Wir haben den neuen Golf 8 gefahren

Der VW Golf 8 ist dem Erfolgsrezept der Wolfsburger folgend wieder ein Golf, aber was für einer. Abgesehen von der nur dezent veränderten Optik ist er der erste VW mit dem neuen Logo, der aber in Sachen Bedienung mit dem Vorgänger nichts mehr gemein hat. Auch dieser Golf wird im gewerblichen Markt vermutlich sogar vor dem Passat das Flottenauto Nr. eins werden. Das war er bzw. der Vorgänger Golf 7 nämlich in diesem Jahr schon in den ersten neun Monaten mit 35.710 verkauften Modellen an Unternehmensfuhrparks.

 

Der neue VW Golf 8 bietet Technik, wie sie sonst nur in der Oberklasse zu finden ist. Und er wird wieder ein fantastischer Geschäftswagen. Foto: G. Zielonka

Der neue VW Golf 8 bietet Technik, wie sie sonst nur in der Oberklasse zu finden ist. Und er wird wieder ein fantastischer Geschäftswagen. Foto: G. Zielonka

Das digitale Cockpit des neuen VW Golf 8 lässt sich schnell "erlernen" und zeigt, wohin die Reise bei der Bedienung moderner Automobile geht. Foto: VW

Das digitale Cockpit des neuen VW Golf 8 lässt sich schnell "erlernen" und zeigt, wohin die Reise bei der Bedienung moderner Automobile geht. Foto: VW

Die Digitalisierung von Europas, vielleicht sogar der Welt beliebtestem Kompaktmodell, kommt einer Revolution gleich. Kaum noch Bedienknöpfe, keine analogen Instrumente mehr, stattdessen ein intuitiv und nach persönlichen Vorlieben konfigurierbares Display und ein fantastisches (optionales) Head-up-Display, sowie digitalen Funktionalitäten ohne Ende.

Der Einstiegspreis soll knapp unter 20.000 Euro liegen. Aber ein richtig gut ausgestatteter Golf reißt locker die 30.000 Euro-Marke und nach oben sind beinahe keine Grenzen gesetzt, so umfangreich sind die optionalen Zutaten. Die offiziellen Preise will VW aus rechtlichen Gründen erst in der ersten Dezemberwoche bekannt geben.

DMM hat den Neuling gefahren der schon in wenigen Tagen in den Markt kommt. Den Golf 8 gibt es weiterhin als Benziner und Diesel und in fünf Hybridversionen (Mildhybrid und 2020 auch als Plug-in-Hybrid). Als rein batterieelektrische Version aber wird er nicht erscheinen. Diesen Part übernimmt der ID.3., der wohl mittel- bis langfristige zu 100 % elektrifizierte Nachfolger des in Sachen Antrieb noch traditionellen Golf. 

Der neue Golf auf dem Prüfstand. Auffallend, ob Diesel oder Benziner, beide Motorisierungen sind unabhängig von der Leistungsstärke außerordentlich quirlig. Und die neuen Golf 8 gehen erstaunlich leise ans Werk. Das Handling ist aus unserer Sicht perfekt. Das gilt auch für den Wohlfühlcharakter des Fahrers. Wir finden überhaupt keinen Kritikpunkt, und das will etwas heißen. Die Lenkung arbeitet direkt und leichtgängig. Das Fahrwerk ist so was von perfekt, ob Verbundlenker oder Mehrlenker-Hinterachse. Die Federung bietet den von vorherigen Gölfen bekannten hohen Komfort. Womit wir etwas Probleme hatten: Da ist zum einen das wirklich zu träge Navi, das seine optischen Anweisungen erst gibt, wenn man z.B. längst einen Kreisverkehr oder eine Ausfahrt hinter sich hat. Und dann die verzwickte Geschichte mit dem Sprachassistenten. Auch wenn dessen Stimme nach der Werkseinstellung weiblich ist, so sind deren Ergebnisse nach unseren Fragen, stets beginnende mit "Hey Volkswagen", eher frustrierend gewesen. Beispiel: Wir haben nach einer stark beschlagenen Frontscheibe gefragt, ob das Automobil dagegen etwas unternehmen kann, indem wir um eine Veränderung der Scheibenbelüftung baten. Die Antwort der "Lady", welches Sonderziel wir haben möchten. Weitere Fragen zur Einstellung der Klimaanlage wollte die Assistentin nicht beantworten; stattdessen forderte sie uns mehrfach auf, unser Anliegen zu einem späteren Zeitpunkt vorzutragen. Das Spielchen ging munter mit unpassenden Antworten weiter, bis wir aufgegeben haben.

