Wenn Urs von Kellenbach von seiner Arbeit spricht, kehrt er immer wieder zu einem Thema zurück: „Der Kern meiner Arbeit ist Kommunikation“, sagt er dann und ergänzt: „Mit meinen Mitarbeitern, meinen Kollegen, meinen Gästen und im Grunde mit jedem, der beteiligt ist.“ Das Besondere an seinem Job ist dabei, dass der 50-Jährige zwei hat: Er arbeitet als Travel Manager bei Motel One, aber vor allem als Hotelier.
Auf einen Blick:
- Für Urs von Kellenbach steht von Anfang an fest: Er will etwas mit Menschen machen, etwas mit Kommunikation. Er entdeckt die Hotellerie und macht eine Ausbildung. Heute arbeitet er bei Motel One.
- Der Beruf des Hoteliers lehrt ihn, auf die Bedürfnisse von Menschen einzugehen. Er wird zu einem leidenschaftlichen Problemlöser.
- Als Urs von Kellenbach anfängt, die Geschäftsreisen im Unternehmen zu managen, kommen schnell die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility hinzu.
- Er führt die Bahncard ein und eine digitale Oberfläche, auf der Mitarbeitende ihre Reisen selbst organisieren. Schließlich wird er zum Travel Manager von Motel One ernannt.
- Auch nach drei Jahrzehnten liebt Urs von Kellenbach seine Arbeit als Hotelier und Travel Manager. Für ihn ist und bleibt es ein Traumjob.
Hotellerie statt Studium
Seine Reise zur späteren Doppelrolle beginnt nach Abitur und Wehrdienst mit einer pragmatischen Entscheidung. „Ich hatte keinen Sinn für ein Studium“, sagt Urs von Kellenbach und lacht. Er sucht nach einem nächsten Schritt, der ihm viele Türen öffnen könnte. So findet er die Hotellerie und absolviert eine Ausbildung in einem Luxushotel. „Mich hat diese Welt beeindruckt: der Glanz, das Mondäne, aber auch die Menschen im Hintergrund, die das alles möglich machen.“
Von Kellenbach kommt jetzt viel herum, arbeitet in Österreich und England. Vor allem London prägt ihn. „Da war Diversity gar kein Thema“, erinnert er sich. „Die vielen verschiedenen Ethnien, kulturellen Einflüsse oder persönlichen Orientierungen – das war einfach normal. Das hat meinen Kopf unheimlich geöffnet.“ Er lernt: „Man kommt am schnellsten mit Menschen zurecht, wenn man versteht, was sie bewegt.“
Die Hotellerie als Schule fürs Leben
Zudem erlebt von Kellenbach die Arbeit in der Hotellerie als eine Schule für das ganze Berufsleben. „Als Hotelfachmann bist du ein hervorragend ausgebildeter Dienstleister“, sagt er. „Du lernst Kommunikation, du lernst mit Beschwerden umzugehen, du lernst Lösungen zu finden.“
Er erzählt, dass viele ursprüngliche Hotelprofis in anderen Branchen unterkommen – in Versicherungen, Kanzleien, im Vertrieb. „Das Lernen im Hotel ist der etwas angenehmere Militärdienst.“ Die Ausbildung bringe Struktur, Hierarchieverständnis und vor allem soziale Kompetenz mit sich, mein von Kellenbach und unterstreicht: „Man lernt, sich einzuordnen, ohne sich unterzuordnen.“
Vom Hotelprofi zum Travel Manager
Die Hotellerie wird sein Fundament. Heute arbeitet er bei Motel One, einer der größten Budget-Design-Hotelgruppen Europas (siehe Kasten). Von Kellenbach leitete ab 2013 ein Haus in Frankfurt, ab 2022 das in Wiesbaden – und das von Anfang an „mit Herzblut“: Bis heute steht er morgens oft selbst an der Rezeption. „Das ist die Gelegenheit, mit Menschen zu reden“, sagt er.
Bei einer seiner ersten Geschäftsreisen zum Hauptsitz nach München fällt Urs von Kellenbach auf, wie viel Zeit er braucht, um seine Reisekosten abzurechnen. „Selbst ein Busticket erzeugte einen Prozess mit unzähligen Schritten in mehreren Excel-Dateien für drei involvierte Mitarbeiter.“ Er schlägt seinen Chefs vor, sich diesem Prozess anzunehmen und beginnt, Daten zu sammeln: „Wie viel reisen wir und wohin? Wer reist bei uns? Und mit welchem Verkehrsmittel?“ Dann sucht er nach Partnerschaften: Was bietet die Deutsche Bahn, was Lufthansa, was Sixt? Und welche Reisebüros könnten helfen? So beginnt von Kellenbach, sich parallel „peu á peu“ einen zweiten Job aufzubauen: Er startet das Managen der Reiseaktivitäten des Unternehmens.
Als der Vorstand merkt, dass er „Zahlen liefert“ und das Unternehmen weiterentwickelt, kommen die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility hinzu: Er führt die Bahncard ein und eine digitale Oberfläche, auf der Mitarbeitende ihre Reisen selbst organisieren. Das System verwaltet Profile, Zahlungen und Reisepläne, erinnert an Trips oder gibt Hinweise zu Einreisebestimmungen. 2022 schließlich erhält Urs von Kellenbach offiziell den Titel „Travel Manager“ von Motel One.
Travel Management ist Mitarbeiterkommunikation
Seitdem entwickelt er neben der Hotel-Filiale Regeln für Geschäftsreisen, verhandelt mit Reisebüros oder spricht mit Technologieanbietern für Buchungsplattformen. Doch während Travel Management für viele nach Richtlinien, Prozessen und Systemen klingt, bedeutet der Job für Urs von Kellenbach vor allem Kommunikation, und zwar mit den Mitarbeitenden. Denn viele seiner Entscheidungen betreffen deren Alltag.
