Banken retten Thomas Cook

Um den börsennotierten Tourismuskonzern Thomas Cook Group plc (London) sieht es ziemlich düster aus. Die Halbjahresbilanz weist ein Minus von umgerechnet 1,67 Mrd. Euro aus. Der Umsatz verringerte sich im ersten Halbjahr 2019 von 3,7 auf 3,46 Mrd. Euro. Konzernchef Peter Fankhauser macht für die höheren Verluste aus dem operativen Geschäft vor allem die zögernde Nachfrage im Veranstaltergeschäft verantwortlich. Zum Glück greifen Banken mit einem Millionenkredit von 344 Mio. Euro dem finanzschwachen Konzern unter die Arme.

Einen riesigen Quartalsverlust vo 1,67 Mrd. Euro meldet der Touristikkonzern Thomas Cook. Dank Bankenhilfe über 344 Mio. Euro kann der Konzern weitermachen. Foto TC plc.

Einen riesigen Quartalsverlust vo 1,67 Mrd. Euro meldet der Touristikkonzern Thomas Cook. Dank Bankenhilfe über 344 Mio. Euro kann der Konzern weitermachen. Foto TC plc.

CEO Peter Fankhauser sieht die Schuld bei den Briten und deren gebremster Reiselust infolge der Brexit-Querelen, beim Klimawandel und der lang anhaltenden Hitzewelle des Sommers 2018 sowie beim schwachen Wintergeschäft, insbesondere in den nordischen Ländern. Zudem habe es eine milliardenschwere Sonderabschreibung auf mehrere britische Veranstaltermarken gegeben. Der größte Teil davon geht auf eine Wertberichtigung im Zusammenhang mit dem My-Travel-Merger im Jahr 2007 zurück. Ohne diesen Effekt wächst das Minus um 75 Mio. auf 281 Mio. Euro. Auch für das zweite Halbjahr rechnet Fankhauser mit einem operativen Ergebnis unter Vorjahr. Obwohl Thomas Cook die Kapazitäten für das Kurzfristgeschäft im Sommer bereits gesenkt habe, um keiner Preisschlacht ausgeliefert zu sein, werde der anhaltende Wettbewerbsdruck die Margen weiter verringern, erklärt er. Trotz der Fortschritte beim Ausbau der eigenen Hotellerie führten höhere Treibstoff- und Hotelleriepreise für die verbleibenden Monate zu „kräftigem Gegenwind“.

Die Börse reagierte auf die veröffentlichten Zahlen umgehend: Die Aktie brach zweistellig ein und fiel um 20,4 %. Indes gelang es dem auch wackligen Beinen stehenden Reisekonzern, bei Banken einen Kredit von 300 Mio. Pfund (344 Mio. Euro) zu sichern, was das vorläufige Überleben garantieren soll. Kann Thomas Cook auch sein Airlinegeschäft  (Condor , Thomas Cook Airlines Scandinavia, Thomas Cook Airlines Balearics und Thomas Cook Airlines UK) verkaufen – am 07. Februar 2019 hatte das Unternehmen mitgeteilt, die ihm gehörenden Fluggesellschaften verkaufen zu wollen –, dürfte der Touristikkonzern aus dem Gröbsten sein. Wie DMM berichtete, interessiert sich u.a. die Lufthansa für Condor. Aktuell „prüft“ der Touristikkonzern die Angebote für seine Flugsparte.

Der Touristikkonzern geht auf den Baptistenprediger und Verleger Thomas Cook (*22.11.1808 in Melbourne South Derbyshire) zurück. Der organisierte im Juli 1841 für 500 Reisende eine Zugfahrt von Leicester nach Loughborough zu einem Treffen der Abstinzenzbewegung (eine soziale Bewegung gegen den Genuss alkoholischer Getränke, die Ende des 19. Jahrunderts ihren Höhepunkt hatte). Ziel jener Reise vor 178 Jahren war die Zusammenkunft von Mitgliedern verschiedener Mäßigkeitsvereine. Im Jahr 1900 war das Unternehmen Thomas Cook and Son weltweit Marktführer in der Reisebranche. 1919 vertrieb das Unternehmen die ersten Flugtickets. Quelle: Thomas Cook / DMM