Vordringliche NBS Nürnberg-Würzburg

Viele ICE der Relation München-Frankfurt-Ruhrgebiet bzw. München-Hamburg nutzen neben den Schnellfahrabschnitten München-Ingolstadt-Nürnberg und Würzburg-Rohrbach (Relation Würzburg-Frankfurt) bzw. Hamburg (Relation Würzburg-Hamburg) Hochgeschwindigkeitsstrecken. Einzig der 102 km lange Abschnitt Nürnberg-Würzburg ist noch eine Art Nadelöhr. Jetzt laufen die Planungen für eine Superschnellstrecke. Statt 52 Minuten sollen die ICE zwischen der mittelfränkischen Metropole Nürnberg und der unterfränkischen Bezirkshauptstadt Würzburg künftig nur noch 29 Minuten Fahrzeit benötigen.

Noch rauschen die ICE3 nur mit Tempo 100 km/h durch das unterfränkische Kitzingen, hier neben einem Schweizer RABe. Auf der geplanten NBS, die voraussichtlich südlich der Stadt vorbeführen wird, sollen es 300 km/h sein. Foto: G. Zielonka

Noch rauschen die ICE3 nur mit Tempo 100 km/h durch das unterfränkische Kitzingen, hier neben einem Schweizer RABe. Auf der geplanten NBS, die voraussichtlich südlich der Stadt vorbeführen wird, sollen es 300 km/h sein. Foto: G. Zielonka

Der Abschnitt Nürnberg-Würzburg ist laut Bundesverkehrsministerium als Teil des künftigen „Deutschlandtakts“ in die höchste Dringlichkeits-Kategorie des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege, aufgestiegen. Gemeinsam mit der DB Netz-AG sollen als nächstes die Voraussetzungen für den Planungsstart abgestimmt werden. Dieser hängt aber von den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln sowie personellen und planerischen Ressourcen ab. Einen konkreten zeitlichen Horizont nannte das Ministerium nicht.

Bisher verkehren ICE zwischen Nürnberg und Würzburg lediglich im Abschnitt Neustadt/Aisch-Iphofen mit Tempo 200 km/h. weiter über Kitzingen bis Würzburg geht es dank starker Steigungen und enger Kurvenradien nur mit Tempo 130 km/h. Für Dienstreisende, die z.B. von München nach Frankfurt wollen , ergäbe sich ein Zeitvorteil von ca. 23 Minuten, bei einer Gesamtreisezeit von künftig nur noch zweieinhab Stunden. Rechnet man z.B. die An- und Abreisezeiten zu den Airports von München und Frankfurt hinzu, wäre die Gesamtreisezeit im Vergleich zum Flugzeug mindestens genauso kurz, wenn nicht sogar kürzer. X-fach umweltfreundlicher wäre sie in jedem Fall.

Natürlich ist auch der genaue Verlauf der Neubaustrecke aktuell noch unklar. So ist im jüngst veröffentlichten Abschlussbericht zum Deutschlandtakt von einem Fernverkehrstunnel von Nürnberg nach Fürth-Bislohe die Rede. Dieser würde also ganz in der Nähe des zukünftigen Güterzugtunnels zur Umfahrung von Nürnbergs Nachbarstadt Fürth i. Bay. an die Oberfläche kommen – eine Mitnutzung ist aber nicht geplant. Dafür spricht die Formulierung "zusätzlicher Tunnel". Dafür könnte der neue Fernverkehrstunnel von ICE-Zügen, die auf der Bamberger Strecke (Schnellstrecke Nürnberg-Erfurt-Leipzig/Halle-Berlin) unterwegs sind, mit befahren werden, um auch diese zu beschleunigen. Bislohe würde somit eine ICE-Abzweigung werden: entweder in Richtung Berlin, oder aber in Richtung Würzburg und damit weiter nach Hamburg bzw. über Frankfurt ins Ruhrgebiet. Die Kosten allein dieses Tunnels werden mit 864 Mio. Euro angegeben.

Ab Bislohe würde die eigentliche NBS Richtung Würzburg beginnen, für die mit Kosten von 5,7 Mrd. Euro (Stand heute) gerechnet wird. Damit wäre sie die bundesweit teuerste Einzelmaßnahme aller Deutschlandtakt-Projekte. Die neue NBS soll für Tempo 300 km/h ausgelegt sein. Bis kurz vor Würzburg liefert der Abschlussbericht keinerlei Anhaltspunkte für einen möglichen Streckenverlauf. Erwähnt wird lediglich, dass die Neubautrasse im unterfränkischen Rottendorf 4 km östlich von Würzburg enden könnte – denn ab hier soll an die bestehende Altbaustrecke ein viertes Gleis angebaut werden. Das kostet weitere 264 Mio. Euro. Bemerkenswert: Möglicherweise wird die NBS gebündelt mit der im sechsspurigen Ausbau befindlichen Autobahn A3.

Begründet werden die Milliardeninvestitionen nicht nur mit der deutlich verkürzten Fahrzeit zwischen Nürnberg und Würzburg. Die NBS soll Teil des Schnellfahr-Korridors Frankfurt-Nürnberg werden, heute noch ein Engpassabschnitt. Durch weitere Aus- und Neubauten im Spessart und bei Frankfurt ließe sich die Reisezeit von Frankfurt nach Nürnberg um insgesamt 40 Minuten von heute gut zwei Stunden auf 82 Minuten verkürzen. Quelle: Bundesverkehrsministerium / DMM