Baubeginn an künftiger Verkehrsdrehscheibe Stuttgart Flughafen

Die Deutsche Bahn geht im Zuge von Stuttgart 21 am Flughafen Stuttgart den nächsten wichtigen Schritt. Mit einem symbolischen Tunnelanschlag haben die Projektpartner am Montag, 20. Juli 2020, den Beginn der Hauptbauarbeiten der Schienenanbindung des Flughafens und der Landesmesse an die Neubaustecke nach Ulm gefeiert. Die Fahrzeit vom künftigen Hauptbahnhof (Stuttgart 21) zum Flughafen beträgt nur noch acht Minuten. Überhaupt profitieren insbesondere Unternehmen aus der nahen und weiteren Region von herausragenden Intermodalitätsangeboten mit sehr schnellen Zuganschlüssen an den Stuttgarter Airport.

Der Stuttgarter Flughafen wird mit der ICE-Anbindung eine attraktive Verkehrsdrehscheibe. Foto: Arnim Kilgus-DB

Der Stuttgarter Flughafen wird mit der ICE-Anbindung eine attraktive Verkehrsdrehscheibe. Foto: Arnim Kilgus-DB

Tunnelpatin war beim Anschlag die Stuttgarter Flughafen-Geschäftsführerin Dr. Arina Freitag. Foto: Sophia Kuisl - DB

Tunnelpatin war bei der Anschlagfeier in Plieningen die Stuttgarter Flughafen-Geschäftsführerin Dr. Arina Freitag. Foto: Sophia Kuisl - DB

Von der Anbindung des Stuttgarter Airports an die voll im Bau befindliche Schnellstrecke Wendlingen-Ulm war oft die Rede – seit Montag, 20. Juli 2020, wird jetzt daran gearbeitet. Mit einem symbolischen Tunnelanstich begannen zwischen Plieningen und der Autobahn 8 die Hauptarbeiten für die rund 2.200 m langen Röhren, die den Flughafen zur einer perfekten intermodalen Verkehrsdrehscheibe umfunktionieren. Mit der Neubaustrecke und dem Flughafenbahnhof auf den Fildern hoch über und südöstlich von Stuttgart gelegen entsteht bis Ende 2025 der erste Teil besagter Verkehrsdrehscheibe für Baden-Württemberg, von der allein in deren unmittelbarem Einzugsgebiet auf den Fildern rund 250.000 Menschen profitieren werden. Reisende können dann über kurze Wege aufs Flugzeug, auf den öffentlichen Nahverkehr oder auf das Auto umsteigen. Dank der neuen Infrastruktur ist der Flughafen vom zukünftigen Stuttgarter Hauptbahnhof aus in acht Minuten anstatt heute in 27 Minuten erreichbar.

Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg: „Es ist höchste Zeit, dass die Bauarbeiten jetzt auch am Flughafen endlich gestartet werden können. Jetzt stehen komplexe und komplizierte Bauarbeiten an. Ich wünsche den Ingenieuren und Bauarbeiten einen störungs- und vor allem unfallfreien Verlauf. Wir haben ja viele Verzögerungen erlebt, zuletzt durch Klagen. Umso wichtiger ist, dass es jetzt vorangeht, damit der Flughafenanschluss mit dem Tiefbahnhof Ende 2025 in Betrieb gehen kann. Wichtig ist aber auch, dass für die Führung der Gäubahn (Stuttgart-Rottweil-Singen (-Zürich)) über den Flughafen rasch eine Entscheidung getroffen wird. Denn erst dann kann das Projekt Stuttgart 21 am Airport fertiggestellt werden.

“Olaf Drescher, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH: „Der Beginn des Vortriebs auch der zweiten Röhre für den Flughafentunnel ist das Startsignal für einen wesentlichen Teil von Stuttgart 21: Wir setzen hier den Schlussstein für das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm, ohne das der angestrebte Deutschland-Takt im Südwesten schlicht nicht möglich wäre. Mit dem Schienenanschluss des Flughafens an den Fern- und Regionalverkehr entsteht die Verkehrsdrehscheibe für Baden-Württemberg. In Zukunft ergänzen sich hier die Verkehrsträger Eisenbahn, Öffentlicher Nahverkehr, Flugzeug und Auto auf geradezu ideale Weise.“

