DB: Masterplan Schiene

Über Jahrzehnte hat die Politik der Straße den Vorrang gegeben, und selbst heute ist es noch so. Viele Tausende Schienenkilometer wurden abgebaut, zahllose Bahnhöfe wurden dem Verfall preisgegeben oder verkauft, zahllose Gemeinden wurden vom Personenverkehr auf der Schiene abgekoppelt. Der Güterverkehr wurde zum allergrößten Teil Millionen von Lkw überlassen, die heute die Bunesrepublik in Grund und Boden fahren, insbesondere was die Straßeninfrastruktur, das Unfallgeschehen und die Sauberkeit (Rastanlagen, Autobahnauf- und -abfahrten etc.) betrifft. Ein oft genug trauriges Bild gibt aber auch die Bahn ab. Mit Ausnahme ihrer Schnellstrecken und Vorzeigebahnhöfe bietet sie dem Betrachter nur allzuoft ein eher verwahrlostes Bild. Jetzt soll wieder einmal alles besser werden. Der Masterplan Schiene soll's richten.

Nach Jahrzehnten des Herunterwirtschaftens durch die verschiedenen Bundesregierungen und Bahnmanagements soll die Bahn durch einen Masterplan wieder besser aufgestellt werden. Foto: DB

Nach Jahrzehnten des Herunterwirtschaftens durch die verschiedenen Bundesregierungen und Bahnmanagements soll die Bahn durch einen Masterplan wieder besser aufgestellt werden. Foto: DB

„Wir wollen eine substanzielle Verkehrsverlagerung, wir wollen mehr grüne Mobilität und wir wollen bessere, zuverlässigere Angebote für die Kunden. Der „Masterplan Schiene“ – im breiten Konsens entwickelt – ist der Kompass für die Zukunft der Schiene in Deutschland.“ Der DB-Vorstandsvorsitzende Dr. Richard Lutz unterzeichnete am 30. Juni gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und weiteren Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden den „Schienenpakt“ des 2018 begründeten Zukunftsbündnis Schiene manifestiert.

Dr. Lutz: „Fundamental ist der Ausbau der Infrastruktur. Denn das ist der Schlüssel ist für Wachstum und Verkehrsverlagerung, für Betriebsqualität und Pünktlichkeit.“
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der Bahn-Beauftrage der Bundesregierung, Enak Ferlemann, sowie Vertreter der Bahnwirtschaft stellten am Dienstag, 30.06. im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) einen Schienenpakt zur Stärkung des Bahnsektors unterzeichnet und einen "Masterplan Schienenverkehr" vor. Zudem wird die Umsetzung des Deutschlandtakts gestartet.

Schienenpakt. Mit dem Schienenpakt wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. Minister Scheuer und der Bahnbeauftragte Enak Ferlemann haben dafür zu Beginn der Legislaturperiode das "Zukunftsbündnis Schiene" gestartet. Zwei Jahre wurde intensiv gearbeitet.

Der Schienenpakt ist nun ein klares gemeinsames Bekenntnis der gesamten Branche für eine dauerhaft starke Schiene. Fahrgäste, Eisenbahnunternehmen, Industrie, Beschäftigte und Umwelt profitieren davon. Der Bahnverkehr wird leistungsstärker, zuverlässiger und klimaschonender. Ziele sind die Zahl der Fahrgäste bis 2030 verdoppeln und den Anteil des Schienengüterverkehrs auf 25 % zu erhöhen.

Mit dem Masterplan wird Folgendes umgesetzt:

  • Deutschlandtakt
  • Mehr Kapazität durch Strecken- Korridor- und Knotenausbau sowie Digitalisierung
  • Mehr Wettbewerb
  • Mehr Lärm- und Klimaschutz
  • Mehr innovative Fahrzeuge und Technologien, mehr Forschung
  • Mehr hochmotivierte und qualifizierte Fachkräfte durch gute Arbeitsbedingungen
  • Mehr Güter auf der Schiene

Deutschlandtakt. Mit dem Deutschlandtakt werden die Bahnkunden in den kommenden Jahren ganz konkrete Verbesserungen spüren. Schon ab Dezember 2020 sollen zwischen Berlin und Hamburg Züge im Halbstundentakt fahren. Weitere Strecken sind in Planung.
Optimale Anschlüsse beim Ein - und Umsteigen - vom Hochgeschwindigkeitsverkehr bis zur Regionalbahn.
Öfter: Auf allen wichtigen Hauptverkehrsachsen jede halbe Stunde ein Zug
Schneller: Kürzere Fahrzeiten
Überall: Optimale Anbindung von Städten und Regionen.

