Wird MSC lachender Dritter nach einem geplatzten Deal zwischen Lufthansa und ITA?

Der Deal zwischen Lufthansa und ITA ist noh lange nicht unter Dach und Fach. Aktuell sieht es ganz danach aus, as ob die EU-Kommission das Geschäfts gerne platzten lassen würde. Der kartellrechtliche Preis wird derzeit so hoch geschraubt, dass sich der Einstieg der Lufthansa beim italienischen Carrier nicht mehr lohnt. Nun überlegt man sich in Rom bereits, wie eine Alternative zu Lufthansa aussehen könnte. Auf den Plan getreten ist wieder MSC.

 

Wie DMM mehrfach berichtete, hatte Lufthansa ernstes Interesse an einer Teil- und später vollständigen Übernahme. Doch Brüssel hegt „ernsthafte Bedenken“ gegen den Einstieg der Deutschen, weil die EU-Kommission die zukünftige Marktstellung des Lufthansa-Konzerns und seiner internationalen Partner im Transatlantikverkehr als zu mächtig erscheint.  Bis jetzt ist es Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht gelungen, EU-Kommissarin Margrethe Vestager  zu überzeugen. Die EU-Kommission hat erst vor wenigen Tagen eine vertiefte Prüfphase 2 eröffnet. "Die Kommission hat am 23. Januar 2024 beschlossen, (...) dieses Verfahren einzuleiten, nachdem sie festgestellt hat, dass der angemeldete Zusammenschluss Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Binnenmarkt gibt", so eine aktuelle Stellungnahme der EU-Kommission. Voraussichtlich am 06. Juni soll dann eine Entscheidung fallen.  

Die Lufthansa-Gruppe hat nach ihren Angaben kaum Spielraum für Zugeständnisse an Brüssel in Sachen Abgabe von Slots bzw. Verbindungen über den Großen Teich; denn ITA ist gerade unter dem Aspekt des Nordamerikaverkehrs für den Konzern kommerziell von Interesse.

Wie die italienische Tegeszeitung „Corriere della Sea“ meldet, würden in diesem Jahr auf der Strecke Rom - New York 54 % des gesamten Sitzangebots auf ITA und A++ entfallen. Die Direktlinien Rom - Washington und Rom - San Francisco würden ausschließlich von ITA und United angeboten, nach Boston, Chicago und Toronto entstünde eine marktbeherrschende Stellung. Laut "Corriere Della Sera" zieht die EU-Kommission hier eine Statistik des US-Verkehrsministeriums heran.

Nach US-Daten wählten im Zeitraum von August 2022 bis Juli 2023 knapp 13 % der Fluggäste zwischen Italien und den Vereinigten Staaten einen Flug von ITA, weitere 15 % einen Flug der Lufthansa-Gruppe. Über A++ steuern United weitere 14 % und Air Canada 2 % Marktanteil bei - knapp 44 % des Passagierverkehrs zwischen Italien und den USA entfielen potenziell auf Lufthansa/ITA, United und Air Canada. Im Rahmen des Phase-2-Verfahrens will die EU-Kommission prüfen, ob Lufthansa und ITA tatsächlich Joint-Venture-Verkehre von United und Air Canada zugerechnet werden dürfen. In Brüssel heißt es laut Insidern,  dass es an den beiden LH-Drehkreuzen Frankfurt und München  Einschnitte im Transatlantikverkehr geben muss, andernfalls  wird aus der Aufnahme von ITA in die LH-Gruppe nichts.

Weil der Regierung in Rom ds Gezerre um ITA langsam zu bunt wird, überlegt sie bereits Alternativen zum Lufthansa-Einstieg. Premierministerin Giorgia Meloni habe sich vergangene Woche in Rom mit MSC-Gründer Gianluigi Aponte getroffen, schreibt die Zeitung La Repubblica. Der Reedereiriese hatte 2022 zusammen mit Lufthansa ein Angebot für ITA abgegeben – sich dann aber zurückgezogen. MSC scheint nicht abgeneigt zu sein, bei ITA einzusteigen. Quelle: Corriere della Sera / aero.de / DMM