„Es ist eine große Ehre für mich, heute als Patin des Flughafentunnels den Baustart zu begleiten. Ich habe den allergrößten Respekt vor der schweren Tätigkeit der Mineure und wünsche ihnen jederzeit sicheres Arbeiten. Sie schaffen mit dem Bau des Tunnels neue Strecken, durch die am Landesflughafen eine einmalige Verkehrsdrehscheibe entsteht. Luftverkehr und Bahn gestalten gemeinsam die Zukunft der Mobilität in Baden-Württemberg. Wir bringen Menschen von Stuttgart in die Welt und Gäste zu uns ins Land“, sagt Dr. Arina Freitag, Tunnelpatin und Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH.

„Wir sind stolz darauf, auch an diesem so wichtigen Abschnitt des Gesamtprojekts Stuttgart 21 als Baupartner beteiligt sein zu dürfen. Uns erwartet ein spannendes und komplexes Bauvorhaben mit vielen beteiligten Gewerken und anspruchsvollem Terminplan, das neben technischem Knowhow vor allem auch eine exzellente und effiziente Teamleistung erfordern wird. Auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten freuen wir uns,“ sagt Edgar Schömig, Vorstandsmitglied der Ed. Züblin AG, im Namen der für den Bau verantwortlichen Arbeitsgemeinschaft aus der Ed. Züblin AG, Max Bögl und STRABAG.

Der rund 2.200 m lange Flughafentunnel erschließt den etwa 30 m unter der Messe-Piazza gelegenen, 450 m langen Bahnsteig am Airport. Teil zwei der Verkehrsdrehscheibe auf den Fildern, die Anbindung der Gäubahn, befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren. Insgesamt sind bei Stuttgart 21 von 59 km Tunnelröhren jetzt 50 km und damit 85 % vorgetrieben.

Zahlen, Daten, Fakten zu Stuttgart 21. Stuttgart 21 ist die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Das Gemeinschaftsprojekt wurde 2009 mit dem Finanzierungsvertrag von Bund, Land Baden-Württemberg, Landeshauptstadt Stuttgart, Verband Region Stuttgart, Flughafen Stuttgart GmbH und der Deutschen Bahn beschlossen. Gebaut werden:

  • vier neue Bahnhöfe
  • 57 km neue Schienenwege, die mit bis zu 250 km/h befahren werden
  • 59 km Tunnelröhren
  • 16 Tunnel und Durchlässe
  • 44 Brücken

Stuttgart 21 trägt dazu bei, die Reisezeiten im Fern- und im Regionalverkehr erheblich zu verkürzen, schließt den Flughafen an die Fernbahn an und soll Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Zu den großen Profiteuren zählen damit vor allem Geschäftsreisende.

  • Stuttgart Hbf–Flughafen: 8 statt heute 27 Minuten, was ideal für zeitsensible Geschäftsreisende ist
  • Ulm–Flughafen: 30 Minuten statt heute 1:35 Stunden
  • Rottweil–Flughafen Stuttgart: 59 Minuten statt heute 2:02 Stunden
  • Tübingen–Flughafen Stuttgart: 35 Minuten statt heute 65 Minuten

Der künftige Durchgangsbahnhof ermöglicht zudem viele neue umsteigefreie Verbindungen im Regionalverkehr und entlastet so auch die an der Belastungsgrenze fahrende S-Bahn.

Viermal so teuer wie geplant. Das Projekt wurde 1994 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bauarbeiten begannen am 02. Februar 2010. Die zunächst für Dezember 2019 geplante Fertigstellung von S21 inklusive der Schnellstrecke nach Ulm wurde mehrfach verschoben. Inzwischen soll die Eröffnung des Hauptbahnhofs im Dezember 2025 erfolgen, andere Projektteile später. Die offiziellen Kostenschätzungen sind seit der Projektvorstellung 1995 mehrfach gestiegen: Von ursprünglich 2,5 Mrd. Euro über 4,1 Mrd. Euro bei Baubeginn 2010 auf 8,2 Mrd. Euro im Januar 2018. Der Bundesrechnungshof kalkuliert inzwischen mit 10 Mrd. Euro. Quelle: Deutsche Bahn / DMM