Jahrhundertbauwerk NEAT ist fertig

In der Nacht zum 01. September 2020 geht der Ceneri-Basistunnel, das letzte Element der NEAT, von der Erstellerin AlpTransit Gotthard AG an die SBB als Betreiberin über. Die SBB wird anschließend im Rahmen des sogenannten Probebetriebs bis zu 5.000 Züge mit Reisenden oder Gütern durch den Tunnel schicken, bevor sie dann den Tunnel im Dezember 2020 fahrplanmäßig in Betrieb nimmt. Die NEAT ist eines der wichtigsten europäischen Infrastrukturprojekte, das exakt im Zeitplan und auch im Kostenrahmen gebkieben ist. Die Schweizer machen damit Deutschland vor, wie man milliardenschwere und aufwändigste Infrastrukturprojekte vorbildlich umsetzt.

 

Mit dem 15 km langen Cenerei-Basistunnel ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas in der Schweiz, die NEAT, fertiggestellt. Dier Einweihunbgsfeierlichkeiten finden am 03. und 04. September 2020 statt. Foto: SBB

Mit dem 15 km langen Cenerei-Basistunnel ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas in der Schweiz, die NEAT, fertiggestellt. Dier Einweihunbgsfeierlichkeiten finden am 03. und 04. September 2020 statt. Foto: SBB

Der Ceneri-Basistunnel (CBT) ist ein 15 km langer, zweigleisiger Eisenbahntunnel im Schweizer Kanton Tessin. Er wurde im Zuge des Neue Eisenbahn-Alpentransversale erstellt und dient dem Gotthard-Basistunnel als südlicher Zubringer.

Der rechtliche Übergang von der AlpTransit Gotthard AG (ATG) an die SBB markiert den Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und die Fertigstellung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen NEAT. Auf der Pressekonferenz beim Nordportal in Camorino (TI) informierten Vertreter der ATG, der SBB und des Schweizer Bundesamts für Verkehr (BAV) über den aktuellen Stand der Arbeiten.

Dieter Schwank, CEO der ATG, informierte über die letzten Arbeiten im Ceneri-Basistunnel sowie über den Stand des Testbetriebs. Vom 01. März 2020 bis Ende August 2020 wurden insgesamt mehr als 2.000 Testfahrten mit zusammen rund 40.000 km absolviert. Solche Tests werden ohne Passagiere oder Güter durchgeführt, um die sichere Funktion aller Anlagen und Systeme im neuen Tunnel zu überprüfen. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie musste der Testbetrieb während vier Wochen unterbrochen werden. Er wurde am 20. April unter Einhaltung von Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit wieder aufgenommen. Am frühen Morgen des 01. Mai fuhr ein Testzug ICE-S der Deutschen Bahn mit 275 km/h durch den Tunnel.

Der Leiter der Projektorganisation Nord-Süd Achse Gotthard der SBB, Daniel Salzmann, zeigte auf, wie der Bahnbetrieb nach dem Übergang des Tunnels an die SBB im Probebetrieb sukzessive hochgefahren wird. Insgesamt sind 4.000 bis 5.000 Fahrten von regulären Reise- und Güterzügen durch den Tunnel geplant. Die SBB nutzt den gut drei Monate dauernden Testbebetrieb als „Generalprobe“ vor dem Fahrplanwechsel, um den Betrieb, die Erhaltung und die Intervention einzuüben.

Gregor Saladin, Co-Projektleiter der Feierlichkeiten zur Fertigstellung der NEAT („Ceneri 2020“) beim BAV, gab einen Ausblick auf die Veranstaltungen am 03. und 04. September: Am 03. September treffen sich auf Einladung von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga Delegationen aus den Verkehrsministerien der Nachbarländer in Locarno. Dabei geht es um den alpenquerenden Schienengüterverkehr, um internationale Personenzüge und um eine umweltfreundliche Verkehrspolitik. Am 04. September findet die Feier zur Eröffnung des Tunnels und zur Fertigstellung der NEAT statt. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, Bundesrat Ignazio Cassis und der Tessiner Staatsratspräsident Norman Gobbi werden die Eröffnungsansprachen halten. Die Fertigstellung des Tunnels wird mit dem traditionellen Band-Durchschneiden markiert. Während der Zeremonie erfolgt die offizielle Erstfahrt eines Güterzugs durch den Ceneri-Basistunnel.

Mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels wird die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) vollendet. Sie ist das größte Infrastrukturvorhaben, das die Schweiz je in Angriff genommen hat. Es wurde exakt nach Plan und auch in Bezug auf die Kosten (ohne Mehrkosten!) fertiggestellt. Mit den Feierlichkeiten setzt die Schweiz ein starkes Zeichen für die Verlagerungspolitik von der Straße auf die Schiene und eine umweltfreundliche Verkehrspolitik.

Mit ihrem Ja zur NEAT hatte sich die Schweizer Bevölkerung 1992 für die Realisierung des Jahrhundertwerks ausgesprochen. Bundesrat, Parlament, Verwaltung und Unternehmen haben den Auftrag der BürgerInnen entsprechend umgesetzt.

Das Programm zur Feier. Während der Zeremonie kommen drei Züge zum Einsatz, welche die Funktion des Ceneri-Basistunnel für den alpenquerenden Güterverkehr, den Personenfernverkehr sowie für die S-Bahn Tessin versinnbildlichen:
• Bundespräsidentin Sommaruga und Bundesrat Cassis werden in einem Giruno-Hochgeschwindigkeitszug der SBB auf den Festplatz fahren. Diese Züge werden künftig das Rückgrat des Fernverkehrs auf der Gotthard-Achse zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin sowie Italien bilden. Dabei verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Zürich und Lugano auf knapp zwei Stunden. Für Geschäftsreisende ist die durchgehende Schnelltrasse zwischen Zürich und Norditalien ein enormer Gewinn, zeitlich wie auch in Sachen Komfort. Auch Nachtzüge sollen küntig von Deutschland übver die NEAT nach Norditalien verkehren. 

  • Regierungspräsident Gobbi sowie die CEOs von ATG und SBB werden in einem Flirt-Zug der S-Bahn Tessin eintreffen. Die SBB wird die S-Bahn Tessin nach der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnel am 13. Dezember 2020 schrittweise ausbauen. Die Fahrzeit zwischen Lugano und Locarno wird dank neuer Direktverbindungen bis 30 Minuten kürzer.
  • Als symbolischer Eröffnungszug ist ein internationaler Güterzug des kombinierten Verkehrs geplant. Es handelt sich um einen Containerzug von SBB Cargo International, der zwischen Deutschland und Italien verkehrt. Gezogen wird er von einer Siemens-Hightech-Lokomotive der Baureihe 193 (Vectron). Die NEAT bringt zusammen mit dem 4-Meter-Korridor über die Gotthardachse dem alpenquerenden Schienenverkehr mehr Kapazität, Effizienz und Zuverlässigkeit.
  • Treffen in Locarno. Für den 03. September 2020 hat Bundespräsidentin Sommaruga Vertreterinnen und Vertreter der Nachbarländer Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich und Liechtenstein sowie die EU-Kommission zu einem Treffen in Locarno eingeladen. Thema der Gespräche sind die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und die Förderung des Schienenpersonenverkehrs mit besonderem Augenmerk auf die internationalen Bahnverbindungen inklusive neuer Nachtzüge. Die Teilnehmenden des internationalen Treffens nehmen am Nachmittag des 03. September 2020 einen Augenschein beim Tunnelportal in Camorino.

Kulturprogramm „Ceneri 2020“. Das kulturelle Programm des Eröffnungsanlasses steht ganz im Zeichen der Alphornmusik. Der offizielle Teil von Ceneri 2020 wird von den Alphornbläserinnen und -bläsern der Tessiner Alphornvereinigung ACASI (Associazione Corno delle Alpi della Svizzera Italiana) umrahmt, die mit der Schaffhauser Musikerin Lisa Stoll zusammenspielen. Damit wird die Funktion des Ceneri-Basistunnels und der gesamten NEAT künstlerisch zur Geltung gebracht: der Norden und der Süden der Alpen kommen zusammen. Quelle: BAV / DMM