DB: Böser Verlust und Milliardeninvestitionen

Die noch lange nicht ausgestandene Corona-Pandemie reißt bei der Deutschen Bahn tiefe Löcher in die Bilanz. Aber: Konzernchef Dr. Richard Lutz sieht Licht am Ende des Tunnels und will noch mehr Tempo für nachhaltige Mobilität und Logistik machen.

Setzte Corona schon der Bilanz der DB zu, so kommen mit der Überflutungskatastrophe vom Juli 2021 weitere Schäden in Milliardenhöhe hinzu. Hier ein Blick auf eine zerstörte Bahnlinie bei Bad Münstereifel. Foto: DB

Setzte Corona schon der Bilanz der DB zu, so kommen mit der Überflutungskatastrophe vom Juli 2021 weitere Schäden in Milliardenhöhe hinzu. Hier ein Blick auf eine zerstörte Bahnlinie bei Bad Münstereifel. Foto: DB


Mehr Reisende, mehr Güter, mehr Umsatz: Seit dem zweiten Quartal 2021 verzeichnet die Deutsche Bahn den lange erhofften und einen spürbaren Aufwärtstrend. Mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Deutschland zieht seit April auch die Nachfrage im besonders stark von der Pandemie betroffenen Fernverkehr wieder kräftig an. Gleichwohl hat der harte und mehrfach verlängerte Lockdown in den ersten Monaten des Jahres tiefe Spuren in der Halbjahresbilanz hinterlassen. Für mehr klimafreundliches Wachstum investierte die DB trotz Pandemie weiter auf Rekordniveau – bei der Eisenbahn in Deutschland sogar stärker als zuvor.

Der DB-Konzern schließt die ersten sechs Monate 2021 pandemiebedingt mit einem operativen Verlust (EBIT bereinigt) in Höhe von 975 Mio. Euro ab. Zusammen mit außerordentlichen Effekten, Zinsaufwand und Ertragssteuern führt dies zu einem Ergebnis nach Steuern von minus 1,4 Mrd. Euro. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 konnten die Verluste damit aber insgesamt deutlich verringert werden. Beim Umsatz verbesserte sich die DB in den ersten sechs Monaten 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,2 % auf 21,8 Mrd. Euro.

Positiv wirkte sich die sehr gute Entwicklung der Logistik-Tochter DB Schenker aus. Trotz Pandemie schlossen unter anderem auch die Geschäftsfelder DB Regio, DB Netze Fahrweg und DB Cargo bei den Umsätzen besser ab als im Vorjahreshalbjahr. Wie der Vorstandsvorsitzende weiter ausführt gibt es substanzielle Verbesserungen bei Flotte und Netz, etwa durch neue XXL-ICE und fast 2.000 km erneuerte Gleise allein in 2021.

Der Bahn-Chef betonte die Bedeutung der DB für das Erreichen der Klimaziele in Deutschland und Europa: „Das verheerende Hochwasser im Juli hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind. Deshalb ist die Schiene wichtiger denn je für eine nachhaltige Entwicklung. Der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen bestätigt uns: Die Menschen wollen wieder Bahn fahren.“

Mit rund 5,6 Mrd. Euro Brutto- und rund 2,7 Mrd. Euro Netto-Investitionen knüpfte die DB in den ersten sechs Monaten 2021 an die höchsten Halbjahreswerte ihrer Geschichte in 2020 an. Die Mittel fließen in moderne Infrastruktur, aber auch in neue Züge. Die Rekord-Investitionen vor allem in die Eisenbahn in Deutschland tragen dazu bei, die Qualität weiter zu steigern. Im ersten Halbjahr 2021 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr bei 79,5 % (Vorjahreszeitraum 83,5 %). Im Vergleich zum Vorjahr wirken deutlich mehr Betriebsleistungen auf der Infrastruktur, der seit Jahren heftigste Kälteeinbruch im ersten Quartal und extreme Regenfälle der letzten Wochen.

Im ersten Halbjahr 2021 nutzten deutschlandweit rund 480 Mio. Reisende die Züge der DB (Vorjahreszeitraum: rund 663 Mio.). Vor der Pandemie waren es im ersten Halbjahr 2019 noch über 1 Mrd. Fahrgäste. Die Nahverkehrstochter DB Regio beförderte in den ersten sechs Monaten 2021 rund 27 % weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum. Besonders groß war der Rückgang mit minus 34 % Reisenden beim Fernverkehr. Dabei sind die Halbjahreszahlen 2020 und 2021 allerdings nur eingeschränkt vergleichbar, auch weil Anfang vergangenen Jahres noch Rekord-Monate ohne jeden Corona-Schaden in die Bilanz eingeflossen waren. Ursache für die Einbußen beim Fernverkehr im ersten Halbjahr 2021 sind die langen Lockdowns im ersten Quartal. Inzwischen haben Auslastung und Buchungen spürbar angezogen. Im zweiten Quartal 2021 liegen die Reisendenzahlen um 50 % oberhalb des Vorjahres. Dr. Levin Holle, Vorstand Finanzen und Logistik, bekräftigte, dass die DB die Hälfte der Corona-Schäden in Höhe von mehr als 10 Mrd. Euro bis 2024 selbst ausgleichen wolle.

Für das Gesamtjahr 2021 rechnet die DB erneut mit einem negativen operativen Ergebnis, auch weil die Lockdown-Monate zu Jahresbeginn voraussichtlich nicht mehr voll aufzuholen sind. Es dürfte mit etwa 2 Mrd. Euro aber deutlich niedriger ausfallen als 2020. Die DB geht davon aus, dass der Umsatz 2021 auf mehr als 42 Mrd. Euro steigt. Nicht verlässlich vorhersehbar ist, wie sich Pandemie, Konjunktur und die Bewältigung der Hochwasserlage entwickeln werden, so dass alle Vorhersagen natürlich mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Quelle: Deutsche Bahn / DMM