichen Niveau wie bei einer Limousine mit konventionellem Antrieb. Die Achslastverteilung ist mit einem Verhältnis von annähernd 50:50 perfekt austariert. Die Vorderräder werden an einer McPherson-Achse mit adaptiven Dämpfern geführt; hinten gibt es eine Mehrlenker-Achse mit getrennt angeordneten Federn und Dämpfern, letztere ebenfalls adaptiv.

Der modulare Elektrifizierungs-Baukasten MEB: MLB, MQB – Modularer Längs- und Modularer Querbaukasten: Diese Komponentensysteme für die Fahrzeugentwicklung sind bei Audi und im Volkswagen-Konzern Synonym für eine große Erfolgsgeschichte in allen Segmenten. Bisherige Baukästen waren dabei vorwiegend für den Einsatz von Verbrennungsmotoren konzipiert. Das ist anders und neu am Modularen Elektrifizierungs-Baukasten: Er wurde gezielt und ausschließlich für elektrisch angetriebene Automobile entworfen. Achsen, Antriebe, Radstände und das Zusammenspiel aller Komponenten sind nur für die E-Mobilität ausgewählt und adaptiert. Die Platzierung der großvolumigen Batterieeinheiten und deren Geometrie lassen sich optimieren, ohne Zugeständnisse an andere Antriebskonzepte, die im MLB und MQB stets ins Kalkül gezogen werden müssen.
Zugleich erlaubt der MEB die Erschließung riesiger Synergiepotentiale. Denn dieser Baukasten dient als Basis vor allem für Elektro-Automobile im volumenstarken A-Segment. Er macht es markenübergreifend möglich, die beste verfügbare Technologie gemeinsam zu entwickeln und in vielen unterschiedlichen E-Autos einzusetzen. So erlaubt der MEB nicht zuletzt, der Elektromobilität auch im besonders preissensiblen Kompaktsegment zum Durchbruch zu verhelfen.

E-Offensive. Bis 2025 wird Audi zwölf Automobile mit reinem Elektro-Antrieb in den wichtigsten Märkten weltweit anbieten und rund ein Drittel seines Absatzes mit elektrifizierten Modellen erzielen. Zu den SUVs innerhalb dieses Portfolios zählen u.a. der e-tron und der 2019 debütierende e-tron Sportback. Darüber hinaus wird es eine Reihe Modelle mit klassischem Karosserie-Layout wie Avant und Sportback geben. Das Angebot soll von der Kompaktklasse bis in die Luxusklasse alle relevanten Marktsegmente umfassen.
Ein besonderes Gemeinschaftsprojekt der Entwicklungsabteilungen von Audi und Porsche ist die Premium-Architektur Elektrifizierung, kurz PPE. Sie wird die Basis für gleich mehrere Audi- Modellfamilien mit reinem E-Antrieb bilden, die vom B- bis zum D-Segment volumenstarke Segmente abdeckt. Quelle: Audi / DMM