Mit der achten Generation des bislang mehr als 35 Mio. Mal verkauften Bestsellers debütiert nicht nur eines der weltweit innovativsten Kompaktklasse-Modelle, sondern eines der progressivsten Automobile überhaupt, sagt Volkswagen, und Recht haben sie. Die digitale Interieur-Architektur des Golf ermöglicht eine neue Dimension der intuitiven Bedienung; das assistierte Fahren ist bis zu 210 km/h möglich. Und als erster Volkswagen nutzt der neue Golf via Car2X die Schwarmintelligenz des Verkehrs und warnt so vorausschauend vor Gefahren; Vernetzt mit der Außenwelt tauscht sich der Neuling im Umkreis von 800 m mit anderen Fahrzeugen, die das auch können, aus und soll so zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Das Ganze funktioniert via WLAN. Z.B. wird man früher vor einem Stauende gewarnt, vor einem  Unfall auf der Strecke und dergleichen mehr.

Was wir richtig gut finden, ist die doch erstaunlich umfangreiche serienmäßige Ausstattung. Schon die neue Basisversion hat eine ganze Reihe Hightech-Features an Bord, z.B. den Spurhalteassistenten „Lane Assist“, das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, einen neuen Abbiegeassistenten, Car2X, ein digitales Cockpit, ein Online-Infotainmentsystem mit 8,25-Zoll-Touchscreen, ein Multifunktionslenkrad so

Exterieurdesign. Nur auf den zweiten Blick fallen die leicht geschärften Konturen des Golf 8 auf, die ihn vom Golf 7 unterscheiden, auch die Scheinwerfer sind jetzt etwas prägnanter. Das neue  Lichtdesign wird laut VW dabei zu einem dominanten und unverwechselbaren Stilelement des achten Golf. Das war’s, was das Äußere betrifft, oder doch nicht? Tatsächlich soll jedes Teil der Karosserie neu geformt und im Windkanal geschliffen worden sein, was u.a. zu sehr guten aerodynamischen Werten führt. Er wurde so von 0,3 cw auf 0,275 m gesenkt.wie LED-Scheinwerfer und LED-Rückleuten. Und etliche Extras lassen sich sogar nachträglich und erwerben und freischalten, einfach über die Bildschirmsteuerung.

Digitales Interieur. Die neuen Instrumente und Online-Infotainmentsysteme verschmelzen auf einer Achse zu einem digitalen Cockpit; Bedieninseln mit Touchtasten und Touchslidern perfektionieren die digitale Welt. Fragt sich nur, ob auch der gesetzte Herr oder die gesetzte Dame aus dem Reigen der Best- bzw. Silber-Ager damit klar kommen.  Aber sie können sich das Ganze ja von ihren Kindern oder Enkeln erklären lassen. Optional ergänzt ein Windshield-Head-up-Display das Informationsspektrum. Über die Touchflächen lassen sich viele Funktionen auch per Sprachsteuerung sowie die Web-App „Alexa“ bedienen.