Über zwei Jahre hatten Experten aus 27 Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen, der Bahnindustrie, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden, Kunden-, Branchen- und Umweltorganisationen, die Verkehrswissenschaft sowie aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, dem Eisenbahnbundesamt und der Bundesnetzagentur in diversen Arbeitsgruppen unter dem Dach des Zukunftsbündnisses intensiv zusammengearbeitet und Vorschläge für eine starke und wettbewerbsfähige Eisenbahn in Deutschland entwickelt. „Heute ist ein guter Tag für das Klima, ein guter Tag für die Menschen und ein guter Tag für den Verkehrsträger Schiene“, so DB-Chef Richard Lutz.

Die wichtigsten Bestandteile des „Masterplans":

  • Der Deutschlandtakt für den Fern-, Nah- und Güterverkehr, als die zentrale Anleitung für eine fahrplanbasierte Infrastrukturentwicklung. Einen Vorgeschmack auf den Deutschlandtakt gibt es mit der für Dezember 2020 geplanten Einführung des Halbstundentakts zwischen Hamburg und Berlin.
  • Die Kapazität auf der Infrastruktur. Im Masterplan wird der erforderliche Mittelhochlauf, etwa für den Aus- und Neubau oder die Digitalisierung, konkret beziffert. Insgesamt werden in den kommenden zehn Jahren rund 170 Milliarden Euro in Modernisierung und Kapazitätssteigerung der Infrastruktur investiert.
  • Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber anderen Verkehrsträgern
  • Forschung und Innovation vorantreiben.

Stellungnahme von Bündnis90/Die Grünen: Zum jetzt vorgestellten Schienenpakt erklären Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik, und Stefan Gelbhaar, Sprecher für städtische Mobilität: "Der Schienenpakt enthält einige interessante Vorschläge, die aber konkretisiert, finanziert und umgesetzt werden müssen. Daran hapert es seit eh und je. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem, wenn es um eine bessere Bahn geht.

Bundesverkehrsminister Scheuer wollte Ende letzten Jahres noch die Strukturfragen im Bahnwesen klären. Davon ist in diesem Schienenpakt nichts übrig geblieben. Stattdessen haben wir eine große PR-Show für Verkehrsminister Scheuer und nun fragt man sich, ob die vielen Ankündigungen überhaupt finanziert sind. Denn für viele gute Ideen gibt es noch nicht einmal eine Finanzierungszusage der Bundesregierung."

Meinung des VCD: Als Mitunterzeichner des Schienenpakts sieht der ökologische Verkehrsclub VCD die Bahn durch den vorgelegten Entwurf für einen Deutschlandtakt grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Die Bundesvorsitzende des VCD, Kerstin Haarmann, erklärt: „Der VCD begrüßt, dass durch den Deutschlandtakt die Belange der Fahrgäste und Vorteile für den Güterverkehr zum Wohle aller kombiniert werden. Durch schnelle Verbindungen und abgestimmte Anschlüsse bis in die hintersten Winkel des Landes werden mehr Fahrgäste auf die umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bahn und Bus umsteigen. Der VCD setzt sich seit Jahren für den Deutschlandtakt ein und wird die Umsetzung nach besten Kräften unterstützen.“ 

Nach Einschätzung des VCD wird die angepeilte Verdopplung der Fahrgastzahlen mit dem jetzt veröffentlichten Zielfahrplan 2030+ möglich. Der Umweltverband hatte die Planung in den vergangenen Monaten im „Zukunftsbündnis Schiene“ begleitet. Dort wurden auch zahlreiche weitere flankierende Maßnahmen erarbeitet, die für einen Erfolg des Deutschlandtakts unabdingbar sind. Dazu zählen die weitere Digitalisierung der Schiene, zusätzliches Personal und bessere Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb um die Reisenden. Philipp Kosok, VCD-Sprecher für Bahnpolitik, ergänzt: „Der Verkehrsminister hat einen Plan für die Bahn vorgelegt, auf dem sich aufbauen lässt. Der Plan ist ambitioniert. Mit dem heutigen Schienennetz lässt er sich noch nicht bewerkstelligen. Daher müssen ab dem kommenden Jahr die Haushaltsmittel für den Netzausbau deutlich angehoben werden.“

Der VCD hatte sich bereits als Gründungsmitglied in der Initiative Deutschlandtakt für das Konzept einer bundesweit abgestimmten Taktung eingesetzt. Vorbild dafür war ein ähnliches Konzept der Schweiz, das es dort unter den Namen „Bahn 2000“ bereits seit 1982 gibt. Seit 2004 verbindet der dortige Fernverkehr die Städte in einem Halbstunden-Takt. Ein vergleichbares Angebot soll jetzt schrittweise in Deutschland entstehen. Quelle: DB / DMM