Als er merkt, dass manche Kolleginnen für Schulungen mit einem Flixbus von Rostock nach München reisen, holt er die Entscheidung ein: „Ab einer Fahrtdauer von drei Stunden darf jeder Mitarbeitende bei uns erste Klasse Bahn fahren.“ Und obwohl er sich auch ein bisschen als „Wellbeing Manager“ sieht, ist das nicht nur eine Frage des Komforts. „Es geht mir darum, dass die Leute vernünftig arbeiten können“, so von Kellenbach.
Zudem versteht er seinen Job als einen mit viel Verantwortung. „Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert – Streik, Wetter, politische Lage – dann will ich sehen: Wer ist dort?“ Und er will wissen: Wie bringt er sie sicher nach Hause?
Alltag eines Travel Managers
Der Arbeitsalltag als Travel Manager dreht sich für von Kellenbach zum Beispiel um Datenschutz in der Mitarbeitersicherheit. Hierbei ist unter anderem zu klären, wie und wann Tracking erlaubt ist.
Er versteht sich aber auch als Problemlöser. Bei einem Kollegen funktioniert die Bahncard nicht, bei einer Kollegin werden Meilen nicht gutgeschrieben, wieder ein anderer Kollege sitzt in New York wegen eines Blizzards fest und braucht eine alternative Heimroute – für solche Fälle sucht er stets nach schnellen und praktikablen Lösungswegen.
„Ich liebe den messbaren Erfolg“, sagt er und meint damit Erfolg sowohl auf wirtschaftlicher und nachhaltiger als auch auf menschlicher Ebene. Dazu zählen zum Beispiel Rückmeldungen von reisenden Mitarbeitern, die sich für seine Hilfe bedanken, aber auch vom Controlling, dass sich darüber freut, dass ein Prozess nun runder läuft.
Auf die Organisation kommt es an
Seine Aufgaben organisiert von Kellenbach überwiegend allein. „Ich bin ein One-Man-Shop“, sagt er. Für Buchungen arbeitet das Unternehmen mit Geschäftsreisebüros zusammen. Seine Rolle beschreibt er dabei so: „Ich bin der Einkäufer, der das organisiert.“
Er ist außerdem einer, der sich ständig weiterentwickelt: 2018 bildete er sich zum Certified Travel Manager, 2025 zum Certified Mobility Manager fort. Er spürt den allgemeinen Trend, dass sich Geschäftsreisen heute nicht mehr isoliert betrachten lassen, sondern zu einem größeren Mobilitätssystem gehören.
Sein jüngstes Projekt ist der Prozess einer neuen Ausschreibung für einen globalen Reise-Anbieter. Motel One wird wachsen von aktuell etwa 100 Standorten „auf 200 in den nächsten Jahren“ – und das auf der ganzen Welt, zum Beispiel in den USA, ist sich von Kellenbach sicher.
Er erklärt: „Wir suchen einen Anbieter für alle Länder, der für jeden Standort ein zuverlässiges Billing und Reporting erstellt.“ Anhand der so gelieferten Daten will von Kellenbach zum Beispiel darstellen können, „wie viel CO2 wir mit dem Zug in UK in der letzten Woche erzeugt haben.“
Warum es zu Hause doch am schönsten ist
Bei all den Reisen: Am liebsten ist er zu Hause. Urs von Kellenbach kommuniziert das auch öffentlich – über „So gesehen“. Bei dieser Imagekampagne für Wiesbaden werben Persönlichkeiten für die Stadt. Keine Prominente, sondern Leute aus Schulen, vom Sportplatz oder aus der Baumpflege erzählen, warum sie in dieser Stadt leben und bleiben. Von Kellenbach hat das Konzept für diese Liebeserklärung mitentwickelt. Sein Engagement hat auch persönliche Gründe. „Ich habe eine Wiesbadenerin geheiratet und zwei Kinder, die hier aufwachsen werden“, sagt er. „Deshalb ist mir wichtig, dass es der Stadt gut geht.“
Erkenntnisse aus drei Jahrzehnten Arbeitsleben
Was hat von Kellenbach in seinen drei Jahrzehnten Arbeitsleben vor allem gelernt? „Erfolgreiche Kommunikation führt über Geduld und Zuhören“, erklärt der Travel Manager und Hotelier. Niemand habe „die Weisheit mit Löffeln gefressen.“
Seiner Erfahrung nach löst ein Mail-Ping-Pong selten ein Problem. Da geht es oft schneller, einfach mal den Hörer in die Hand zu nehmen und zu sagen: „Hey, komm, wie kriegen wir die Kuh vom Eis?“ Das macht für Urs von Kellenbach eben gute Kommunikation aus.
Travel Management bei Motel One
- Gegründet: 2000 von Hotelunternehmer Dieter Müller
- Hauptsitz: München
- Konzept: Budget-Design-Hotels mit standardisierten Zimmern und zentralen Lagen
- Größe: rund 100 Hotels mit etwa 28.000 Zimmern
- Märkte: Europa und USA
- Zahl der Mitarbeitenden: ca. 3.000
- Global über 2.500 reisende Mitarbeitende – mit einem Volumen von rund einer Million Euro
Motel One betreibt Hotels in Städten und richtet sich vor allem an Geschäfts- und Städtereisende. Die Zimmer folgen einem einheitlichen Konzept, während Lobbybereiche oft auf die jeweilige Stadt Bezug nehmen. Das Unternehmen gilt als früher Anbieter im Segment der sogenannten Budget-Design-Hotels.