Vernetzt sind die Systeme nicht nur untereinander, sondern über eine Online-Connectivity-Unit (OCU) auch mit der Welt außerhalb des Golf. Die serienmäßige OCU mit integrierter eSIM vernetzt sich mit den Online-Funktionen- und Dienstleistungen von „We Connect“ und „We Connect Plus“. Ein Beispiel: Die Navigation wird dank Online-Anbindung interaktiv, da fortan automatisch angezeigte „Points of Interest” entlang der Route mit Informationen hinterlegt sind – etwa der Telefonnummer zum Buchen eines Tischs im Restaurant via Smartphone und der Bluetooth-Schnittstelle des Automobils. Bei aller digitaler Dienstleistungen, die Frage ist auch, wer die Flut an Services überhaupt nutzt, zumal man ja auch noch beim Fahren auf die Straße blicken muss. Okay, der Beifahrer, so es einen hat, kann das auch erledigen.

Der erstmals in einem Volkswagen der Kompaktklasse eingesetzte „Travel Assist“ macht es möglich, dass der Golf auf Autobahnen bis 210 km/h assistiert ohne aktives Lenken, Gasgeben und Bremsen gefahren werden kann. Aber die Hände müssen stets ans Lenkrad gelegt werden!
Legt man sich sein Benutzerprofil an, werden alle denkbaren Einstellungen in der Cloud gespeichert und sind jederzeit abrufbar. Persönliche Präferenzen können so auch auf andere Fahrzeuge übertragen werden, was z.B. für Dienstwagennutzer interessant ist, die sich aus einem Fahrzeugpool bedienen dürfen (sofern natürlich das Poolfahrzeug diese Funktionalität ebenfalls hat.

Acht neue Antriebsversionen.  Das Motorenprogramm beinhaltet Benzin- (TSI), Diesel- (TDI), Erdgas- (TGI), Mild-Hybrid- (eTSI) und Plug-in-Hybridantriebe. Neu im Programm sind als Premieren zwei Dreizylinder-Benziner mit 66 kW / 90 PS und 81 kW / 110 PS sowie zwei Vierzylinder-Diesel mit 85 kW / 115 PS und 110 kW / 150 PS. Die neuen TSI weisen besonders niedrige Verbrauchswerte und Emissionen auf. Ein Novum der TDI: Hier reduziert Volkswagen via Twindosing – einer zweifachen AdBlue-Einspritzung – signifikant die Stickoxid-Emissionen (NOx). Verbrauchsvorteil der neuen TDI: bis zu 17 % gegenüber dem vergleichbaren Vorgänger. Viel interessanter: Das Modell wird in fünf Hybridantrieben erhältlich sein. Ihr Debüt feiert dabei die 48V-Technololgie bei Volkswagen. Und so wird es den Golf mit drei Leistungsstufen des eTSI geben: 81 kW / 110 PS, 96 kW / 130 PS und 110 kW / 150 PS. Ferner wird es die neue Generation mit zwei Plug-in-Hybridantrieben geben. Eine neue Effizienzversion dieses Plug-in-Hybrids entwickelt 150 kW / 204 PS, eine sehr sportlich ausgelegte GTE-Version (weiterentwickelt aus dem Vorgänger) liefert 180 kW / 245 PS. Beide Golf mit Plug-in-Hybridantrieb haben eine neue 13 kWh-Lithium-Ionen-Batterie an Bord, die große elektrische Reichweiten ermöglicht und den Golf temporär zum Zero-Emission-Vehicle macht.

Vier neue Ausstattungslinien. Fortan wird es die Linien „Golf“, „Life“ und „Style“ sowie eine sportliche „R-Line“-Version geben. Alle neuen Linien sind deutlich umfangreicher ausgestattet als die vergleichbaren Vorgänger. Bereits zur Grundausstattung gehören Features wie LED-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten, „Keyless Start“, ein digitales Cockpit, die mobilen Online-Dienste und -Funktionen von „We Connect“ und „We Connect Plus“, ein Multifunktionslenkrad, eine Klimaautomatik, der Spurhalteassistent „Lane Assist“, ein neuer Abbiegeassistent, das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion und vorausschauendem Fußgängerschutzsystem sowie Car2X. Folgen werden im Laufe des nächsten Jahres die eigenständigen Modelle Golf GTI, GTI TCR, Golf GTD, Golf GTE und Golf R. Quelle: VW / DMM